Im Interview Bersenbrücker Schwimmmeister Günther Welp nimmt Abschied

Von Cristina Schwietert

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Günther Welp
              
              Foto: Yannik Richter/ArchivGünther Welp Foto: Yannik Richter/Archiv

Bersenbrück. Günther Welp aus Bersenbrück – der Mann ist eine Institution und einer der dienstältesten Schwimmmeister im Landkreis Osnabrück. Tausenden von Kindern aus der Samtgemeinde Bersenbrück hat er mit viel Geduld und Disziplin das Schwimmen beigebracht. Am Freitag, 26, September, scheidet er nach mehr als 41 Jahren aus dem aktiven Dienst aus. Im Gespräch mit dem „Bersenbrücker Kreisblatt“ versucht er zu erklären, warum viele Kinder heute nicht mehr richtig schwimmen können. Das Interview im Wortlaut:

Herr Welp, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) schlägt Alarm: Rund 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland seien schlechte Schwimmer oder Nichtschwimmer, die Hälfte der Viertklässler nicht in der Lage, ausdauernd und sicher zu schwimmen. Können Sie diesen Trend bestätigen? Als einer der dienstältesten Schwimmmeister im Landkreis sind Sie ja auch so etwas wie ein Gradmesser und Beobachter von Entwicklungen.

Ja, das kann ich bestätigen. Hauptsächlich, weil sich das Schwimmverhalten geändert hat. Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Das Ankumer Hallenbad, in dem wir jetzt sitzen, wurde in den Siebzigerjahren als Lehrschwimmbecken für die umliegenden Schulen gebaut. Es wurde damals viel stärker frequentiert als jetzt. Bis in die Achtzigerjahre hinein gab es das Ziel, dass alle Siebtklässler mit dem Freischwimmer – das entspricht in etwa dem Bronze-Schwimmabzeichen – die Orientierungsstufe verlassen. Später hat man dieses Ziel für alle Fünftklässler verfolgt. Da waren die Schwimmbäder und -vereine voll, in denen Kinder sich auf Schwimmwettkämpfe vorbereiteten. Wir haben damals sogar noch das Rettungsschwimmabzeichen angeboten. Die Leistung stand im Vordergrund. In den Neunzigerjahren kamen dann die Spaß- und Erlebnisbäder auf, die den kommunalen Bädern bald den Rang abliefen. Der Trend geht ganz klar dahin. Ein Spaßbad ist für den Spaß zuständig. Da wird nicht mehr 100 Meter am Stück geschwommen – da kann man auch hin, wenn man nicht so gut schwimmen kann. Und ansonsten wird eben gespielt und getobt im Wasser. Außerdem, und das ist meine private Beobachtung, wenn ich in den Ortschaften der Samtgemeinde unterwegs bin, gibt es im Sommer in vielen Gärten einen Pool. Und so groß der auch sein mag, ausdauernd schwimmen kann man darin nicht. Das sind große Planschbecken. Und wenn man den Pool hat, dann geht man nicht mehr ins Schwimmbad. Zudem sind die Kinder ja oft bis in den Nachmittag hinein in der Schule, setzen sich dann an die Hausaufgaben, fürs Schwimmbad bleibt dann keine Zeit mehr. Schwimmen funktioniert nicht mehr so wie vor Jahren.

Es gibt doch aber von der Samtgemeinde Bersenbrück finanzierte Schwimmkurse für Kindergartenkinder und Grundschulkinder? Da wird doch schon einiges unternommen.

Das stimmt, und wir geben uns viel Mühe. Trotzdem vermisse ich da die Nachhaltigkeit. Die Eltern müssten sich mehr in die Pflicht nehmen. Wir haben Kinder, und es werden immer mehr, die waren vor dem Kindergarten-Schwimmkurs noch nie im Wasser, und sie werden das bis zum Schwimmkurs in der Grundschule auch nicht wieder tun. Die verlassen dann den Kindergarten zwar mit dem „Seepferdchen“, verlernen das Schwimmen aber wieder. Das ist sehr schade. In den kostenpflichtigen Schwimmkursen, die wir in unseren Schwimmbädern anbieten, ist das anders. Da sind die Eltern sehr dahinter, dass die Kinder ausdauernd schwimmen lernen. Schwimmen muss man üben.

Also gilt man mit dem „Seepferdchen“ noch als Nichtschwimmer? Das ist doch ein Schwimmabzeichen.

Ja, das ist es, und inzwischen mit großem Abstand das Begehrteste. Aber ein sicherer Schwimmer ist man damit noch lange nicht. Ich habe mal etwas ketzerisch gesagt, „Seepferdchen“ ist eigentlich ein Überlebenstraining und ein Programm zur Wassergewöhnung. Dazu gehört, ins Wasser zu springen, 25 Meter am Stück zu schwimmen und einen Gegenstand aus schultertiefem Wasser zu holen. Das gilt für das Schwimmbad, da ist ruhiges Wasser, man kann sich zur Not am Rand festhalten. Aber wenn das Kind draußen schwimmt, etwa im Meer oder einem See, da hilft das „Seepferdchen“ nicht weiter. Erst wenn man „Bronze“ geschafft hat und 200 Meter in einer bestimmten Zeit geschwommen ist, gilt man als sicherer Schwimmer. Das ist dann wie Rad fahren, man verlernt es nicht mehr.

Sie betonen ja sehr die Rolle der Eltern beim Schwimmenlernen. Wie können sie den Kindern denn Freude und Ausdauer vermitteln, vor allem, wenn es schicker ist, einen Tag im Spaßbad zu verbringen als zwei Stunden in einem Hallenbad wie diesem hier?

Ja, da haben Sie recht. Spaßbad macht mehr Spaß und ist schicker. Aber Schwimmen steht da nicht im Vordergrund. Eltern sollten Beispiel geben, regelmäßig mit den Kindern schwimmen gehen und die Kinder überzeugen, ihren Ehrgeiz rauskitzeln. „Komm, wir schwimmen jetzt mal zusammen und gucken, wer schneller ist“, das spornt die Kinder an. Schwimmbäder für alle Jahreszeiten haben wir hier zur Genüge.

Was ist denn für Sie das Wichtigste beim Schwimmen?

Die Ausdauer – absolut. Die ist überlebenswichtig.


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