Vorreiter der Modene Von Bersenbrück aus in die Welt Claude Monets

Von Alexandra Lüders


Bersenbrück. Um den französischen Impressionismus drehte sich der VHS-Vortrag „Zu Gast bei Claude Monet“ von Klaus Kirmis in der Hasemühle, wo 13 deutsche und französische Künstler im Rahmen des Projektes „Offene Grenzen“ ihre Werke ausgestellt hatten. Der Kunstexperte ließ die Stilrichtung aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit einer Ton-Dia-Schau wieder lebendig werden.

Mit Monets Sonnenaufgangsbildnis und Melodien von Claude Debussy stimmte Klaus Kirmis sein Publikum auf den dreistündigen Vortrag ein. Detailliert schilderte der Experte Persönlichkeiten, Prinzipien und Bedeutung des Impressionismus.

Er reflektierte dabei gesamtgesellschaftliche Umbrüche in dieser Zeit und ihre Auswirkungen auf die Motivwahl der Künstler, die gern auf dem Land lebten, aber in der Metropole Paris zu Hause waren. Geradezu packend schilderte Kirmis den dramatischen Kampf zwischen der „offiziellen Salonmalerei“ (akademische Lehrmeinung) und den Impressionisten, deren erste Gruppenausstellung 1874 im Atelier des Pariser Fotografen Nadar zu sehen war.

Die Küstenorte in der Normandie avancierten ebenso zu Schauplätzen der impressionistischen Kunst wie die malerischen Orte an der südfranzösischen Cote d‘ Azur. Doch zeitgenössische Karikaturisten verfolgten die Maler der Leichtigkeit mit ihrer bissigen Kritik, weil Manet, Degas, Renoir, Pissaro und Monet sich von dem Credo „Schaffe, was Du siehst, was Du willst, was Du fühlst“ leiten ließen.

Wie Kirmis darlegte, waren den Pleinair-Malern drei Pinselstriche in der Natur mehr wert als ein ganzer Tag im Atelier. Sie versuchten draußen Stimmungen auf die Leinwand zu bannen und ließen sich von Momentaufnahmen des Lichts faszinieren. Sie betonten die Sinnlichkeit der Farbe und entmachteten die Regie der Linie, was zur Auflösung der Form führte. Damit wurden die Impressionisten zu Wegbereitern der Moderne, der abstrakten Malerei. Auch Claude Monet wollte den Augenblick einfangen und ließ sich von den Reflexionen des Wassers bezaubern. Der gebürtige Pariser (1840) hatte sich als 15-jähriger bereits einen Namen als Karikaturist gemacht. In England inspirierte ihn der avantgardistische Maler William Turner zu seinen berühmten Gemälden wie die Seerosenbilder.

Anhand eigener Fotoaufnahmen zeigte Kirmis das langjährige Domizil von Claude Monet in Giverny, deren Inneres wie ein Gesamtkunstwerk gestaltet ist. Bis heute „pilgern“ Verehrer des Malers an diesen idyllischen Ort mit dem bezaubernden Garten in der Normandie. Hier schuf sich der „späte Monet“ eine Idealwelt, wo er noch als 86-Jähriger dem „Geheimnis des unfassbaren Flimmerns“ auf die Spur kommen wollte. In der Gestaltung des Gartens eiferte Monet japanischen Vorbildern nach. Monets paradiesisches Refugium ist ebenso sehenswert, wie die Vorträge von Klaus Kirmis hörenswert sind – ein gelungener Abend für Kunstfreunde.