Entscheidung der Landesbehörde Stromtrasse nach Merzen: Verlauf an A 1 prüfen


Altkreis Bersenbrück. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion muss bei der Planung der 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung zwischen Cloppenburg und Merzen auch den Korridor entlang der Autobahn 1 genauer prüfen. Das hat das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) in Oldenburg entschieden. Auch die teilweise Erdverkabelung ist zu berücksichtigen.

Am Freitag teilte die für die Raumordnung zuständige Behörde den mit Planung und Bau der 380-kV-Stromtrasse beauftragten Unternehmen Amprion und Tennet den Untersuchungsrahmen mit. Außerdem legte das Amt für regionale Landesentwicklung fest, welche Unterlagen die Vorhabenträger – so die offizielle Bezeichnung im Amtsdeutsch – für das anstehende Raumordnungsverfahren einreichen müssen.

Das ArL hat entschieden, dass die Netzbetreiber bei der Planung auch die teilweise Erdverkabelung berücksichtigen müssen. Diese sei nach derzeitiger Rechtslage bei diesem Bauprojekt zwar ausgeschlossen, auf Bundesebene werde aber eine Änderung des Energierechts vorbereitet. Danach sei eine Teilerdverkabelung möglich, die bereits im Untersuchungsrahmen berücksichtigt werden müsse, so das ArL.

Festlegung in Absprache mit Netzbetreibern

Das Amt hat ebenfalls festgelegt, dass für den Abschnitt zwischen Cloppenburg und Merzen eine Leitungsführung entlang der Autobahn 1 zu untersuchen ist. Für den Bereich zwischen Conneforde und Cloppenburg muss eine neue Trassenvariante entwickelt werden, die ab Conneforde zunächst der bestehenden 220-kV-Leitung folgt, dann südlich von Wardenburg an die Autobahn 29 führt, parallel dazu verläuft und schließlich auch der Autobahn 1 folgt.

Diese Varianten müssen nach den Worten des zuständigen Dezernenten Bernhard Heidrich in das Untersuchungsprogramm aufgenommen werden. Zu dieser Entscheidung sei die Landesplanungsbehörde nach der Antragskonferenz im September und der Sichtung der schriftlichen Stellungnahmen gekommen, heißt es in einer Pressemitteilung der Behörde. Das sei auch in Absprache mit den Netzbetreibern geschehen.

Amprion-Sprecher: Wir werden alle vier Trassen gleichberechtigt betrachten

Das bestätigt Amprion-Projektsprecher Arndt Feldmann. „Wir werden alle vier Trassen gleichberechtigt betrachten“, kündigte er auf Anfrage unserer Redaktion an. Sinn des Raumordnungsverfahrens sei es, „offen zu gucken und nichts auszuschließen“. So werde Amprion weiter verfahren. Die Autobahn-Variante habe die Besucher der Infoveranstaltungen im Oktober in Bersenbrück, Quakenbrück und Merzen sehr beschäftigt, bestätigte Feldmann. „Wir haben da viele Anregungen von den Bürgern erhalten und auch die Stimmung in der Bevölkerung aufgenommen.“ Deshalb habe sich Amprion entschieden, den sogenannten Korridor D entlang der Autobahn 1 noch einmal zu betrachten.

Dieser verläuft ab Bakum entlang der Autobahn, verschwenkt ab Holdorf nach Westen, um dann südlich von Gehrde und Bersenbrück und nördlich von Alfhausen zum Netzknotenpunkt Merzen geführt zu werden.

Damit gibt es insgesamt vier mögliche Trassenverläufe: Die Korridore A, B und C , die in der Antragskonferenz ebenfalls als mögliche Trassenverläufe vorgestellt wurden, queren den Altkreis Bersenbrück von Nord nach Süd. Bei der Antragskonferenz waren die Gutachter zu dem Schluss gekommen, dass ein teilweiser Verlauf der 380-kV-Leitung entlang der Autobahn 1 aus planerischer und wirtschaftlicher Sicht weniger geeignet sei. So müsse die Autobahn bis zu viermal gequert werden, was zu Mehrkosten bei Bau und Wartung führen werde – neben den „zu erwartenden Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft“.

Kritik nach Antragskonferenz gegen Vorfestlegung

Anders dagegen sehe es bei den drei Korridoren durch das Altkreis-Gebiet aus: Diese seien, so die Gutachter, „in relativ konfliktarme Räume“ gelegt worden, die Planer hätten auf „sehr hohe und hohe Raumwiderstände“, also Wohnbebauung, „größtmögliche Rücksicht“ genommen.

Nach Bekanntwerden dieser Voruntersuchungen hatte sich in vielen Orten des Altkreises Bersenbrück Widerstand formiert. Die Kritik richtete sich gegen die Absicht der Netzbetreiber, den Korridor D entlang der Autobahn nicht weiter zu untersuchen. Amprion und Tennet hätten sich in ihrer vorgelegten Planung „ziemlich voreilig und einseitig zuungunsten des Artlands festgelegt“, kritisierte zum Beispiel Jürgen Lindemann, SPD-Fraktionschef im Artländer Samtgemeinderat. Die von seiner Fraktion verfasste Resolution verabschiedete der Rat im Oktober einstimmig.


Der Bau der 380-kV-Höchstspannungsleitung zwischen Cloppenburg und Merzen ist ein Gemeinschaftsprojekt der Netzbetreiber Tennet und Amprion. Tennet ist für die 60 Kilometer lange Strecke zwischen Conneforde und Cloppenburg zuständig, Amprion für das 55 Kilometer lange Stück zwischen Cloppenburg und Merzen. Dort ist zudem der Bau einer Umspannanlage vorgesehen. Mit dem Bau soll eine „Erhöhung der Übertragungskapazität“erreicht werden. Grundlage für diesen Neubau ist der Bundesbedarfsplan 2013. Darin ist von einer Stromtrasse die Rede, die von Cloppenburg nach Westerkappeln reicht. Doch diese Planung ist inzwischen überholt. In der nächsten Überarbeitung des Bundesbedarfsplans soll Merzen als Endpunkt aufgeführt werden. Die Stromtrasse soll nach den aktuellen Planungen der Netzbetreiber im Jahr 2022 fertig sein. cg

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