In gute Gewässer abzugeben Badberger Hobbyzüchter Herr über 1000 Edelkrebse

Von Regine Hoffmeister


Badbergen. In den drei Edelkrebs-Brutbecken in Wolfgang Rötkers Garten in Badbergen geht es zuweilen schon einmal ruppig zu. Gerade die männlichen Jungtiere – kaum fingernagelgroß – rangeln ab und zu miteinander. Deswegen oder auch wegen der häufigen Häutungsprozesse verliert der eine oder andere schon einmal einen Scherenarm.

„Das ist aber nicht weiter schlimm, denn bei den Krebsen wachsen diese Körperteile ja nach“, versicherte Rötker den eingeladenen Gästen und Nachbarn bei der Führung durch seine Zuchtanlage.

Der Hobbykrebsforscher betreibt seine Zucht im Rahmen eines breit angelegten Artenschutzprojekts in Kooperation mit den Fischereivereinen im Landkreis, dem Landesfischereiverband Weser-Ems und der Naturschutzstiftung des Landkreises Osnabrück. Ziel des Projekts ist es, den europäischen Flusskrebs in geeigneten Gewässern wieder anzusiedeln und so die bedrohte Krebsart vor dem Aussterben zu bewahren. Vor gut 100 Jahren nämlich wurden fast alle Bestände von der Krebspest dahingerafft, die aller Wahrscheinlichkeit nach durch importierte amerikanische Flusskrebsarten eingeschleppt wurde.

Naturschützer Klaus Zöller aus Neuenkirchen-Vörden hatte Rötker, der im Hauptberuf ein Büro für Landschaftsplanung betreibt, 2011 einige der seltenen europäischen Flusskrebse aus seinem Mühlenbach zur Aufzucht überlassen. Seitdem leben in Rötkers Gartenteichen bereits mehrere Generationen an Edelkrebsen. „Die ältesten und größten Tiere müssten schätzungsweise fünf oder sechs Jahre alt sein“, erklärte er. Bis zu 20 Jahre alt können sie werden.

Fischreste, Kartoffeln, Heu und Mohrrüben werden ab und zu beigefüttert. „Doch hauptsächlich fressen die Krebse Laub und Wasserpflanzen.“

Die Wasserqualität überprüft Rötker regelmäßig auf Krankheitserreger. „Der Nachbarshund darf hier nicht aufs Gelände, wenn er in der Hase gebadet hat“, berichtete er. Zu gefährlich sei eine Übertragung von Parasiten in die Krebs-Bassins.

Die Baby-Krebse sollen, wenn sie noch etwas größer und kräftiger geworden sind, in ausgewählte Gewässer ausgewildert werden. „Vorzugsweise sind das die Gewässer der Fischereivereine“, so Rötker. Aber auch andere könnten sich um einige der begehrten Exemplare bewerben. „Ich verkaufe die Krebse nicht einfach so, sondern untersuche die Gewässer, in die sie eingesetzt werden sollen, erst ganz genau auf ihre Eignung als Edelkrebs-Lebensraum.“

Erstmals sollen einige der kleinen Krebse im Rahmen eines Projekts des Landkreises auch wieder in ein Fließgewässer ausgewildert werden. „Das ist ausgesprochen schwierig, aber wir hoffen, dass es funktionieren wird.“


Die dunkel- bis rotbraunen Edelkrebse können bis zu 20 Jahre alt werden. Wenn er ausgewachsen ist, kann er eine Länge von 20 Zentimetern erreichen und bis zu 350 Gramm schwer werden. Verbreitet sind die Krebse in fast ganz Europa. In Deutschland gilt der Edelkrebs als vom Aussterben bedroht. Neben der stärksten Bedrohung, der Krebspest, ist die Schadstoffbelastung in Gewässern ein großes Problem.