Legenden, Neulinge und Exoten 20. Reggae Jam in Bersenbrück ein Erfolg

Meine Nachrichten

Um das Thema Samtgemeinde Bersenbrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Bersenbrück. Ragga, Dancehall, Ska, Dub, Rocksteady, Reggaeton und Roots sind alles Spielarten des Reggae. Wenn man zehn Besucher des Reggae Jams in Bersenbrück bitten würde, die Musik der gerade auftretenden Band in das richtige Genre einzuordnen, würden das wohl acht bis neun falsch machen. Macht aber nichts.

Denn die breite Masse, nicht nur das Fachpublikum, war auch in diesem Jahr wieder begeistert über die Bandbreite der Künstler, die im Klosterpark zu sehen und zu hören war. Ehe Superstar Shaggy am Sonntag als Letzter die Lichter auf der Bühne ausmachte, gaben sich legendäre, aufstrebende und exotische Stars die Ehre.

Eine Spielart des Reggae, die auch Laien gut erkennen können, weil sie viel schneller und stärker bläserorientiert ist als andere, ist Ska. Die Freunde dieser extrem tanzbaren Richtung kamen gleich am Eröffnungstag voll auf ihre Kosten. Nach dem traditionellen Start mit Lion Teeth legte das Berlin Boom Orchestra los. Kraftvolle Bläsersätze und treibende Gitarren und dazu witzige deutsche Texte – die Mischung kam beim Publikum an.

Nahtlos im Ska-Stil weiter ging es mit Yellow Umbrella. Die Jungs aus Dresden hatten sichtlich großen Spaß, in Bersenbrück den 20. Geburtstag ihrer Band zu feiern. Mit der Show von D-Flame aus Frankfurt folgte ein leicht an HipHop angelehntes Intermezzo. Am originellsten war seine deutsche Version von „Here comes the hotstepper“ von Ini Kamoze. Fast noch mehr als mit seinem Auftritt überzeugte der stimmgewaltige Hesse an den Folgetagen als einheizender Co-Moderator des Festival neben Ganjaman.

Hier gibt‘s die ersten Bilder vom Sonntag.

Dann fuhr der Zug auf der Ska-Schiene mit den Stars des Eröffnungsabends, den Skatalites, weiter. Die Wurzeln der jamaikanischen Band reichen bis 1963 zurück, auch wenn jetzt in der vielköpfigen Formation nur noch ein Originalmitglied mitwirkt. Die Skatalites hatten leichtes Spiel, weil viele am ersten Tag nur ihretwegen gekommen waren. Bestechend war der brillant ausgesteuerte Sound der Band. Nach so viel Ska wurde es dann gegen Mitternacht und danach mit Little Kirk, I-Fire, Gyptian und Addis Pablo wieder traditioneller. Addis Pablo ist übrigens neben Bob-Sohn Ky-Mani Marley der zweite in Bersenbrück auftretende Nachfahre eines Reggae-Pioniers. Sein Vater ist der berühmte Augustus Pablo.

Ganjaman kann nicht nur das Reggae-Jam-Festival moderieren, sondern auch gute Musik machen. Das zeigt sich am zweiten Tag der Reggae Jam. Der Berliner steht für Dancehall beeinflussten Reggae mit deutschen Texten und gehört mittlerweile zum „Inventar“ in Bersenbrück. Für viele ist TrixStar die aufstrebende deutsche Dancehall-Künstlerin: Am eher ungünstigen frühen Nachmittagstermin sprühte die Deutsch-Iranerin aus Dortmund vor Energie. Mit einer enormen Powerstimme zeigte sie absolute Bühnenpräsenz. Viele hätten sich noch mehr Songs von ihr gewünscht, doch reicht ihr Repertoire dafür wohl noch nicht aus. Ihre Auftrittszeit teilte sie sich daher mit Goldi, einem Berliner Dancehall-Künstler.

Ihren ersten Auftritt außerhalb des Landes hatten dann First Light. Die Schweden überzeugten mit coolem Roots-Reggae. Sie dürfen gerne wiederkommen. Ganz anders der Auftritt von Hopeton James. Mit seiner sanften, hohen Stimme bediente der elegant im weißen Anzug gekleidete Jamaikaner den Geschmack der Schmuse-Reggae-Fraktion. Das ist alles andere als abwertend gemeint: Hopeton James kam überaus sympathisch rüber und seine Balladen wie „People get ready“ erzeugten bei vielen ein Gänsehautgefühl.

Alle Bilder, Videos und Berichte auf einem Blick

Mit Prince Alla folgte ein weiterer Reggae-Veteran aus der Karibik. Keith Blake, so sein richtiger Name, der Roots-Reggae-Sänger mit den riesigen Zahnlücken hatte auch rein äußerlich hohen Unterhaltungswert, schien er doch die gute Laune in Person zu sein.

Über die No-Madzz, Viceroys und George Nooks ging es zu Kabaka Pyramid. Er gehört zur Generation der jüngeren Stars der Branche. Beim umjubelten Auftritt von Chronixx kam Kabaka Pyramid später für einen gemeinsamen Song auf die Bühne. Die beiden verstehen sich. Dann war es soweit. Der Triumphzug von Chronixx begann. Nichts anderes war der nur 45-minütige Auftritt des charismatischen 32-Jährigen und seiner Band „The Zincfence Redemption“. Vor der Bühne drängelten sich die Besucher. Bei den Chronixx-Hits „They don’t know“ und „Here comes trouble“ hielt es niemanden mehr. Ohne Zugabe verließ der Meister die Bühne. Nahtlos weiter ging es mit der Show von Turbanträger Lutan Fyah, auch ein Held der neueren Reggae-Generation.

Würdiger Abschluss

Gleich drei herausragende Acts hatte dann das Sonntagsprogramm zu bieten. Luciano war vor Jahren schon der Star in Bersenbrück und wurde auch dieses Jahr wieder gerne gesehen. Ky-Mani Marley musste im Vorjahr kurzfristig absagen. Umso erfreulicher, dass es in diesem Jahr klappte. Und „Mr. Boombastic“, Shaggy, von manchen Puristen bisher eher als Pop-Reggae-Künstler geschmäht, sorgte gerade erst mit einem 100-prozentig reinen Reggae-Album für Furore und bei der Reggae Jam für den würdigen Abschluss.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN