Michael Lürding Alfhausen: Werkzeugmacher wird Konstrukteur


mh Alfhausen. Als Jugendlicher brauchte Michael Lürding nicht lange zu überlegen, welchen Beruf er einschlagen wollte. Sein älterer Bruder war Werkzeugmacher, das kam für ihn auch infrage. Die Ausbildung absolvierte er bei der Firma Kynast in Quakenbrück, später folgte die Fachoberschule Technik. Anschließend wollte er Europäischen Maschinenbau studieren.

Wie bei vielen jungen Menschen war das Geld am Ende des Monats immer knapp. Also suchte Lürding sich zusätzlich einen Minijob. Den fand er in der jungen Firma von Bernhard Tellen in Alfhausen-Thiene. Tellen hatte sich mit dem Bau von Sondermaschinen selbstständig gemacht. Das Unternehmen war noch in der Gründungsphase, Berufliches und Familiäres waren damals eng verquickt. Essenspausen von den Mitarbeitern und von Firmengründer Bernhard, seiner Frau Hildegard und ihren drei kleinen Kindern fanden in Tellens Küche statt.

Studienplätze waren knapp, Lürding erhielt eine Absage. Er trat für ein Jahr als Geselle bei Tellen ein. Aus gesundheitlichen Gründen konnte Lürding eine Zeit lang nicht in der Werkstatt arbeiten. Bernhard Tellen bot ihm an, sich ans Zeichenbrett zu stellen. Das war wegweisend. Die Arbeit gefiel Michael Lürding, er eignete sich die erforderlichen Kenntnisse selbst an.

Ein Jahr später entschied er sich nach Gesprächen mit Bernhard Tellen gegen das Studium und für einen Verbleib in der Firma. Mittlerweile arbeitet Lürding seit 25 Jahren hier. Er stieg vom Werkzeugmacher über den technischen Zeichner zum Konstrukteur auf. Das Ziel hatte er als junger Mann vor Augen, auch wenn ein anderer Weg dorthin geplant war.

„Dieser Werdegang war im Rückblick nur aus Sicht der Unternehmensentwicklung und der engen Zusammenarbeit mit Bernhard möglich“, erklärt Hildegard Tellen. „Die beiden Männer haben sich immer gut verstanden; sie denken in gleichen Mustern und wissen stets sofort, was der andere meint.“

1989 zog das Unternehmen um nach Alfhausen in die Industriestraße. Damals beschäftigte es sieben Mitarbeiter, mittlerweile sind es über achtzig. Produktions- und Büroflächen wurden mehrfach aufgestockt. Michael Lürding ist jetzt Leiter der Konstruktionsabteilung. Maschinenbauingenieure, Techniker und technische Zeichner arbeiten hier.

Von Hierarchie will er nichts wissen. „Meine Aufgabe ist, dass die Arbeit in der Abteilung läuft. Sie lebt von der Teamarbeit.“

Im Besprechungsraum hängen Bilder von Anlagen, die bei Tellen Maschinenbau konstruiert und gebaut wurden. Technikerherzen schlagen höher, wenn sie das sehen: Eine Anlage zum Fertigen von Klemmringen für Waschmaschinen und Wäschetrockner ist abgebildet, eine Fertigungsanlage zur Herstellung von Waschmaschinentrommeln oder eine Anlage zum Stanzen von Z-Profil-Langträgern für Lkw-Auflieger. Auf Nachfrage erklärt Lürding die einzelnen Anlagen stets gleichbleibend sachlich, rational und ruhig.

Auf die gleiche Weise schildert er die Arbeitsabläufe im Unternehmen. Hat ein Kunde den Auftrag für eine Maschine erteilt, muss die Idee, die zum Bau vorliegt, Stück für Stück realisiert werden. Manche Kunden liefern Pflichten- und Lastenhefte mit, in denen die Anforderungen näher beschrieben sind. Das erleichtert die Arbeit. Am Anfang wird noch mit dem Bleistift vorskizziert, dann kommen Prinzipskizzen, die immer detaillierter werden. So wächst das Ganze, bis die Konstrukteure irgendwann sagen: „So könnte es gehen!“ Die technischen Zeichner arbeiten dann die Einzelteile aus.

Vor 20 Jahren wurde das erste CAD-System (computer-aided-design, rechnerunterstütztes Konstruieren) eingeführt. Seitdem arbeiten Lürding und Kollegen nicht mehr am Reißbrett, sondern am Computer. Seit 2007 werden die Zeichnungen auch dreidimensional erstellt.

Steht die Konstruktion der Maschine, beginnt ihr Bau. Lürding weiß, was hausintern produziert werden kann oder was besser zugekauft wird. Stücklisten geben an, welche Materialien und Bauteile in welcher Stückzahl benötigt werden. Das Stücklistenwesen ist ebenfalls Lürdings Kompetenz.

Ab jetzt arbeiten die anderen Unternehmenssparten an dem Auftrag. Die Bauteile werden in der firmeneigenen Fräs- und Drehabteilung produziert oder zugekauft und später in der Montage zusammengebaut. So ganz aus dem Spiel ist die Konstruktionsabteilung aber nicht. „Unsere Fehler sind öffentlich. Jeder kann das sehen“, sagt Lürding, fall etwas nachgebessert werden muss.

Auf die Frage, was ihm in den vergangenen Jahren als besonders interessant in Erinnerung geblieben ist, reagiert er verwundert. Dann fällt ihm aber doch eine skurrile Geschichte aus den Anfangsjahren ein, als sich in Thiene plötzlich ein Schwein in die Werkstatt verlaufen hatte und vor der Fräsmaschine stand. Da huscht ein leichtes Schmunzeln über das Gesicht des Konstrukteurs.

So etwas Uriges braucht er aber nicht, jeder Arbeitstag scheint für ihn spannend zu sein. Sondermaschinen sind stets etwas Neues.