Überraschung im Samtgemeinderat Bersenbrück: Johannes Koop kämpft um seinen Posten

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Hermann Meyer (Mitte) übernimmt die Leitung des Samtgemeinderates. Dem neuen Sitzungspräsidenten gratulieren Samtgemeindebürgermeister Horst Baier (recht) und Meyers Stellvertreter Günther Voskamp (links). Foto: Martin SchmitzHermann Meyer (Mitte) übernimmt die Leitung des Samtgemeinderates. Dem neuen Sitzungspräsidenten gratulieren Samtgemeindebürgermeister Horst Baier (recht) und Meyers Stellvertreter Günther Voskamp (links). Foto: Martin Schmitz

Bersenbrück/Kettenkamp. Der Bersenbrücker Samtgemeinderat wählte am Donnerstagabend Hermann Meyer (CDU) zum neuen Sitzungspräsidenten. Zum Schluss der Sitzung gab es eine Überraschung: CDU-Fraktionssprecher Gerd Uphoff gab bekannt, Johannes Koop bewerbe sich nach anfänglichem Zögern nun doch um die Stelle des Ersten Samtgemeinderates.

Eigentlich schien alles klar, als im Frühjahr Samtgemeindebürgermeister Horst Baier darauf verzichtete, seine Verwaltungsstellvertreter zur Wiederwahl vorzuschlagen . Zugleich machte Manfred Krusche (SPD/BLA) im Namen von SPD, Grünen und Wählergemeinschaften, die Ratsmehrheit bestehe diesmal auf einer Ausschreibung der Stelle. Die hatte es zwar gegeben, als der Samtgemeinderat mit CDU-Mehrheit Koop kurz vor dem Antritt Michael Lübbersmanns zum Ersten Samtgemeinderat wählte. Anders als Baier machte Lübbersmann als Bürgermeister 2007 von seinem Vorschlagsrecht Gebrauch, schlug Koops Wiederwahl vor, womit sich die Ausschreibung der Stelle erübrigte.

Das ist auch in den Nachbargemeinden üblich und fast schon die Regel, dass der Bürgermeistervertreter ohne Ausschreibung der Position wiedergewählt wird, falls sein Chef und im Kommunalparlament genügend Rückhalt hat. Doch der Fall Koop liegt anders. Er trat als CDU-Kandidat gegen Baier in der Kommunalwahl an. Das war auch bei Claus Peter Poppe und Frank Wuller in der Samtgemeinde Artland der Fall. Doch kannten sich beiden schon lange aus ihrer Zusammenarbeit in der Artland-Kommunalpolitik, sodass Wahlsieger Poppe schon am Wahlabend eine gemeinsame Ebene mit Wuller suchen konnte und auch fand.

Unterkühltes Verhältnis

Das Verhältnis zwischen Baier und Koop jedoch war von Anfang an kühl und distanziert und blieb es. Koops Chancen schienen sich zu verschlechtern , als im Sommer bekannt wurde, dass der Samtgemeindebürgermeister eine Personalberatung in die Kandidatensuche einschalten wolle und auch die Stelleauschreibung sich ändern würde: Der neue Erste Samtgemeinderat soll zugleich auch den Fachbereich Bildung leisten.

Andererseits: Die Samtgemeinde hat bundesweit Anerkennung gefunden für eine kommunale Bildungspolitik, für die die Weichen in der Ära Lübbersmann gestellt wurden. Koop hat wesentlich daran mitgewirkt. Warum sollt er also die Fachbereichsleitung nicht übernehmen können.

Er habe lange hin und her überlegt, nahm Koop nach der Sitzung Stellung. Aber „kampflos aufgeben wollte ich nicht.“ Horst Bier erklärte im Samtgemeinderat, es bleibe beim angestrebten Verfahren, das für Transparenz sorgen solle. Das Personalberatungsbüro treffe eine Vorauswahl unter den Bewerbern. Dann tage eine Auswahlkommission unter Beteiligung der Ratsfraktionen, bevor er von seinem Vorschlagsrecht Gebrauch mache.

14 Jahre lang hatte Harald Kräuter aus Bersenbrück die Sitzungen des Samtgemeinderates geleitet, mit einer Mischung aus Diplomatie und Herzlichkeit, die ihm angeboren waren, und militärischer Präzision, die er sich in seiner Karriere in der Bundeswehrverwaltung angeeignet hatte. Nach seinem Tod im Juli musste der Samtgemeinderat einen Nachfolger bestimmen. Da sei es guter Brauch, der größten Fraktion den Vortritt zu lassen, bestätigte Manfred Krusche den CDU-Vorschlag, Hermann Meyer mit dem Amt zu betrauen. Der Samtgemeinderat wählte Meyer einstimmig, der erklärte, er wolle mit dem Amt verantwortungsvoll umgehen. Friedrich König aus Rieste rückt für Kräuter in den Samtgemeinderat nach und übernimmt auch seinen Sitz im Ausschuss für Finanzen, Tourismus und Wirtschaftsförderung. Kräuters Pflichten als Stellvertreter Gerd Uphoffs im Samtgemeindeausschuss und und im Aufsichtsrat der Alfsee GmbH übernimmt Bersenbrücks Bürgermeister Christian Klütsch.

Neben Friedrich König verpflichtete Baier auch den Grünen Björn Weissmann als Nachfolger von Dieter funsch, der den Samtgemeinderat bereits vor der Sommerpause verlassen hatte.


Auf die Ausschreibung verzichtet: Manfred Krusche (SPD/BLA) weist darauf hin, dass die Samtgemeinde Bersenbrück 1999 auf eine Ausschreibung verzichtet hatte, als Johannes Koop um die Jahrtausendwende erstmals zum Ersten Samtgemeinderat gewählt wurde. Ausgeschrieben worden war in der Tat zuvor die Stelle des stellvertretenden Samtgemeindedirektors. Weil der Samtgemeinderat Koop in dieser Position im September 1999 mit überwältigender Mehrheit bestätigte, verzichtete die Verwaltung auf eine Ausschreibung der Stelle des Ersten Samtgemeinderats. Dieses Vorgehen entsprach zwar nicht den Regeln, die die Niedersächsische Gemeindeordnung setzt, denn dort heißt es, wenn eine Kommune zum ersten Mal den Stellvertreter des Verwaltungschefs zum Zeitbeamten beruft, müsse diese Stelle ausgeschrieben werden. Es war aber mit der Kommunalaufsicht abgestimmt, die sich am Wahlabend im Dezember 1999 telefonisch das Wahlergebnis durchgeben ließ und dann ihr Plazet gab. Wegen eines Formfehlers, so Krusche, musste die Wahl in der nächsten Samtgemeinderatssitzung im März 2000 wiederholt werden.

(ms)

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