Mehr Zeit für Frau und Tochter Kreuzfahrtkapitän Timmer geht in Ankum vor Anker

Holländischer Brauch: Als Willkommensgruß für Lebensgefährtin Katja Schliewe und Tochter Hannah hat Kapitän Gideon Timmer das Haus der Familie in Ankum mit bunten Wimpeln geschmückt. Foto: Ulrike HavermeyerHolländischer Brauch: Als Willkommensgruß für Lebensgefährtin Katja Schliewe und Tochter Hannah hat Kapitän Gideon Timmer das Haus der Familie in Ankum mit bunten Wimpeln geschmückt. Foto: Ulrike Havermeyer

Ankum. Kapitän zur See Gideon Timmer ist zum ersten Mal Vater geworden. Statt auf die Brücke seines Kreuzfahrtschiffs zieht es ihn daher im Augenblick viel eher zu seiner kleinen Familie nach Ankum.

Während draußen eine frische Frühlingsbrise durch die bunten Wimpel vor der Haustür fährt, schlummert der Sonnenschein sanft und selig drinnen im Wohnzimmer: Hannah, zarte vier Wochen jung – ein Sonntagskind, wie es im Buche steht. Das winzige Bündel pures Glück, das da liebevoll in eine kuschelige Decke gebettet lauter Zufriedenheit und Wohlbehagen abstrahlt, bringt die Gesichter von Mutter Katja Schliewe und Vater Gideon Timmer zum Leuchten. Ab sofort wird Hannahs Vater, Kreuzfahrtkapitän Gideon Timmer, sich wohl unter dem Einfluss dieses mächtigen neuen Zentralgestirns durch seinen Alltag navigieren – und möglicherweise dann und wann einen anderen Kurs als bisher einschlagen. „Ich will in Zukunft mehr Zeit an Land als an Deck verbringen“, flüstert der gebürtige Niederländer und linst wachsam Richtung Kinderbettchen hinüber.

Derzeit ist der 38-Jährige als Erster Kapitän eines Flusskreuzfahrtschiffes auf der Route Amsterdam–Budapest unterwegs. „Drei Wochen auf der Brücke, drei Wochen zu Hause“, berichtet er. Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich optimal, wenn man als frisch gebackener Vater so viel wie möglich von der Entwicklung seiner Erstgeborenen mitbekommen möchte.

Fernweh im Blut

Könnte er seine beiden Frauen nicht einfach mit an Bord nehmen? Timmer winkt schmunzelnd ab: „So kleine Schwimmwesten gibt es nicht“, sagt er, „und außerdem…“ Katja Schliewe, die als Reiseverkehrskauffrau ebenfalls eine gehörige Portion Fernweh im Blut hat, lacht und blickt ihren Lebensgefährten amüsiert an: „… und außerdem muss ich für die Rolle der Kapitänsfrau noch ganz schön üben.“ Gideon Timmer schüttelt den Kopf: „Katja kämpft mit der Seekrankheit“, seufzt er und tätschelt der gebürtigen Grafelderin (Gemeinde Berge) nachsichtig die Schulter.

Den Reiz des Wassers hat der Niederländer schon früh für sich entdeckt. Nach einer Lehre als Matrose auf einem Binnenschifffrachter zog es ihn auf die offene See. „Da hatte ich als Vorgesetzten einen sehr strengen Kapitän“, erzählt Timmer. Der habe ihn allerdings auch immer wieder zu sich auf die Brücke geholt, ihm viele Dinge erklärt und den jungen Matrosen schließlich davon überzeugt, doch noch einmal die Schulbank zu drücken.

Mit 20 Jahren hatte Timmer dann sein Kapitänsdiplom an der Hochschule Amsterdam erworben, kurz darauf stand er mit 23 Jahren als Erster Kapitän zur See auf der Brücke eines Kreuzfahrtschiffes. „Das Schönste an meinem Beruf sind die Sonnenuntergänge“, raunt Timmer nachdenklich: „Du stehst auf der Brücke, blickst zum Horizont – und denkst an zu Hause.“

Die Gefahren der Seefahrt hat Gideon Timmer im September 1994 bereits als Matrose kennengelernt: „Unser Schiff war gerade in der Nähe, als die Estonia in der Ostsee untergegangen ist.“ Mit 852 Opfern war die Katastrophe das schwerste Schiffsunglück in der Nachkriegsgeschichte Europas. Timmer atmet tief durch. „Die Rettungsversuche waren sicher die größte Herausforderung, die ich jemals miterlebt habe.“ Vielleicht hat die Sicherheit von Crew und Passagieren für ihn als Kapitän deshalb eine so herausragende Bedeutung. „Später habe ich mich als Kapitän einmal schlichtweg geweigert, mit meinem Kreuzfahrtschiff die Adria zu befahren“, berichtet er. „Viel zu viel Wind, viel zu hohe Wellen – das war mir einfach zu gefährlich.“ Seine damalige Reederei hat ihm daraufhin gekündigt. Er zuckt mit den Schultern: Sicherheit geht vor, da kennt Timmer keine Kompromisse.

Ein strengerer Vater?

Inzwischen ist Töchterchen Hannah aufgewacht: „Ich werde ein sehr strenger Vater sein“, flunkert Kapitän zur See Gideon Timmer der süßen Landratte entschlossen zu und kann sein breites Grinsen nur schwer unterdrücken. „Keine Sorge, Hannah“, versichert Mutter Katja ihrem Sonnenschein daraufhin, „dein Papa ist ein durch und durch liebevoller Mensch – mit einem manchmal etwas gewöhnungsbedürftigen Humor.“


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