Zirkus der Kulturen Jugendliche aus Landkreis Osnabrück im Tatarenland

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Altkreis Bersenbrück. Die Jugendgruppe des „Zirkus der Kulturen“ ist wohlbehalten in Südsibirien angekommen. Die lange Reise über Moskau nach Perm war aufregend und anstrengend, teilt das Presseteam der Gruppe mit. Zum Auftakt stiegen sie tief in die Geschichte Russlands und seiner Steppennachbarn ein: Sie lernten Kasan kennen, einst Hauptstadt eines tatarischen Khanates an der mittleren Wolga.

Was für ein Start, heißt es in der Mitteilung: Um 3.45 Uhr brachen 15 Teilnehmer aus den Landkreisen Vechta und Osnabrück mit der Großraumtaxe vom IGS-Busbahnhof in Fürstenau auf, um 6.45 Uhr checken sie zusammen mit den Teilnehmern aus Greven auf dem Flugplatz Düsseldorf ein. Um 8.45 Uhr hebt der Flieger nach Moskau ab, Landung um 13 Uhr Ortszeit (eine Stunde später als mitteleuropäische Sommerzeit). Eine Stunde Auschecken mit Passkontrolle, endlich in Russland.

Großes Hallo. Aleksandra Bandrina und Lena Lugovzeva vom internationalen Jugendkompetenzteam des Zirkus aus Perm erwarten die Gruppe schon. Die Reise geht weiter: Einstieg in einen Zug bis zum Kasaner Bahnhof am Komsomolskaja-Platz, Wechsel in die Metro, weiter bis zum Roten Platz im Zentrum der Millionenstadt. Hinein ins Moskauer Leben mit obligatorischem Gruppenfoto vor dem Kreml. 23.10 Uhr Moskauer Zeit geht es im doppelstöckigen Eisenbahnwaggon nach Kasan an der Wolga im Südosten des heutigen Russlands.

Bis ins 16. Jahrhundert war Kasan Hauptstadt eines Tatarenreiches vorwiegend muslimischer Steppenvölker, hervorgegangen aus dem mongolischen Großreich. Die Stadt erscheint den Teilnehmern immer noch mehr muslimisch geprägt als russisch. Kasans Eroberung unter Zar Iwan dem Schrecklichen 1552 machte Moskowien auf einen Schlag zur militärischen Großmacht. Nun nahm auch Westeuropa wahr, dass an seinem östlichen Rand ein neues politisches Gebilde entstanden war, mit dem man fortan rechnen musste.

Nach der Auflösung der Sowjetunion wurde die Stadt Zentrum der unabhängigen Republik Tatarstan, Mitglied der russischen Föderation.

Ein Hotel im Zentrum wird Quartier für die nächsten drei Tage. Eine Stadtrundfahrt mit einer deutschsprachigen Reiseleiterin russisch-tatarischer Herkunft gerät zum ersten Höhepunkt dieses Aufenthaltes. Es folgen Besuche eines Tatarendorfes und der Hauptmoschee im Kasaner Kreml. Eine Flussfahrt auf der Wolga bildet den Abschluss des Aufenthaltes in dieser interkulturellen und von vielen Völkern bewohnten Stadt.

In einem Großraumwagen für 54 Personen der russischen Eisenbahn geht es gut 500 Kilometer weiter bis Tschernuschka. In einem kräftigen Regenschauer stieg die Gruppe in einen Bus um, der sie etwa 230 Kilometer nach Perm zur polytechnischen Universität bringen wird. Dort nehmen sie die russischen Gastfamilien um 22.30 Uhr Ortszeit in Empfang, drei Stunden später als MESZ. Die erste Nacht im Ural verbringen die Teilnehmer, verteilt auf 15 Gastfamilien, in der knapp 50 Landkreise umfassenden Region Perm, organisiert von Nastja Chugainova.

Anderntags folgt ein Rundgang vorbei am Permer Bären, Symboltier der Stadt, durch die Innenstadt mit ihren Sehenswürdigkeiten, zur „Perm National Research Polytechnic University“. Dort wird die deutsch-russische Delegation empfangen von Direktor Peter Jusmanov, Öko-Professor Jacob Josifovitsch Weissman und der Leiterin des Umweltressorts Professor Doktor Larisa Rudakova nebst Dozentin Natalia Slysar.

Die drei Letztgenannten gestalten seit 15 Jahren die internationalen Bildungsmaßnahmen des Zirkus der Kulturen mit. Alle hoffen auf die Fortsetzung dieses Projekts und sagen ihre volle Unterstützung zu. Axel Klose, Projektleiter des Netzwerkes auf deutscher Seite, dankt, spricht von 15 Jahren deutsch-russischer Freundschaft und überreicht eine Dokumentation sämtlicher Aktionen des Zirkus der Kulturen im Jahr 2014. In diesem Netzwerk kooperieren schulische und außerschulische Bildungseinrichtungen bis hin zur Hochschule. Die Dokumentation dient den Partnern als Nachweis ihrer Bildungsarbeit in dieser „Schule der besonderen Art“, die Schüler und Studenten verschiedener Länder vereint.

Zum Grillen ging es danach auf ein Gelände des Instituts für Ökologie, das mitten in einem Wald liegt. Viele Ehemalige aus den Projekten der ersten Generation 2001 bis 2006 kamen „mit Kind und Kegel“ und ließen es sich nicht nehmen, Kontakt nicht nur mit dem Projektleiter aufzunehmen.

Das Museumsdorf Choklovka ist das nächste Ziel. Es zeigt Bauernhäuser, Kirchen, und andere Kulturdenkmäler in der für die Region typischen Holzarchitektur.

Abschied nehmen von den Gastfamilien heißt es dann am nächsten Tag. Mit dem Bus geht es in einstündiger Fahrt zu einem riesigen Zeltlagerplatz mitten in der Wildnis an der Kama, größter Fluss in Südsibirien. Die Jugendorganisation „Neue Generation“ betreibt ihn. Von dieser Etappe soll der nächste Bericht handeln.


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