Teils bekämpft, teils geduldet: Familie Imker Zigeunerleben in Bersenbrück

Mit dem Schicksal einer Zigeunerfamilie beschäftigen sich Vera Bollmann und Sabrina Büscher (von links). Nicht auf dem Bild: Koautorin Verena Torbecke. Foto: Lena StangenbergMit dem Schicksal einer Zigeunerfamilie beschäftigen sich Vera Bollmann und Sabrina Büscher (von links). Nicht auf dem Bild: Koautorin Verena Torbecke. Foto: Lena Stangenberg

Bersenbrück. In den Zwanzigerjahren machten sie gelegentlich mit ihrem Wohnwagen in Bersenbrück halt. Der Vater verdiente das Geld als Korbmacher. Die „Zigeuner-Familie“ Imker. Über die Ausgrenzung und Diskriminierung der sogenannten Zigeuner in der Weimarer Republik forschten Vera Bollmann und Sabrina Büscher.

„In unserer Seminararbeit haben wir bewusst den Begriff Zigeuner verwendet“, erklärt Vera Bollmann. Diesen Begriff sehe man heute als diskriminierend an. Aber gerade um die Ausgrenzung der Sinti und Roma in der Geschichte deutlich zu machen, entschieden die Schülerinnen sich für die Bezeichnung Zigeuner.

Welche Menschen stehen eigentlich hinter dem Wort Zigeuner? Wie sah ihre rechtliche Situation in der Weimarer Republik aus? Die Autorinnen beschreiben die Gesetze zur „Bekämpfung“ von Zigeunern in Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Zeit des Nationalsozialismus.

Für ihre Arbeit recherchierten die Abiturientinnen zusammen mit Mitschülerin Verena Torbecke im Niedersächsischen Landesarchiv in Osnabrück. Dort lasen sie damalige Polizeiakten über Festnahmen von Sinti und Roma. Zeitungsartikel aus der Zeit gaben ihnen Einblicke, wie die Bevölkerung sie gesehen hat. „Bei Diebstählen wurden sofort Zigeuner verdächtigt“, berichtet Sabrina Büscher.

Interessanterweise erfuhren die Schülerinnen auch etwas über die Zigeunerfamilie Imker, die zeitweise in Bersenbrück wohnte. Dort schienen die Imkers jedoch akzeptiert, vermuten die Schülerinnen. „Drei Kinder der Familie wurden hier geboren und in der katholischen Kirche getauft. Sie nahmen am Leben der Kirchengemeinde teil“, erzählt Bollmann.

Die Seminararbeit erscheint im Buch „Schattenschicksale – Außenseiter im Altkreis Bersenbrück“, das ab 22. März in den Buchhandlungen in Ankum, Bersenbrück und Quakenbrück erhältlich ist . Der Erlös ist für weitere Geschichts-Projekte am Gymnasium Bersenbrück gedacht.


Schüler des Gymnasiums Bersenbrück haben historische Beiträge zum Thema Außenseiter verfasst, die im Buch „Schattenschicksale – Leben als Außenseiter im Altkreis Bersenbrück“ veröffentlicht werden. In einer Serie stellen wir die sieben Beiträge und ihre Autoren vor.

Das Buch „Schattenschicksale“ ist ab Montag, 22. März, in den Buchhandlungen in Ankum, Bersenbrück und Alfhausen für 8,50 Euro erhältlich.

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