Amtsgericht Bersenbrück Prozess: Vergewaltigung in Bramsche?

In einem Verfahren vor dem  Amtsgericht Bersenbrück geht es um Prostitution, Körperverletzung und Vergewaltigung. Foto: Sigrid SchülerIn einem Verfahren vor dem Amtsgericht Bersenbrück geht es um Prostitution, Körperverletzung und Vergewaltigung. Foto: Sigrid Schüler

Bersenbrück. Ein Prozess vor dem Amtsgericht Bersenbrück wirft ein grelles Schlaglicht auf bedrückende Parallelwelt, direkt vor unserer Haustür. Es geht um Prostitution, Körperverletzung und Vergewaltigung.

Die Anklage wirft einem 39-jährigen Rumänen vor, Anfang 2012 eine junge Ländsmännin nach Deutschland gebracht zu haben. Er soll sie in Bordelle in Nottuln, Wolfsburg und Wallenhorst vermittelt haben. Und in einer Art Wohngemeinschaft in Bramsche, in der der Angeklagte mit der jungen Frau, einem weiteren Mann und mehreren Frauen zusammenlebte, da soll es zu Tätlichkeiten und Sex gegen den Willen der Frau gekommen sein.

Mit großer Mühe versuchen Richterin, Staatsanwalt, ein Nebenkläger, der die junge Frau vertritt und eine Verteidigerin, Licht in die Sache zu bringen. Doch das ist enorm schwierig. Das Verfahren lief schon einmal im vergangenen Jahr, schon damals blieben Zeugen trotz Ladung dem Gericht fern. Schließlich platzte das Verfahren, weil auch der Angeklagte ausblieb.

Das Gericht ließ ihn verhaften. Nun wird das Verfahren neu aufgerollt, und zum ersten Verhandlungstag am vergangenen Donnerstag erschienen wiederum zwei Zeugen nicht. Das Gericht wird sicherstellen, dass sie bei der Fortsetzung kommenden Dienstag dabei sein werden. Den Angeklagten aus der Untersuchungshaft zu entlassen, wie die Verteidigung beantragte, lehnt das Gericht ab.

Der Angeklagte und einige Zeugen sprechen kaum Deutsch. Der Dolmetscher hat seine liebe Mühe, bekommt es mit regionalen Dialekten zu tun, die auch für ihn schwer verständlich sind, wie er zwischendurch einmal andeutet.

Überall bleibt Zweifel

Über allem schwebt ein leiser Zweifel: Ist die Frage korrekt übersetzt worden? Ist sie verstanden worden? Ist die Antwort richtig wiedergegeben? Oder weichen die Zeugen immer wieder aus, wie die Richterin mit zunehmendem Unmut vermutet?

Was die eine Seite als klar erkennbare Vergewaltigung schildert, stellt die andere als einvernehmlichen Sex da. Von Sexspielen zu dritt vor einer Webkamera ist die Rede, die der Ehemann der Betroffenen daheim in Rumänien via Internet verfolgt.

Wie weit organisieren die jungen Frauen ihre Arbeit selbst? Wie werden die Einnahmen geteilt?

Und Fragen, mit denen der Beobachter ratlos zurückbleibt: Wie hoffnungslos muss die Lage für junge Frauen in Rumänien sein, dass sie sich auf Prostitution in Deutschland einlassen? Mit 15 oder mehr Freiern pro Schicht, um auf ihr Geld zu kommen?


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