Interview mit Theo Gärke Bürgerradweg nach Döthen: Jetzt geht’s los


ms Eggermühlen. Die letzte bürokratische Hürde ist genommen: Übernächsten Samstag beginnt der Verein „Rad-Aktiv“ mit dem Bau des Bürgerradweges von Eggermühlen über Döthen an die Gemeindegrenze mit Bippen. Zum ersten Mal in Niedersachsen bauen Bürger einen solchen Radweg in eigener Regie. Auf den Verein und seine Unterstützer kommt viel Arbeit zu. Doch „Rad-Aktiv“-Sprecher Theo Gärke ist optimistisch, dass das Projekt zügig vorankommt.

Herr Gärke, wie kam es zu diesem Projekt?

Als um das Jahr 2000 der Radweg von Ankum nach Bippen gebaut wurde, hieß es von Anfang an, dass er bis nach Bippen weitergeführt werden sollte. Dazu gab es verschiedene politische Initiativen, aber es ging nicht voran. Das Problem ist, dass dieser Abschnitt in der Prioritätenliste des Landes zu weit hinten steht. Wir wären erst in 15 Jahren an der Reihe, und das dauert uns angesichts der Verkehrsgefährdung zu lang. Die Landesstraße ist sehr kurvig. Da traut man sich nicht, mit dem Fahrrad zu fahren, und mag erst recht keine Kinder mit dem Rad auf diese Straße schicken. 2005 gab es eine Unterschriftenaktion, und schließlich haben wir uns gesagt: Wenn das Land den Radweg nicht baut, müssen wir es eben tun. Deshalb haben wir den Verein „Radktiv“ gegründet mit derzeit 80 Mitgliedern, hauptsächlich aus dem Ortsteil Döthen und aus Eggermühlen. Zum ersten Mal würde damit in Niedersachsen ein Bürgerradweg nicht mehr in der Regie einer Gemeinde gebaut, sondern der Bürger.

Ganz ohne Gemeinde geht es aber nicht?

Die Gemeinde bringt sich stark ein, und wir sind ihr sehr dankbar dafür. Sie hat sich in der Flurbereinigung durch Flächentausch die Grundstücke für den Radweg verschafft. Erst dadurch wurde es überhaupt möglich, ein Planverfahren einzuleiten, das die Voraussetzung für den Bau ist. Außerdem baut die Gemeinde den Mittelabschnitt direkt hier in Döthen, denn hier wird es reichlich kompliziert. Das können Sie sehen, wenn Sie hier aus dem Fenster schauen (geht zum Fenster): Die Straße zieht sich in einer engen S-Kurve durch den Ort. Da bleibt zu wenig Platz für den Radweg. Deshalb wird die Fahrbahn in Richtung auf unser Grundstück verlegt. Außerdem können Sie erkennen, dass die Bushaltestellen nicht mehr zeitgemäß sind. Der Bus muss auf der Straße halten, und das Ein- und Aussteigen ist sehr gefährlich. Deshalb wird die Gemeinde auch die Bushaltestellen erneuern.

Wie wollen Sie den Bau technisch bewerkstelligen?

Wir wollen möglichst viel selbst machen. Unser finanzieller Vorteil ist, dass wir anders als die öffentliche Hand die Arbeiten nicht ausschreiben müssen, deshalb hoffen wir auf günstigere Preise. Beim Bau werden wir vom Ingenieurbüro IBT Hans Tovar & Partner aus Bersenbrück betreut. Der Löwenanteil besteht aus Erdarbeiten, es gibt hier genug Landwirte, die die Maschinen dafür haben. Außerdem ist für uns von Vorteil, dass eine Sandgrube im Ort ist, da brauchen wir den Sand nicht teuer heranschaffen zu lassen. Den ersten Bauabschnitt, das sind 490 Meter bis zur Bippener Gemeindegrenze, wollen wir dieses Jahr noch angehen. Im nächsten Jahr sollen die 1,65 Kilometer von Eggermühlen bis nach Döthen an der Reihe sein. Im Moment sind alle heiß darauf, dass es endlich losgeht.

Wie steht es mit der Finanzierung?

Für den ersten Abschnitt haben wir das Geld zusammen, für den zweiten fehlt uns noch eine Stange. Da werden wir noch viele Metersteine verkaufen müssen. Das sind Steine mit einer Plakette aus Edelstahl, die den Namen des Spenders nennt. Firmen, Kegelclubs, Vereine, Gruppen und Privatleute können sie erwerben. Sie werden neben dem Radweg in den Boden gesetzt. Wenn man später den Radweg fährt, kann man erkennen: Das ist mein Beitrag dazu.


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