Wo der Krieg zu Hause ist Europa-Denkmal in Bersenbrück ergänzt


Bersenbrück. Mit einer neuen Stele für Kroatien ist das Bersenbrücker Europa-Denkmal wieder komplett. Ranko Vilovic, kroatischer Botschafter in Deutschland, und Europapolitiker Hans-Gert Pöttering kamen zu ihrer Enthüllung am Freitag in die Stadt.

Vor fast genau zwei Jahren trat Kroatien der Europäischen Union bei, als 28. Mitgliedsland. Bersenbrück fragte bei Volker Johannes Trieb an, ober er bereit sei, seine Europa-Installation um eine Stele für Kroatien zu ergänzen. Der stimmte zu, zumal noch historisches Bauholz vorhanden war, aus dem der Künstler 2009 die übrigen 28 Stelen seiner Installation geschnitten hatte.

Auf sämtlichen Stelen sind Plaketten angebracht mit Zitaten von Persönlichkeiten, die aus dem Land stammen, für das die Stele steht. Für Kroatien suchte Trieb ein Zitat Vesna Teršelics aus, die 1998 für ihre Kampagne gegen ethnische Säuberungen im Jugoslawien-Bürgerkrieg mit dem alternativen Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde: „Voraussetzung für den Frieden ist die Anerkennung des Leidens aller Überlebender von Gewalt.“

„Wir glauben, dass wir seit 70 Jahren in Europa in Frieden leben“, sagt Hans-Gert Pöttering in Bersenbrück. „Doch das ist falsch, weil es sich nur auf Zentraleuropa bezieht.“ In den Neunzigerjahren tobte auf dem Balkan ein blutiger Krieg, in der die Republik Jugoslawien auseinanderbrach in eine Gruppe selbstständiger Staaten. „In meinem Land hat noch jede Generation ihren Krieg gehabt“, sagt Ranko Vilovic in Bersenbrück. Er hoffe, dass seine Kinder und Enkel nun eine lange Zeit des Friedens erleben dürften.

Bersenbrücks Bürgermeister Christian Klütsch outet sich als glühender Europäer. Das Denkmal sei eine Bereicherung für die Stadt, die Bersenbrücker hätten nämlich „den europäischen Gedanken mit der Muttermilch aufgesogen“.

Horst Baier sprach von den komplizierten Verhältnissen, die der Balkan-Krieg hinterlassen hat. Der Bürgermeister der Samtgemeinde Bersenbrück warf kürzlich an der Spitze einer Delegation in Serbien einen Blick hinter die Kulissen. Er sprach den bürokratischen Aufwand seiner Kommune an, seitdem die ihre Bauprojekte europaweit ausschreiben muss. Und verwies auf Griechenlands Schuldenkrise und das britische EU-Referendum. Müssen die Stelen für Griechenland und Großbritannien bald wieder abgebaut werden, wenn diese Länder die EU wieder verlassen?

Grexit? EU-müde Briten? Pöttering reagiert mit robustem Optimismus, alle Probleme ließen sich ausräumen, er hoffe sogar auf den Beitritt der Ukraine. Ebenso wie Botschafter Vilovic beschwört Pöttering europäische Werte wie Freiheit, Vielfalt und Toleranz.

Gehört Mut auch dazu? „Ich hätte nicht den Mut, das zu tun, was Vesna Teršelic getan hat“, sagt Trieb über die Friedensaktivistin.


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