Gute Ausbildung unerlässlich Jägerschaft Bersenbrück prüft 60 Hunde pro Jahr

Von Nicole Weymann


Altkreis Bersenbrück. „Jagd ohne Hund ist Schund“: für passionierte Jäger ein feststehender Grundsatz. Aber Jagdhund ist nicht gleich Jagdhund.

Eine Aufgabe von Jagdhunden ist das sogenannte Vorstehen: Wenn die Hunde Wild wittern, zeigen sie, wo es sich versteckt, zum Beispiel indem sie mit angehobener Pfote den Kopf in Richtung des Versteckes recken.

Im Gegensatz dazu suchen „Stöberhunde“ das Wild nicht nur, sie scheuchen es auch auf und treiben es in Richtung des Jägers.

„Retriever“ oder Apportierhunde hingegen haben die Aufgabe, bereits erlegtes Kleinwild wie Enten oder auch Kaninchen zum Jäger zu bringen.

Bei der Jagd mit „Bracken“ wird ein mindestens 1000 Hektar großes, geschlossenes Gebiet durchkämmt. Da so große Reviere heute eher selten sind, werden Brackierjagden kaum noch durchgeführt.

Speziell für die Jagd in unterirdischen Tierbauten gezüchtet wurden die „Erdhunde“, zu denen vor allem Dackel und Terrier gehören. Sie folgen Füchsen oder Dachsen unter die Erde und treiben sie aus ihrem Bau.

Die vierte wichtige Aufgabe der Jagdhunde ist die der „Schweißjagd“. Schweißhunde verfolgen die Spur blutender Tiere, wenn diese zum Beispiel angeschossen oder auf der Straße angefahren wurden. Ihre Ausbildung ist besonders aufwendig, was gute Schweißhunde zu Spezialisten und damit entsprechend teuer macht.

Ungeachtet der Tatsache, dass es für jedes jagdliche Fachgebiet speziell gezüchtete Hunderassen gibt, müssen alle als Jagdhunde eingesetzten Tiere eine Prüfung zum Jagdgebrauchshund absolvieren. In sechsmonatigen Kursen trainieren Hund und Herrchen ein- bis zweimal pro Woche alles, was in der Prüfung abverlangt wird.

Die Prüfung selbst kann bei bis zu sechs Hunden schon mal einen halben Tag ausfüllen – Vor- und Nachbereitung nicht eingerechnet.

Die Prüfungsfächer umfassen Gehorsam, Schussfestigkeit, Bringen, Schweißarbeit und Wasserarbeit. Um als Jagdgebrauchshund eingesetzt werden zu können, muss das Tier alle Prüfungen bestehen, beurteilt von drei Verbandsrichtern des Jagdgebrauchshundeverbandes.

Schon bei nur einem nicht bestandenen Fach ist eine komplette Neuprüfung fällig, schließlich kann es kein Jäger riskieren, dass sein Hund, sobald er Wild riecht, nicht mehr zu halten ist oder die erlegte Ente irgendwo vergräbt, statt sie zu apportieren. Doch der Reihe nach:

Beim „Gehorsamstest“ bekommt der Prüfling ohne Leine Auslauf, und muss, wenn sein Führer ruft, zu ihm zurückkommen und an seiner Seite bleiben, auch wenn geschossen wird. Zum Gehorsam gehört auch die „Leinenführigkeit: seinen Führer hinter sich herziehen zu wollen ist für einen Jagdhund tabu, und bei Hindernissen wie Bäumen bestimmt auch der Mensch, ob sie links- oder rechtsherum umgangen werden.

„Schussfestigkeit“ ist das, was sich besonders an Silvester viele Besitzer von ihren vierbeinigen Begleitern wünschen: kein Jaulen, Bellen oder Verstecken, nicht einmal ein Zucken deuten an, dass die Tiere verängstigt oder verunsichert wären.

Beim „Bringen“ geht es um mehrere Stück Wild. Zum einen zieht der Prüfer ein totes Haarwild über eine Strecke von mindesten 100 Metern hinter sich her. Der Hund muss die „Beute“ anhand der Duftspur finden und zu seinem Führer bringen. Bei Federwild wie Enten ist die Strecke mindestens 150 Meter lang. Verliert er die Spur, darf bis zu zweimal neu angesetzt werden, bringt er aber das Wild nicht, ist er sofort durchgefallen.

„Schweißarbeit“ ist nicht „schweißtreibende Arbeit“, sondern Arbeit an einer Blutspur. Das Legen der Spur gehört bereits am Tag vor der Prüfung zu den Vorbereitungen, schließlich ist eines der häufigsten Einsatzgebiete für Schweißhunde das Auffinden von verletztem Wild, zum Beispiel nach Unfällen. Dementsprechend dauert es in der Regel einige Zeit, bis der Hund vor Ort ist und die Suche beginnen kann.

„Bringen“ und „Schweißarbeit“ sind die zeitintensivsten Prüfungen, denn natürlich muss jeder Hund eine eigene Spur bekommen, damit die Bedingungen für alle Tiere gleich sind. Das bedeutet, dass bereits am Vortag an bis zu sechs Waldstellen Schweißfährten gelegt werden (dafür werden mit frischem Wild oder Haustierblut Tropfspuren verteilt) und am Prüfungstag auch entsprechend viele Schleifspuren gezogen werden müssen.

Für all das braucht man selbstverständlich die Einwilligung der Waldbesitzer, die, wenn sie selbst Jäger sind, für die zusätzliche Aufregung in ihren Revieren nicht immer empfänglich sind und dabei gerne vergessen, dass auch sie mit ihren Hunden auf die Prüfung angewiesen waren.

Die Wasserarbeit ist das letzte geprüfte „Fach“. Hier muss der Prüfling zunächst eine tote Ente finden, die der Prüfer so ins Schilf geworfen hat, dass der Hund sie nicht sehen – „eräugen“ – kann. Nebenbei testen die Prüfer auch hier noch einmal die Schussfestigkeit der zukünftigen Jagdhunde.

In der Regel ist damit die Prüfung abgeschlossen, und Hund und Herrchen können zum ersten Mal gemeinsam auf die Jagd gehen.