BKR-Adventskalender – Teil 2 Kommende Lage in Rieste: Durch ein Tor in die Stille

Dominikanerin Schwester Hildegard öffnet das Tor zur ehemaligen Johanniter Kommende auf Lage. Foto: Cristina SchwietertDominikanerin Schwester Hildegard öffnet das Tor zur ehemaligen Johanniter Kommende auf Lage. Foto: Cristina Schwietert

Rieste. Hinter dem mächtigen schmiedeeisernen Eingangstor, das Schwester Hildegard hier öffnet, verbirgt sich zweierlei: ein kleiner, feiner Dominikanerinnen-Konvent und die prächtigen, barocken Gebäude der ehemaligen Johanniter-Kommende.

Mit dem geistlichen Ritterorden der Johanniter, die nach der Reformation Malteser hießen, beginnt im 13. Jahrhundert die Geschichte der Kommende auf Lage, die mehr als fünfhundert Jahre dauern sollte. Das achtspitzige weiße Kreuz des Johanniterordens, hier im oberen Teil des Eingangstores zu sehen, ist das Erkennungszeichen dieser Gemeinschaft. Die acht Spitzen stehen für die acht Seligpreisungen der Bergpredigt.

Im Jahr 1341, rund 80 Jahre nach Gründung des Ritterordens, leben bereits 45 Johanniter-Ordensbrüder in der Kommende auf Lage. Etwa zur gleichen Zeit beginnt auch die noch heute bestehende Wallfahrt zum Lager Kreuz in der benachbarten Kirche.

Die Kommende Lage blieb dem Malteser-Orden auch über die Reformation hinaus erhalten. Zusammen mit Kloster Malgarten bildete sie eine katholische Insel im protestantisch gewordenen Kirchspiel Bramsche. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die reiche Kommende mehrfach geplündert und diente darüber hinaus fast zwei Jahrzehnte Soldaten aus Dänemark und Schweden als Quartier.

Ihre heutige Gestalt erhielt die Kommende im 17. Jahrhundert, als der damalige Ordensobere und Komtur Johann Jakob von Pallandt die vom Krieg zerstörten Gebäude neu errichten ließ. Nach der Säkularisation durch Napoleon kam die Kommende Lage zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den Besitz der Klosterkammer Hannover, 1964 wurde sie verkauft und als Hotel genutzt.

1999 dann erwarb der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode die Gebäude, damit sie wieder das würden, wofür sie einst gebaut worden waren: zu einem klösterlichen Ort des Gebetes und der Stille.

Neun Ordensschwestern leben hier

Seit nunmehr 15 Jahren füllt die Gemeinschaft der kontemplativen Dominikanerinnen die alten Klostermauern mit ihrem zurückgezogenen Leben des Gebetes. Neun Ordensschwestern, junge wie alte, leben auf Lage. Ihr Orden, vom heiligen Dominikus zu Beginn des 13. Jahrhunderts gegründet, hat eine lange und gefestigte Tradition. Sieben Gebets- und Gottesdienstzeiten strukturieren den Tag. Die Dominikanerinnen versorgen sich selbst, einen großen Teil des Tages verbringen sie schweigend.

Abgesehen von den Informationen durch Tageszeitung und Nachrichten spielen Medien wie Radio, Fernsehen oder Internet keine Rolle im klösterlichen Alltag. „Man muss schon gut mit sich selbst zurechtkommen“, sagt Schwester Hildegard, die studierte Theologin. „Wir tragen unsere und die Nöte der Menschen vor Gott“, fügt sie hinzu: „Unser Dasein als kontemplative Ordensgemeinschaft will sichtbar machen, dass vor Gott der Mensch an sich zählt und nicht das, was er tut.“

Auf der Homepage des Klosters unter www.dominikanerinnen-lage.de können Interessierte Näheres über das Leben im Kloster und die Geschichte des Ordens erfahren. Die Ordensgemeinschaft bietet zudem für jedermann im separaten Gästetrakt die Möglichkeit, ein paar Tage in der Stille zu verbringen.


An 24 Tagen in der Vorweihnachtszeit schaut das „Bersenbrücker Kreisblatt“ hinter Türen in den Samtgemeinden Artland, Bersenbrück, Fürstenau und Neuenkirchen. Ähnlich wie ein Adventskalender zählt die Lokalredaktion die Tage bis zumWeihnachtsfest. kap

0 Kommentare