Frühe Siedlungsgeschichte Landesarchäologe stellt Großsteingrab bei Ankum vor


Ankum. „Sonst plagen wir Archäologen uns mit unscheinbaren Bodenverfärbungen herum. Hier haben wir etwas richtig schön Großes und Greifbares!“ Der Niedersächsische Landesarchäologe Henning Haßmann ist ehrlich begeistert von dem freigelegten und nun neu erlebbaren Großsteingrab „Grumfeld West“. Am „Europäischen Tag der Megalithkultur“ eröffnete er zusammen mit den regionalen Förderern des Projekts die neue Anlage gegenüber dem Restaurant des Artland-Golfclubs in Ankum-Westerholte .

„Ich halte es für international richtungsweisend, wie hier im Giersfeld die älteste erhaltene Architektur Nordwesteuropas in Szene gesetzt wird“, erklärte Haßmann, „denn was man schützen soll, das muss man verstehen. Genau das wird hier beispielhaft gefördert, nicht zuletzt durch die gut gemachten Hinweistafeln.“ Kreisrat Winfried Wilkens – über die Stadt- und Kreisarchäologie ist der Landkreis mit im Boot – dankte dem Gast aus Hannover für sein Kommen, „denn er hätte heute auch an vielen anderen Orten Niedersachsens sein können, aber er entschied sich aus gutem Grund für uns.“ Der Tag der Megalithkultur werde landesweit auf vielen Parallelveranstaltungen begangen, darüber hinaus auch in Nachbarländern wie England, Niederlande, Schweden und Dänemark. Die deutsche Geschäftsstelle der vom Europarat als europäische Kulturstraßen anerkannten „Megalithic Routes“ hat ihren Sitz bei der Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück.

Gute Zusammenarbeit

Deren Leiter Bodo Zehm beschrieb die gute Zusammenarbeit von Eigentümerfamilie Weßling, Golfclub, Gemeinde Ankum, Heimatverein und Archäologie, hier besonders in Person seiner Mitarbeiterin Daniela Stefanie Hauf. Einige Bäume mussten gefällt und rund ein Meter Erdboden rings um die Steine abgetragen werden, um das Großsteingrab mit der gewaltigen Länge seiner Grabkammer und der Umfassungssteine schon von weitem her erkennbar zu machen. Ferner wurde die Schutzhütte am Steingrab „Rickelmann II“ zu einem „Grünen Klassenzimmer“ umgestaltet. Bernd Heinemann unterstrich für den Hauptsponsor, die Sparkassenstiftung, den historischen Wert der 5500 Jahre alten Anlage, weil sie für die Phase der Sesshaftwerdung und Dorfbildung der Jungsteinzeitmenschen stehe. „Wir unterstützen das gern, weil es die frühe Siedlungsgeschichte unserer Region sichtbar macht und wichtige Impulse für den Tourismus gibt“, sagte er.

Klinge aus Feuerstein

Mit einer altersmäßig passenden Klinge aus Feuerstein – „die brauchten wir nicht nachzuschleifen, sie ist nach 5000 Jahren noch superscharf“ – durchtrennte Haßmann das vor dem Steingrab gespannte Band und gab die „aus ihrem Dornröschenschlaf befreite Anlage“ zur allgemeinen Besichtigung und zum Draufherumklettern für die Kinder frei. Archäologin Hauf führte eine Gruppe auf dem teils neu angelegten Lehrpfad zu weiteren Großsteingräbern und Grabhügeln. Am Nachmittag startete der Golfclub ein großes Turnier um den Wanderpokal „Hünen-Cup“ der Kreissparkasse Bersenbrück. „Wir würdigen damit das große Engagement des Golfclubs, der auf seinem Platz die Pflege des kulturellen Erbes mit dem Golfsport verbindet“, sagte Sparkassen-Vorstand Heinemann.


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