Martina Saatkamp erzählt Beraterin bei „Donum vitae“ in Bersenbrück

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Martina Saatkamp berät Schwangere in Krisensituationen. Foto: Katharina PreuthMartina Saatkamp berät Schwangere in Krisensituationen. Foto: Katharina Preuth

Bersenbrück. Die Schwangerenberatungsstelle Donum Vitae hat sich in den 13 Jahren ihres Bestehen einen festen Platz in der Stadt Bersenbrück erobert. Hier berät die Sozialpädagogin Martina Saatkamp bei Schwangerschaftskonflikten, zu allgemeinen Themen rund um die Schwangerschaft und bei pränataler Diagnostik. Außerdem informieren sie und ihre Bad Iburger Kollegin Ingrid Lambers Jugendliche über Sexualität. Ein neues Aufgabengebiet ist in diesem Jahr hinzugekommen: die vertrauliche Geburt.

Krankenhäuser mit einer Entbindungsstation bieten seit diesem Jahr die vertrauliche Geburt an. Im Mai 2014 hat der Bund ein entsprechendes Gesetz erlassen. Die vertrauliche Geburt soll die anonyme Geburt ablösen.

Frauen, die unerkannt bleiben wollen und um eine vertrauliche Geburt bitten, wird eine Beraterin zur Seite gestellt. Anders als bei einer gänzlich anonymen Geburt, hinterlassen die Frauen bei der Beraterin ihre eigenen Daten und eventuell auch den Namen des Vaters. Die gesammelten Daten werden von der Beraterin in einem versiegelten Umschlag nach Berlin geschickt. Mit 16 Jahren hat das Kind dann die Möglichkeit auf diese Daten zuzugreifen. Damit Martina Saatkamp die Frauen rechtlich beraten kann, nimmt sie an einer Fortbildung teil. „Der Vorteil der vertraulichen Geburt ist, dass die Frauen den Ärzten und den Geburtshelfern gegenüber anonym bleiben, dass das Kind aber trotzdem mit 16 Jahren erfahren kann, wo es herkommt und wer seine leibliche Mutter ist“, berichtet Martina Saatkamp.

Zu den Hauptaufgaben von Donum Vitae in Bersenbrück zählen seit ihren Anfängen 2001 nach wie vor Konfliktberatung und allgemeine Schwangerschaftsberatung. Als eingetragener Verein der Stadt und des Landkreises Osnabrück stellen sie Beratungsnachweise aus. Dieser Nachweis ist für einen Schwangerschaftsabbruch unumgänglich, da Abtreibungen zunächst einmal gesetzeswidrig sind. Erst durch Vorlage des Beratungsnachweises können weder der Arzt noch die Frauen strafrechtlich verfolgt werden. Dies gilt bei einer Abtreibung bis zur zwölften Schwangerschaftswoche und ohne medizinische oder kriminologische Indikation. „Die Frauen sollen bei uns zur Ruhe kommen. Jeder, Verwandte und Freunde, haben eine eigene Meinung, die Frau soll schauen, was sie selbst will. Was du entscheidest, ist wichtig, nicht was andere für dich entscheiden“, erklärt Martina Saatkamp. Weiter sagt die Sozialpädagogin, dass sie sich als Anwältin der Frau und des Kindes sieht. Als Verein, der sich auf christliche Ansätze berufe, berate sie zum Leben hin. Dies ist auch Motto des bundesweit agierenden Vereins.

In der allgemeinen Schwangerenberatung gehe es dagegen mehr um die Möglichkeiten der Finanzierung und welche Angebote der Kinderbetreuung es gebe.

Die Frauen, die sich für die allgemeine Beratung interessieren und diejenigen, die zur Konfliktberatung in die Bersenbrücker Zweigstelle kommen, halten sich zahlenmäßig die Waage, sagt Saatkamp. „Bis jetzt sind in diesem Jahr etwa 100 Frauen zu uns gekommen.“


Grundsätzlich ist der Schwangerschaftsabbruch in Deutschland rechtswidrig, allerdings bleibt er unter bestimmten Bedingungen straffrei. Mindestens drei Tage vor dem Eingriff muss die Schwangere bei einer anerkannten Beratungsstelle zu einer Pflichtberatung vorstellig werden. Dies muss sie dem behandelnden Arzt mithilfe einer Bescheinigung nachweisen.

Weiter muss der Abbruch von einem Arzt vorgenommen werden, dieser darf die Konfliktberatung nicht selbst durchführen. Außerdem dürfen seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sein.

Bei zwei Indikationen gilt die Abtreibung nicht als rechtswidrig:

Dazu zählt einmal diemedizinische Indikation. Diese besteht, wenn es durch die Schwangerschaft oder die Geburt zu einer psychischen oder physischen Gefahr für die Schwangere kommt. Hier ist der Abbruch auch nach der zwölften Woche möglich.

Eine kriminologische Indikation liegt dann vor, wenn es nach ärztlicher Erkenntnis zu einem Sexualdelikt an der Frau gekommen ist, wie etwa eine Vergewaltigung oder sexueller Missbrauch, wenn das Mädchen bei der Empfängnis noch nicht 14Jahre alt war.

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