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Drei Varianten berühren den Ort Stromtrasse: „Alfhausen zu 80 Prozent betroffen“

Von Heinz Benken


Alfhausen. Von allen Gemeinden des Landkreises Osnabrück ist Alfhausen diejenige, die mit der größten Wahrscheinlichkeit von der geplanten neuen Stromtrasse betroffen sein wird.

Entsprechend groß war der Andrang zur Informationsveranstaltung mit Vertretern des Netzbetreibers „Amprion“, zu der die Gemeinde Alfhausen eingeladen hatte. Rund 200 Zuhörer füllten den Saal „Sauerland“ in Alfhausen, in dem Bürgermeister Klaus Wübbolding zunächst die Brisanz auf den Punkt brachte: „80 Prozent spricht für Alfhausen.“

Drei der vier potenziellen Trassenverläufe werden auf jeden Fall Alfhausener Gebiet berühren. Auch die wieder bedachte vierte Variante entlang der Autobahn 1 gehört dazu. Alle drei Varianten würden nördlich von Alfhausen zum Netzknotenpunkt Merzen führen. Der Alfsee südöstlich von Alfhausen ist als Vogelschutzgebiet für eine Stromtrasse tabu.

Für den Netzbetreiber „Amprion“ beantworteten Arndt Feldmann und Sebastian Knauf Fragen der Alfhausener. Der Bau der 380-kV-Höchstspannungsleitung zwischen Cloppenburg und Merzen ist ein Gemeinschaftsprojekt der Netzbetreiber Tennet und Amprion. Tennet ist für die 60 Kilometer lange Strecke zwischen Conneforde und Cloppenburg zuständig, Amprion für das 55 Kilometer lange Stück zwischen Cloppenburg und Merzen. Dort ist zudem der Bau einer Umspannanlage vorgesehen. Mit dem Bau soll eine „Erhöhung der Übertragungskapazität“ erreicht werden. Grundlage für diesen Neubau ist der Bundesbedarfsplan 2013.

Eine Erdverkabelung in Ortsnähe hält Feldmann für durchaus möglich. Diese sei aber um das mindestens Sechsfache teurer als eine Hochspannungsleitung. „Es zeichnet sich sogar ab, dass die Verbindung Conneforde– Merzen als Erdkabelpilotstrecke ausgewiesen wird“. Mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen der Anwohner durch die Stromtrasse schloss Sebastian Knauf aus. Auch die elektromagnetische Strahlung werde deutlich unter den erlaubten Werten liegen.

Wübbolding versuchte, aufgebrachte Äußerungen wie „Vögel sind wichtiger als Menschen“ im Saal zu beschwichtigen. „Wir sind erst ganz am Anfang“, betonte er. Die Gemeinde Alfhausen habe bereits in einer Stellungnahme ihre Bedenken gegen die Stromtrasse eingebracht.

Wie Altbürgermeister Karl-Heinz Bittner schlug Wübbolding vor, über die Politiker auf den Verlauf der neuen Stromtrassen Einfluss zu nehmen. Bittner riet zu einer Podiumsdiskussion mit Volksvertretern. Wübbolding appellierte an das Engagement der Bevölkerung: „Jeder Bürger, der Einwände hat, muss sich beteiligen.“

Einfluss nehmen kann die Bevölkerung noch in den kommenden Jahren, denn der Zeitrahmen für den Bau der neuen Höchstspannungsleitung ist groß. Erst 2022 soll sie in Betrieb genommen werden. Die Genehmigungsbehörde, das Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems in Oldenburg (ArL), wird voraussichtlich 2017 den Raumordnungsbescheid erteilen. Frühestens dann ist die Entscheidung gefallen, welche der vier zurzeit infrage kommenden Trassen zwischen Cloppenburg und Merzen bebaut wird.

Dann folgt das Planfeststellungsverfahren bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hannover. Auch dann haben alle Bürger und Kommunen noch die Möglichkeit, ihre Einwände und Stellungnahmen vorzubringen. Die Pläne des Raumordnungs- und des Planfeststellungsverfahrens liegen zur allgemeinen Einsichtnahme aus und werden im Internet veröffentlicht.