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Regionalleiter der Kreismusikschule wird „EU-Beauftragter“ des Internationalen Musikbundes Dietmar Späthe träumt von einem EU-Jugendblasorchester

Von Martin Schmitz

Bersenbrück. Aus dem Engagement Dietmar Späthes im Internationalen Musikbund (CISM) wird mehr. Der Musiklehrer und Bersenbrücker Regionalleiter der Kreismusikschule ist neuerdings Vizepräsident der Musikkommission des Zusammenschlusses internationalen Dachverbandes für Blasmusik, Percussion, Tambour-, Bläser- und Pfeiferkorps mit 35000 Musikvereinen in 21 Ländern. Die internationale Wettbewerbskultur der Blasmusikorchester fördern, ein europäisches Jugendblasorchester und ein internationales Musikarchiv sind die Ziele, bei deren Verwirklichung er sich einbringen möchte.

Herr Späthe, was macht der Vizepräsident der Musikkommission eigentlich?

Im Moment sind wir da noch in der Brainstorming-Phase. Seit zwei Jahren arbeite ich in der Musikkommission mit. Bisher bestand meine Aufgabe darin, die Harmonisierung der Wettbewerbsstandards voranzubringen, damit Fanfarenzüge, Showbands und Marching Bands unter gleichen Bedingungen zu internationalen Wettbewerben antreten können. Dort könnte man ansetzen mit einem Projekt zur Jurorenausbildung. Denn was nützen einheitliche Standards, wenn die Juroren sie nicht verinnerlicht haben? Bis 2014 wollen wir ein Projekt mit EU-Förderung hinbekommen. Dazu muss man sich aber in die Feinheiten der Brüsseler EU-Bürokratie einarbeiten. Wenn in einem Antrag ein einziger Satz nicht kongruent ist, dann können sie es vergessen.

Gibt es noch weitere Ideen?

Die CISM könnte ein Europäisches Jugendblasorchester schaffen. Unter dem Motte „Mid Europe“ würden in der jeweiligen europäischen Kulturhauptstadt junge Musiker zu einer Probenphase zusammenkommen, mit hochkarätigen Dozenten arbeiten und anschließend Konzerte geben. Weiterhin gibt es im französischen Ort Guebviller ein Archiv für Blasmusik, das größte seiner Art in Europa. Das gilt es aufzuwerten, mit anderen Archiven zu vernetzen und verstärkt nutzbar zu machen.

Gibt es da nicht Sprachbarrieren?

Wir überlegen gerade, Englisch zur Verbandssprache zu machen. Aber abgesehen davon, müssen sich die Vereine und Verbände erheblich verändern. Viele Nachwuchsmusiker wollen nicht mehr unbedingt Lehrgänge und Schulungen besuchen und für Leistungsabzeichen lernen. Sie wollen erst einmal möglichst gut Musik machen, und gut is. Wir arbeiten an diesem Thema mit dem Institut für Verbandsforschung der TU in München zusammen. Aber da bin ich nur am Rande beteiligt, mit Europa habe ich ausreichend zu tun.

Was tut sich denn an der Kreismusikschule im Nordkreis?

An den Grundschulen in Ankum und in Quakenbrück in den Grundschulen Hengelage und Langer Esch starten wir jetzt mit „Moos“ (Modell Osnabrück). Mit diesem Programm musikalisieren wir die Grundschulkinder in der ersten Klasse in kleinen Gruppen, und sie lernen eine Vielzahl von Musikinstrumenten kennen. In den Kindergärten in Bersenbrück und Eggermühlen läuft „EMU“ (elementarer Musikunterricht) sehr gut. Je nach Jahreszeit oder Anlass lernen Kinder auf spielerische Weise Musik kennen, die Eltern kostet das lediglich neun Euro pro Monat und Kind. In Eggermühlen haben wir eine sehr starke Nachfrage nach Blockflötenprojekten in der Grundschule. In Bersenbrück übrigens auch. In den Bläserklassen des Gymnasiums Bersenbrück steigen die Schülerzahlen. Und das Orchester Rote Heide, dessen Dirigent ich bin und das sich sehr gut entwickelt, nimmt sein Publikum erfreulich ernst und spielt in erster Linie dafür und nicht für sich. Manchmal sind die sogar ein bisschen zu ehrgeizig.