Gebürtig aus Schlesien Anna Nentwig aus Kettenkamp feiert 100. Geburtstag

Von Siegfried Wistuba

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Anna Nentwig feiert am heutigen Montag ihren 100. Geburtstag. Foto: Familie NentwigAnna Nentwig feiert am heutigen Montag ihren 100. Geburtstag. Foto: Familie Nentwig

Kettenkamp. Ein besonderer Tag wird am heutigen Montag im Hause Nentwig in Kettenkamp gefeiert. Kinder, Schwiegerkinder, Enkel und Urenkel, aber auch Freunde und Nachbarn werden sich bei Oma Nentwig versammeln, um auf ihren 100. Geburtstag anzustoßen. Reden werden gehalten, Geschenke überreicht und Glückwünsche ausgesprochen. Zu den Gästen gehören auch Bürgermeister Reinhard Wilke, der stellvertretende Landrat Werner Lager, Kirchenvertreter und Weggefährten beim Deutschen Roten Kreuzes, für das Anna Nentwig 25 Jahre tätig war.

Wenn ein 100. Geburtstag gefeiert wird, dann ergibt sich aus dem Kreis der Gäste wahrscheinlich auch die Frage, welches Geheimnis dahinter steckt, solch ein Alter zu erreichen. Die Antwort von Anna Nentwig: „Ich lese jeden Tag Zeitungen und, nehme also immer am Leben teil. Als Medizin gönne ich mir auch ab und zu einen kleinen Kräuterlikör, natürlich einen schlesischen Stonsdorfer“.

Ihre Lebensgeschichte erzählte Anna Nentwig dem Bersenbrücker Kreisblatt einige Tage vor ihrem Geburtstag.

Die Jubilarin wohnt zwar in zwischen seit 69 Jahre in Kettenkamp, geboren ist sie aber am 14. September 1915 in als jüngstes von neun Kindern in schlesischen Waldsiedel, Kreis Falkenberg. Als kleines Kind habe sie vom 1. Weltkrieg und der anschließenden Weltwirtschaftskrise zum Glück nicht viel mitbekommen. Im Alter von 22 Jahren habe sie dann 1937 Mann Viktor Nentwig geheiratet, der als Diplom-Landwirt bei der Landwirtschaftskammer in Breslau tätig gewesen sei. Das Glück währte wegen des Krieges allerdings nicht lange. Aus beruflichen Gründen und wegen der Bombenangriffe auf Breslau sei sie mit ihrem Mann umgezogen, erzählt Anna Nentwig.

Kurz vor Kriegsende zog die Wehrmacht Viktor Nentwig noch ein. Sie habe sich unterdessen im Januar 1945 mit ihren vier Kindern, damals zwischen 7 und 2 ½ Jahren alt, bis nach Tschechien durchgeschlagen. Nach der beschwerlichen Rückkehr nach Schlesien Mitte 1945 musste sie ihre Heimat aber wieder verlassen. Über Stadtionen in der Nähe von Magdeburg und Osnabrück ging es nach Kettenkamp. Dort fand sie auf dem Hof Georg Kottmann eine Bleibe. Im Herbst 1947 war die Familie endlich wieder komplett, nachdem es Viktor Nentwig gelungen war, aus russischer Kriegsgefangenschaft zu fliehen. Zwei weitere Kinder kamen zur Welt, der Bau eines Holzhauses am Großen Merschdamm folgte. Ernährt habe sich die Familie von Gänsen, Kaninchen, Schafen und Honig von 24 Bienenvölkern sowie von Obst und Gemüse aus dem Garten, erzählt Anna Nentwig weiter. Gelagert wurde ein Teil der die Ernte unter anderem in Steinkrügen im Keller, die Schnibbelbohnen, Salzgurken und Sauerkraut gefüllt waren. Das Anwesen kennen heute noch viele Kettenkamper als „Nentwigs Hütte“.

Mit der Zeit ging es immer weiter aufwärts. 1967/1968 baute die Familie ein massives Einfamilienhaus. Dort lebt Anna Nentwig noch heute. Ihr Mann Viktor verstarb 1996 im Alter von 97 Jahren“. Ein nicht immer einfaches, aber doch ein erfülltes Leben liegt hinter Anna Nentwig.


Auch wenn Anna Nentwig bereits sehr viele Jahre in Kettenkamp lebt, so stehen auf ihrem Speisezettel doch hin und wieder schlesische Spezialitäten, zu denen selbst gemachte Kartoffelklöße, Sauerkraut mit Zwiebeln und Speckwürfeln, Schlesisches Himmelreich, Karpfen blau oder gebraten am Heiligen Abend oder Mohnklöße als Nachtisch gehören, um nur einige Spezialitäten aufzuzählen, die sie natürlich selbst mit zubereitet und besonders gerne isst.

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