Solidarität mit Landwirten Ankumer Tierärzte boykottieren VW

Von Martin Schmitz

Aus Verärgerung über Texte auf einer Website will Agroprax in Ankum keine VW Bullis mehr kaufen. Foto: Burkhard DrägerAus Verärgerung über Texte auf einer Website will Agroprax in Ankum keine VW Bullis mehr kaufen. Foto: Burkhard Dräger

Ankum. Landwirte protestieren gegen Texte auf einer Website der VW-Tochter Autostadt und wollen den Konzern boykottieren. Die Ankumer Tierarztpraxis Agroprax solidarisiert sich mit ihnen und ruft Tierarztkollegen auf mitzumachen. Die führende Praxis für Milchvieh, bekannt für ihre VW Bullis in auffälligem Design, hat bereits ein Fahrzeug bei einer anderen Marke bestellt, verrät Geschäftsführer Jürgen Rothert.

„Milch enthält alle Medikamente, mit denen das Milch gebende Tier behandelt oder gefüttert wurde: Antibiotika, Wurmkuren. Diese [...] gelangen teilweise direkt ins Blut. Durch die Verfütterung genveränderter Futterpflanzen ist ein Gesundheitsrisiko für die Verbraucher [...] nicht auszuschließen. Wer diese Risiken minimieren möchte, sollte konsequent nur Bio-Produkte verwenden. [...]

Andererseits schluckt die Landwirtschaft enorme Mengen an Rohstoffen, Energie und Fläche. Gleichzeitig produziert sie beträchtliche Emissionen. Der Rohstoffverbrauch, die Energiegewinnung, der Wasserverbrauch sowie die Abfalllagerung und Entsorgung haben massive negative Auswirkungen [...] auf Biodiversität, Klima, Gewässer und Böden. Wenn wir essen, konsumieren wir [...] ein Stück natürlicher Ressourcen.“

Mit unbelegten Behauptungen würden „Milchkuhhalter der Straftat bezichtigt“, verurteilt und beleidig, hält Tierarzt Rothert als einer der Geschäftsführer der Agroprax dagegen. „Dass ein Unternehmen wie der VW Konzern, der Autos wie den VW Tuareg oder Porsche produziert, [...] mit Industrieanlagen, Teststrecken oder Entertainmenttempeln wie der Autostadt, [...] Fläche verbraucht und versiegelt, sich hier zum Richter aufspielt, ist unerhört.“

Ein Missverständnis, sagt Tobias Riepe, Pressesprecher der Autostadt GmbH. Die zehn Restaurants der Autostadt, die sich seit einem Dutzend Jahren einem Bio-Projekt verschrieben hätten, wollten darin über gesundheitliche Risiken und Umweltfolgen unterschiedlicher Ernährungsstile informieren, konventionell mit Fleisch und Fisch, vegetarisch und vegan. Zwei Institute hätten die Aussagen mit Studien hinterlegt. Die Autostadt habe mit der Spitze des Deutschen Bauernverbands ein Treffen in nächster Zeit vereinbart, wolle „den direkten Dialog.“

Das bestätigt dessen Pressesprecher Michael Lohse. Der Bauernverband sehe durchaus Gesprächsbedarf. Teils seien veraltete oder umstrittene Studien herangezogen worden. Der Text sei nicht neutral, sondern mit deutlich erkennbarer Tendenz verfasst worden.