„Zeugin glaubwürdig“ Bersenbrück: Haft für Zuhälterei und Vergewaltigung

Das Schöffengericht des Amtsgerichts Bersenbrück hat eine Rumänen wegen Zuhälterei und Vergewaltigung zu drei Jahren Haft verurteilt.  Symbolfoto: Sigrid Schüler-JuckenackDas Schöffengericht des Amtsgerichts Bersenbrück hat eine Rumänen wegen Zuhälterei und Vergewaltigung zu drei Jahren Haft verurteilt. Symbolfoto: Sigrid Schüler-Juckenack

Bersenbrück. Wegen Zuhälterei und Vergewaltigung, beides in Tateinheit mit Körperverletzung, hat das Amtsgericht Bersenbrück einen Rumänen zu drei Jahren Haft verurteilt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es ist der Schlusspunkt eines komplizierten Verfahrens vor dem Schöffengericht, das im vergangenen Jahr unterbrochen werden musste, weil der Angeklagte nicht mehr vor Gericht erschien. Auch nach seiner Verhaftung gab es Verzögerungen, weil Zeuginnen nicht erschienen, das Gericht musste sie vorführen lassen.

In ihrer Argumentation folgte die Richterin weitgehend dem Staatsanwalt, der allerdings ein Strafmaß von drei Jahren und fünf Monate Haft gefordert hatte. Zwar fehlten direkte Beweise. Außerdem hatten Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten den Eindruck zu erwecken versucht, die Vorwürfe träfen nicht zu. Dabei verwickelten sich teils in Widersprüche zu Aussagen, die sie im vergangenen Jahr in polizeilichen Vernehmungen zu Protokoll gegeben hatten.

„Merkwürdig“ fand die Richterin die Aussagen eines Deutschen, der das Verfahren in Gang gesetzt hatte. Er hatte seine Geliebte zur nachträglichen Anzeige überredet.

Die aber, die Hauptzeugin nämlich, eine Rumänin Anfang 20, sei durchaus glaubwürdig. Weil sie in Rumänien keine Perspektive für sich sah, habe sie sich mit dem Enddreißiger verabredet, auf seine Vermittlung in Deutschland der Prostitution nachzugehen. Die beiden lebten Anfang 2012 in einer Bramscher Wohnung gemeinsam mit weiteren Prostituierten und einem Bekannten des Angeklagten zusammen. Von dort habe die Frau auf Vermittlung des Angeklagten in Bordellen in Wallenhorst, Nottuln und Wolfsburg gearbeitet, so die Richterin.

Dann habe die junge Frau aber feststellen müssen, dass sie nicht wie geplant ihre Familie in Rumänien unterstützen könne, weil der Angeklagte fast alle ihre Einnahmen einbehielt. Das erfülle den Tatbestand der dirigistischen wie der ausbeuterischen Zuhälterei.

Schmerzensgeld

Die Aussage einer weiteren Prostituierten erhärte, dass er gegenüber der Frau tätlich geworden sei. Und dass es zu erzwungenem Sex in der Bramscher Wohnung gekommen sei, als sie ihn für den gemeinsamen Bekannten verlassen und auf eigene Rechnung habe arbeiten wollen.

Der Nebenkläger hatte sich dieser Darstellung ebenfalls angeschlossen und forderte ein Schmerzensgeld von 10000 Euro für seine Mandantin. Es sei nicht zu erwarten, dass sie ihre Forderungen gegen den Angeklagten zivilrechtlich durchsetzen könne ohne den Druck des Strafverfahrens.

Das Gericht folgte dieser Forderung nicht. Ebenso wenig folgte es der Verteidigerin, die ein Glaubwürdigkeitsgutachten der Hauptzeugin verlangte. Sie habe die sexuellen Praktiken offengelegt, mit denen sie 17 und mehr Freier pro Schicht befriedigt habe. Sie habe eine bekannte aufgefordert, Gruppensexszenen mit ihr zu filmen und per Livestream ihrem Ehemann in Rumänien vorzuführen.

Das Gericht wies den Antrag zurück. Es habe sehr wohl die Sachkunde, selbst die Glaubwürdigkeit der Zeugin festzustellen. Hinweise auf psychische oder hirnphysiologische Auffälligkeiten, die ein Glaubwürdigkeitsgutachten erforderlich machten, gebe es nicht.


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