Wirtschaftsminister zu Gast Tellen und Wurst XXL-Klasse des Handwerks

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Alfhausen/Bersenbrück. Handwerk ist mehr als der klassische Kleinbetrieb mit Meister, Geselle und Lehrling. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies lernte in Alfhausen und Bersenbrück zwei Unternehmen kennen, die in ihren Branchen für Spitzenleistungen bekannt sind. Und ihre Probleme.

Das war ein intensiver Tag: Am Donnerstag lernte Lies das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik in Quakenbrück kennen, fuhr dann weiter zur ZF-Niederlassung in Damme und nahm sich nachmittags je anderthalb Stunden Zeit für die Unternehmen Tellen in Alfhausen und Wurst in Bersenbrück.

Die Betriebe Wurst und Tellen haben Gemeinsamkeiten: Sie entstanden aus kleinsten Anfängen, sind familiengeführt, die zweite Generation engagiert sich, und pflegen die ausgeprägte Teamkultur des Handwerks. Ihr Bekenntnis zum Handwerk hat die Handwerkskammer Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim bewogen, sie für diesen Besuch vorzuschlagen. Eine gute Wahl: Lies stellte zum Schluss fest, für ihn sei es eine neue Erfahrung gewesen, Handwerksbetriebe kennenzulernen, die sich vom typischen Kleinbetrieb deutlich unterscheiden.

Tellen baut Sondermaschinen für die Industrie , Anlagen zum Beispiel, die aus Blechen in Sekunden Waschmaschinengehäuse oder Türzargen formen. „Jede von ihnen ist eine Einzelanfertigung“, sagt Inhaber Bernd Tellen. Er setzt auf große Fertigungstiefe, sogar die Softwareentwicklung für die Steuerung findet im Hause statt, hier haben seine Kinder Lisa und Johannes eine wichtige Rolle übernommen. Tellen fertigt mit 80 Mitarbeitern in mehreren Hallen im Alfhausener Industriegebiet. Sie stellen ihre Maschinen auch schon mal in St. Petersburg oder Nanjing in China auf, Sprachkurse werden im Haus organisiert.

Fast jeder fünfte Mitarbeiter ist ein Azubi, Tellen kooperiert mit umliegenden Schulen, beteiligt sich mit der Vergabe von Bachelorarbeiten auch an der Ingenieursausbildung. Viele Fachleute locken die hohen Gehälter in der Industrie. „Uns bleibt nur jeder dritte Auszubildende“, sagt Hildegard Tellen. Es geht aber nicht nur ums Geld, ist sie sich mit ihrem Mann einig, sondern auch um mangelnde Wertschätzung. Weil der Facharbeiterberuf zu wenig anerkannt ist, streben junge Leute nach mehr und überfordern sich. „Der Druck ist zu stark“, sagt Bernd Tellen, und aus einem guten Facharbeiter werde ein schlechter.

Zufriedenheit am Arbeitsplatz, das ist auch für Christian, Thomas und Michael Wurst ein Thema . Sie führen die von ihren Eltern Friedmut und Hildegard gegründete Wurst Stahlbau GmbH mit Prokurist Alfred Feldker zusammen weiter. „Lösungen für stahlharte Probleme“ verspricht der Firmenslogan. Die himmelragende Sinfonie aus Stahl über dem neuen Weserstadion in Bremen stammt von ihnen, Deutschlands größte Halle für den Windrotorenbau, Wurst-Monteure haben auch schon antarktischen Schneestürmen getrotzt.

Bernd Tellen kann die Auftragslage seines Unternehmens in der Regel über Monate überschauen, manchmal über mehr als ein Jahr. „Man darf das den Banken eigentlich gar nicht sagen“, scherzt Christian Wurst, „aber bei uns sind das in der Regel nur zehn Wochen.“ Diesen Unwägbarkeiten stellt Wurst Stahlbau eine intensiv gepflegte Firmenkultur entgegen. In ihr ist der vorausschauende Blick in die Zukunft ein wichtiger Bestandteil.

Unter den 200 Mitarbeitern in Bersenbrück-Hastrup und in Senden befindet sich jeder Zehnte in der Ausbildung. Wie Tellen arbeitet auch Wurst mit örtlichen Schulen zusammen, ist außerdem Partner der Berufsakademie Emsland und der Hochschule Osnabrück in einem dualen Studium für Wirtschaftsingenieure.

Den Hastrupern brennen ganz praktische Probleme unter den Nägeln: Im Stahlbau sind Zertifikate und Qualitätsmanagement ein wichtiger Kostenfaktor. Kann das Land als Aufsicht dafür Sorgen tragen, dass alle Firmen unter gleichen Bedingungen ihre Dienste anbieten?

Sorgen macht auch die marode Dütetalbrücke der Autobahn A1. Schwere Stahlbaukonstruktionen kann sie nicht mehr tragen, sie müssen auf umständlichen Umwegen transportiert werden.

Die Brücke ist zuerst einmal ein Problem Nordrhein-Westfalens, antwortet Lies. Dann spricht er das Problem dahinter offen und ehrlich an, wie eigentlich immer an diesem Besuchstag: Die Verkehrsminister wird es noch viel Zeit, Mühe und Geld kosten, Brücken und Straßen in den guten Zustand zu versetzen, den das Land dringend braucht.


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