Gegen kollektive Schelte Sparkassenforum in Bersenbrück: „Fleischeslust adé“

Von Cristina Schwietert

Zwischen den Sparkassenvorständen Bernd Heinemann (rechts) und Lars Pfeilsticker (links) die Diskutanten des Landwirtschaftsforums: Dietrich Holler, Brigitte Scherb, Thomas Schröder, Volker Heinz, Udo Pollmer (von links). Foto: Cristina SchwietertZwischen den Sparkassenvorständen Bernd Heinemann (rechts) und Lars Pfeilsticker (links) die Diskutanten des Landwirtschaftsforums: Dietrich Holler, Brigitte Scherb, Thomas Schröder, Volker Heinz, Udo Pollmer (von links). Foto: Cristina Schwietert

Bersenbrück. Mit Fleisch ist in Deutschland kein Staat mehr zu machen, Tierhaltung hat ein schlechtes Image, Nutztierhalter sehen mit Sorge in die Zukunft, das Thema brennt auf den Nägeln. Entsprechend gut besucht war die von der Kreissparkasse Bersenbrück initiierte Podiumsdiskussion „Fleischeslust adé –Bedeutung für die Landwirtschaft“. Mit 300 Zuhörern hatte sich ein interessiertes Fachpublikum eingefunden: Landwirte, Tierärzte, Futtermittelhersteller.

Das Podium war sachkundig besetzt mit Udo Pollmer, Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel und Ernährungswissenschaften, Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes, Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes sowie Volker Heinz, Vorstand des Deutschen Instituts für Lebensmitteltechnik (DIL). Die fachkundige Moderation lag in den Händen von Dietrich Holler, Leiter Kommunikation der Deutschen Landwirtschaftlichen Gesellschaft.

In seiner Begrüßung unterstrich Hausherr Bernd Heinemann die große Bedeutung der Landwirtschaft für die Region – das zeige sich auch im Kreditvolumen der Kreissparkasse Bersenbrück: 25 Prozent aller Kredite im gewerblichen Bereich gingen in die Landwirtschaft und damit verbundene Wirtschaftszweige.

Ferdinand Borgmann folgte als Vertreter des Landvolkes und beklagte als Repräsentant der Landwirte vor Ort den Preisverfall für erzeugte Produkte und das schlechte Image der Tierhaltung in der Öffentlichkeit, bevor Moderator Dietrich Holler die Diskussion mit der Feststellung eröffnete, man befinde sich doch hier im ‚Sillicon Valley‘ der Tierhaltung.

Hauptthema des Abends war das schlechte Image der Tierhaltung in landwirtschaftlichen Großbetrieben. Damit einher gehe eine mit pseudoreligiösem Eifer betriebene vegetarische Lebensform, stellte Udo Pollmer fest: „Wird die Wurst die Zigarette der Zukunft?“, lautete seine provokante Frage. Lebensmittel dürften nicht pathologisiert und als Ursache aller Krankheiten gesehen werden. Veganer seien vor allem unter jungen Leuten in den Städten die am schnellsten wachsende Gruppe. Dabei nehme in der Welt der Hunger nach Fleisch zu, in Deutschland gehe der Pro-Kopf-Verzehr zurück.

Über das schlechte Image von Tierhaltern macht sich Brigitte Scherb Sorgen: „Wir sind zwar transparent und haben ausgezeichnete Produkte, aber wir können schlecht kommunizieren. Kommunikation findet in den landwirtschaftlichen Ausbildungen zu wenig statt“. Man müsse seine Fehler eingestehen. Leider sei es jetzt so, dass die Medien die Inhalte bestimmten.

„Tierschützer sind keine Bauernfresser“, warf Thomas Schröder in die Runde. Viele Landwirte empfänden selbst Unbehagen in ihren Ställen. Schröder sprach von systemimmanenter Tierqual als Folge der Intensivzucht. Man müsse sich Gedanken darüber machen, welche Haltungssysteme in Zukunft noch haltbar seien. Für den Verbraucher forderte er Klarheit über die Haltungsbedingungen. Er müsse seine Kaufentscheidung nach ethischen Gesichtspunkten treffen können. „Das Wunschbild des Verbrauchers entspricht nicht seinem Kaufverhalten“, kritisierte Brigitte Scherb den Preiskampf an den Fleischtheken der Supermärkte. Volker Heinz beklagte die Unkenntnis vieler Verbraucher. „Der Handel steuert massiv, um die Umsätze zu steigern“. Außerdem werde man sich in Deutschland angesichts einer schrumpfenden Population mehr auf den Export konzentrieren müssen. „Tiere haben keinen Preis, sondern einen Wert“, war das allgemeine Fazit eines inhaltlich gelungenen Abends, dem ein wenig mehr Raum für die Sorgen und Nöte des Publikums gut zu Gesicht gestanden hätte.