Outsider im Hier und Jetzt Bersenbrücker Kunstwerkstatt stellt in der Kreissparkasse aus


Bersenbrück. Diesen Künstlern kann man beim Arbeiten jederzeit zuschauen, durch die großen Fenster ihrer Kunstwerkstatt in der Bramscher Straße in Bersenbrück. Gäste sind dort eh willkommen. Nun stellen sie gemeinsam ihre Arbeiten im Foyer der Kreissparkasse aus. Für einen aus ihren Reihen wurde es unversehens eine posthume Kunstschau.

Das Farbenspiel-Motiv auf der Einladungskarte stammt vom kürzlich verstorbenen Werner Reuter. „Er war einer unserer Stillen, wir nannten ihn den Beobachter“ schildert ihn Annette Röhr, die das Experiment Kunstwerkstatt zusammen mit Marion Tischler leitet. Lange habe er sich zurückgehalten, erst in den Wochen vor seinem Tod sei er aus sich herausgegangen, habe sich in einen explosiven Schaffensrausch hineingesteigert, der am Ende jäh abbrach.

Außer Reuter besuchen Arne Grützmann, Ursula Beckmann, Margret Tobaschus, Jennifer Mühlsteph, Britta Richter, Michael Liening-Ewert, Christoph Buchholz, Achim Morina und Bernd Creutz die Kunstwerkstatt. Vor zwei Jahren eröffnete die Heilpädagogische Hilfe ihre Kunstwerkstatt im Bersenbrücker Stadtzentrum. Alle, die damals probehalber starteten, seien auch dabei geblieben, berichtet Röhr.

Jeder habe sich in seinem Schaffensprozess weiterentwickelt. Jeder besitze eine eigene künstlerische Handschrift, bearbeite unterschiedliche Themen, habe sein eigenes Tempo, setze seine Techniken ein. Der eine sei in der Welt der Comics zu Hauses, ein anderer setze auf Zahlen und Symbole als Ordnungsprinzip, oder auf Cyberwesen, unglaublich ziseliert und detailreich.

Seit den Zwanzigerjahren, also seit fast einem Jahrhundert, setze sich die Kunstwelt mit der Frage auseinander, ob das Schaffen behinderter Menschen anders zu bewerten sei. Es habe sich gezeigt, dass die „Outsider-Art“ durchaus zeitgenössische künstlerische Positionen beleuchten könne. Im Laufe der Zeit seien die Grenzen fließender geworden. Selbst auf der Weltausstellung Documenta werde die Kunst der Behinderten neben der von Künstlern ohne Behinderungen gezeigt.

Persönlich sehe sie keine Unterschiede in der Wertigkeit der Menschen. Es stelle sich sogar die Frage, ob ihre Fähigkeit „im Hier und Jetzt zu sein“, Behinderten im künstlerischen Schaffen nicht einen Vorteil bringe. Sie bleiben stets bei der Sache, mit großer Hingabe und Konzentration.

Bernd Heinemann fand es passend, dass die Kreissparkasse nach ihrem Motto „Wir für hier“ Räume für diese Ausstellung zur Verfügung stellte. Er sei erstaunt gewesen zu erfahren, wie vielseitig und anspruchsvoll die Künstler aus der Kunstwerkstatt zu Werke gehen. Guido Uhl stimmte ihm seitens der Heilpädagogischen Hilfe zu, sprach von der sichtbaren Entwicklung, die die Kunstwerkstatt unter ihren Teilnehmern in Gang gesetzt habe. Dann gab er dem Banker Heinemann eine Spitze mit auf dem Weg: „Hier hängen Werte an der Wand, die deutlich besser sind als griechische Staatsanleihen.“

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Sparkassenzentrale zu sehen.


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