Künstlerprojekt „Offene Grenzen“ Fans von Asterix und Obelix in Bersenbrück unter sich

Von Ulrike Havermeyer

Comicfans unter sich: Jutta Stalfort (Mitte) im Gespräch mit den Gästen: Hat es Asterix, Obelix und Co. wirklich gegeben? Foto: Ulrike HavermeyerComicfans unter sich: Jutta Stalfort (Mitte) im Gespräch mit den Gästen: Hat es Asterix, Obelix und Co. wirklich gegeben? Foto: Ulrike Havermeyer

Bersenbrück. Der kleine Clevere mit dem geflügelten Helm und der große Dicke mit der gestreiften Hose – alles nur erfunden? Oder hat es Asterix, Obelix und ihren inzwischen 35 Bände währenden Widerstand gegen einen leicht angetrottelten Julius Cäsar wirklich gegeben? Mit wissenschaftlicher Akribie und unverhohlener Begeisterung für die gezeichnete Klientel machte sich Bersenbrücker Historikerin Jutta Stalfort daran, im Rahmen des Künstlerprojekts „Offene Grenzen“ die „ganze Wahrheit“ über die verwegenen Gallier zu ergründen.

Das Publikum in der Hasemühle – alteingesessene Bersenbrücker, Gäste aus Frankreich und Kunstinteressierte aus der Region – war gespannt auf den Vortrag über eine der weltweit erfolgreichsten Comicserien, deren erste Episode 1959 in dem damals neu gegründeten französischen Jugendmagazin „Pilote“ erschienen ist: ein kleines Dorf in der Bretagne im Jahre 50 vor Christus. Bevölkert von so unbeugsamen wie sympathischen Galliern. Nein, der Ort, an den René Goscinny und Albert Uderzo die Abenteuer von Asterix, Obelix und Co. verlegen, dürfte trotz mancher Ähnlichkeiten kein Vorläufer von Bersenbrücks Partnerstadt Tinténiac gewesen sein.

Jutta Stalfort schüttelt bedauernd den Kopf: „Wenn es so ein Dorf und so einen enervierenden Widerstand wirklich gegeben hätte, dann wäre das in den historischen Quellen sicherlich nicht unerwähnt geblieben.“ Und außerdem: Die von Uderzo und Goscinny beschriebenen Gallier seien, wissenschaftlich betrachtet, mit den Kelten gleichzusetzen, erläuterte Stalfort – und die hätten nicht unmittelbar an der Küste gesiedelt und wohl niemals über einen eigenen Zugang zum Strand verfügt. Kein Zufall also, dass Verleihnix, der streitbare Frischfischhändler, trotz direkter Meeresnähe des Comicdorfes seine Ware per Ochsenkarren aus dem fernen Lutetia (Paris) herbeikarren lässt?

Auch wenn „die gesamte Rahmenhandlung reine Fiktion ist“, wie die Wissenschaftlerin feststellte, so entpuppe sich der Blick auf die Details für den Historiker doch als verblüffend gut recherchiert: „Sowohl Goscinny als auch Uderzo waren Lateinschüler und hatten Cäsars Bericht über den ‚Gallischen Krieg‘ und andere Quellen gründlich gelesen“, erklärte Stalfort. „Und neben den lustigen Geschichten und dem Sprachwitz liegt darin der besondere Reiz.“ Je mehr historisch belegte Einzelheiten der Leser kennt, desto vielschichtiger dürfte die Lektüre werden: Die Festmahle der Kelten seien ebenso überliefert, berichtete Jutta Stalfort, wie die Rolle der Druiden als politische Ratgeber. Archäologen haben keltische Kriegerhelme gefunden, die mit flügelartigen Auswüchsen verziert sind – und selbst Obelix darf sich zufrieden zurücklehnen: Seine „gestreiften und stramm sitzenden Hosen“ waren dem antiken Geschichtsschreiber Strabon eine gewichtige und bleibende Notiz wert.


Die Ausstellung „Offene Grenzen“ ist noch bis zum 16. November in der Hasemühle zu sehen. Am 10. November referiert Klaus Kirmis um 19.30 Uhr zum Thema „Zu Gast bei Claude Monet – Französischer Impressionismus“.