Interview mit Ralph-Erik Schaffert „Wasserverband Bersenbrück Erfolgsgeschichte“

Von Martin Schmitz


Bersenbrück. Der Wasserverband Bersenbrück, der auch Teile von Bramsche, Rieste und Vörden beliefert, feiert 50-jähriges Bestehen. Am Sonntag findet ein großes buntes Familienfest im Wasserwerk Ahausen statt. In dieser Zeit hat der Verband eine preisgünstige Wasserversorgung aufgebaut und die Abwasserentsorgung der vier Samtgemeinden im Osnabrücker Nordland übernommen. Ralph-Erik Schaffert rechnet mit steigenden Kosten. Das System instand zu halten sei aufwendiger, als es zu schaffen, sagt der Geschäftsführer des Wasserverbandes.

Herr Schaffert, wo steht der Wasserverband nach 50 Jahren?

Der Kreis Bersenbrück hatte später angefangen als andere, es gab Widerstände aus verschiedenen Gemeinden, trotzdem konnte er eine kreisweite Wasserversorgung aufbauen, deren Wasserpreis heute noch um die Hälfte unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Das war das Werk meines Vorgängers Heinz Usselmann. In meine Zeit fällt die Übernahme der Abwasserversorgung von den vier Samtgemeinden und zunehmend die Instandhaltung der Anlagen. Der Wasserverband Bersenbrück hat eine Jahresbilanzsumme von 80 Millionen Euro und knapp 80 Mitarbeiter. Wir sind ein großer Dienstleister, aber wir sind auch in der Region zu Hause, immer in der Nähe und ansprechbar. Ich denke, der Wasserverband ist eine Erfolgsgeschichte.

Welche Aufgaben und Probleme sehen Sie in der Zukunft auf den Wasserverband zukommen?

Das System ist aufgebaut, wir versorgen 90 000 Einwohner in unserem Einzugsbereich und haben eine Abdeckung von über 97 Prozent der Haushalte. Künftig werden wir immer mehr damit beschäftigt sein, das System instand zu halten, und das wird aufwendig. Der Austausch einer Rohrleitung ist dreimal teurer als der Neubau. Kunststoff-Rohrleitungen haben zum Beispiel eine Lebensdauer von etwa 50 Jahren. Wir versuchen, die Anlagen in einem guten Zustand zu halten. Rechtzeitig investieren, um damit künftig Kosten niedrig zu halten, das ist unsere Strategie. 2015 haben wir fünf Millionen Euro investiert. Wir setzen bewusst gute Materialien ein, um die Haltbarkeit zu verlängern, Vollwand-Rohre im Abwasser zum Beispiel. Die kosten geringfügig mehr, halten aber länger. Zudem ist auch Energiesparen ein wichtiges Thema, die Stromkosten haben sich für uns verdreifacht.

Wie stellt sich der Wasserverband auf die Instandhaltung ein?

Wir haben eine Prioritätenliste erarbeitet. Wasserleitungen, bei denen vermehrt Rohrbrüche auftreten, werden ausgetauscht. Kanäle werden schwerpunktmäßig dort saniert, wo wir Grundwassereintritt haben. Für die Sanierung von Hausanschlüssen haben wir eine eigene Kolonne mit Minibagger aufgebaut. Die rechnet sich, und langfristig wollen wir noch mehr in Eigenleistung machen.

An welchen Projekten arbeitet der Wasserverband gerade?

Um die Kläranlage in Rieste abzuschalten, bauen wir eine Abwasserleitung nach Bersenbrück. Damit wird die Kläranlage Bersenbrück zur Zentralkläranlage der Samtgemeinde Bersenbrück. Das spart Energie, und wir müssen die Kläranlage in Rieste nicht sanieren. Im Wasserwerk in Plaggenschale werden gerade energieeffiziente neue Reinwasserpumpen und energiesparende Steuerungstechnik aufgebaut. Wir bemühen uns hier ständig um Verbesserungen und haben ein einheitliches Energiemanagement aufgebaut.

Was tut der Wasserverband Bersenbrück außerdem, um künftig seinen Aufgaben gewachsen zu sein?

Wir müssen mehr tun gegen den Nitrateintrag über Gülle in den Boden, über die Jahrzehnte sickern Nitratverbindungen ins Grundwasser. Die neue Gülleverordnung erscheint den Wasserversorgern dazu nicht ausreichend. Deshalb überlegen wir, unseren eigenen Textvorschlag einzubringen. Was den Wasserverband betrifft: Wir stellen uns nächstes Jahr einer Rezertifizierung unseres integrierten Qualitätsmanagementsystems. Mit dem Landkreis Osnabrück verhandeln wir über das Grundstück, auf dem neben uns bisher auch der Unterhaltungsverband Mittlere Hase und die Kreisstraßenmeisterei angesiedelt sind. Den zusätzlichen Platz könnten wir gut brauchen. Wir denken nach über eine Dienstleistungsgesellschaft mit den Stadtwerken Osnabrück. Manche Aufgaben können wir gemeinsam günstiger erledigen, das betrifft nicht nur den Leitungsbau, sondern auch das Management zur Sicherung der Wasserqualität, das könnte man bündeln. Wir denken über einen Windpark beim Wasserwerk Ohrte nach, um uns von der Energiepreisspirale abzukoppeln. Heinz Usselmann hat zu seiner Zeit ja bereits drei Windräder bei unseren Wasserwerken gebaut. Mittelfristig müssen wir davon ausgehen, dass die Ausbringung von Klärschlamm als Dung auf Äckern verboten wird, obwohl er sich dank seines Phosphorgehaltes ideal eignet und kommunaler Klärschlamm nur wenig Schadstoffe enthält. Deshalb wollen wir in Quakenbrück die Faulschlammverwertung verbessern. Bei der Faulung fällt Methan an, aus dem wir Strom und Wärme gewinnen. Die Prozesswärme könnte zur Trocknung des Schlammes verwandt werden. Dann sind Transport und Verbrennung einfacher.

Der Wasserverband bildet in vielen Berufen aus, Rohrleger, Bauzeichner, Elektriker, EDV-Experten, Kaufleute. Wir werden die Ausbildung verstärken müssen, damit dem Verband die Fachleute nicht ausgehen. Mit der Hochschule in Suderburg zusammen sind wir in die duale Ingenieursausbildung eingestiegen, als einer der ersten Wasserverbände in Niedersachsen.