Mehr Fläche für E-Commerce Online bestellt, aus Rieste verschickt


Rieste/Vörden. Benoît Gaucherand hat die Zahlen exakt im Kopf. Am neuen Standort im Niedersachsenpark bei Rieste und Neuenkirchen-Vörden will der Automobilkonzern PSA Peugeot/Citroën ab dem Frühjahr 2016 seine Hallenfläche und die Zahl der Verpackungstische für die Abwicklung von Online-Bestellungen nahezu verdoppeln.

Auf knapp 2000 Quadratmetern von insgesamt 20000 werde es dann ausschließlich um das Internetgeschäft gehen, sagt Niederlassungsleiter Gaucherand, „300 bis 400 qm für die Lagerung der entsprechenden Teile kommen hinzu.“ Der E-Commerce als bedeutender Vertriebskanal. Weil dieser Geschäftszweig im wahrsten Sinne des Wortes beim französischen Autohersteller immer mehr Raum einnimmt, ist mit dem anstehenden Umzug innerhalb des Industrie- und Gewerbeparks auch eine Modifikation des Geschäftsmodells verbunden. Private Do-it-yourself-Kunden, die PSA nicht mehr über die Werkstätten erreiche, wolle man auf diesem Wege stärker binden oder wieder für sich gewinnen, sagt Gaucherand.

Nach Umzug: Verdoppelt

Um gleichzeitig aber nicht die eigenen Händler zu schwächen, die der Konzern weiterhin mit Ersatzteilen beliefert, wird der Versand von Online-Bestellungen keine PSA-Originalteile umfassen. Es gehe um bekannte und attraktive Marken. „Die Tendenz, dass der Internet-Handel eine klare Steigerung erfährt, ist ganz eindeutig erkennbar“, sagt Gaucherand. Bislang kümmern sich bei PSA im Logistikzentrum in Rieste täglich 13 Mitarbeiter um diesen jungen Geschäftszweig. Einlagern, kommissionieren, sortieren und verpacken. Demnächst soll diese Abteilung deutlich wachsen. „Die Lieferzeiten bei Internet-Bestellungen zu reduzieren ist für uns im Privatkundengeschäft besonders wichtig“, beschreibt Gaucherand eines der Ziele.

Weitgehend über das Prinzip Learning-by-doing und durch die Hilfe erfahrener Kräfte werde ein immer größerer Teil der Belegschaft, aktuell 120 Mitarbeiter, an das neue Aufgabenfeld herangeführt. Es handelt sich um spürbar veränderte Arbeitsprozesse. Aus dem Niedersachsenpark heraus sollen dann vor allem Online-Bestellungen aus den Niederlanden sowie den skandinavischen Ländern Dänemark, Finnland und Schweden bedient werden.

Ziel:Zwei Milliarden Euro

Der unmittelbare Nachbar von PSA im interkommunalen Industrie- und Gewerbepark an der Autobahn1, der Sportartikelgigant Adidas, beliefert aus seinem Distributionszentrum heraus dagegen die Bereiche West- und Zentraleuropa – ebenfalls mit einem stark wachsenden Anteil an Warenbestellungen aus dem Internet. „Unser ursprüngliches Ziel in 2015 von 500 Millionen Euro Umsatz im E-Commerce-Bereich haben wir deutlich überschritten“, sagt Adidas-Sprecherin Katja Schreiber: „Bis 2020 wollen wir unseren Online-Umsatz auf mehr als zwei Milliarden Euro erhöhen.“ Das wäre etwa eine Vervierfachung der aktuellen Zahlen innerhalb von fünf Jahren. Und die Online-Shops der Vertriebspartner des international agierenden Branchenriesen sind da noch nicht einmal eingerechnet.

Das Distributionszentrum in Rieste spielt bei der Verwirklichung dieser Ziele eine zentrale Rolle. Es ist das weltweit größte innerhalb der Adidas-Gruppe und soll im Jahr 2016 noch einmal erweitert werden . Die Zahl der Beschäftigten dort wächst weiterhin kontinuierlich, auch die der beim Sportartikelhersteller fest angestellten Arbeitnehmer, während in Spitzenzeiten wie im Frühjahr oder
vor Weihnachten viele Leiharbeiter zusätzlich zum Einsatz kommen. Und das aus dem Niedersachsenpark heraus bediente Westeuropa – besonders Großbritannien und Deutschland – ist dabei neben Nordamerika, Japan und China für das Dax-Unternehmen einer der international vier wichtigsten E-Commerce-Märkte überhaupt.

Um mittelfristig eine ähnlich erfolgreiche Bilanz vorweisen zu können, hat sich der Autohersteller PSA Peugeot/Citroën im vergangenen März die Internetseite mister-auto.de gesichert. Über diese können Privatkunden online ihre Bestellungen abgeben. Ein Konzept, an dessen Erfolg bei PSA nicht nur Benoît Gaucherand glaubt. „Ansonsten würden wir hier nicht so investieren“, sagt der Niederlassungsleiter.


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