Firma Star Exchange Gehrde: Sven Funsch macht sich in China selbstständig

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Gehrde/Peking. Wei Ting Ting. Schön klingt dieser Name vor allem, wenn er von den richtigen Leuten ausgesprochen wird. Sven Funsch aus Gehrde wird die 27-jährige Chinesin im Mai in Peking heiraten und mit ihr dort leben. Seit 2010 fühlt er sich in dem pulsierenden Land wohl. Nun möchte er junge Europäer ebenfalls für China begeistern. Der 30-Jährige hat deshalb mit seiner Schwester Nicole und zwei Freunden aus den Tagen am Gymnasium Bersenbrück eine Firma gegründet. „Star Exchange“ heißt sie und vermittelt jungen Menschen Gastfamilien in China.

Alles begann in der Theo-Berg-Akademie in Freiberg. Hier studierte Sven Funsch Betriebswirtschaftslehre und schloss das Studium mit seiner Diplomarbeit über den „Kulturwandel in der chinesischen Gesellschaft“ ab. Zunächst arbeitete Sven Funsch für die Firma Hösch in Langfang, wechselte dann zum Cultural Exchange Center, ein Unternehmen in Peking, das sich um die Vermittlung von jungen Menschen aus aller Welt kümmert. Wei Ting Ting, die Sven Funsch gleich bei einem seiner ersten Aufenthalte in China kennen- und lieben lernte, ist Teilhaberin des Cultural Exchange Centers. Zu Deutschland hat sie nicht nur wegen Sven Funsch einen besonderen Bezug. Sie hat Germanistik in Chungking studiert, die mit 30,8 Millionen Einwohnern größte Stadt der Welt.

Dass Wei Ting Ting die deutsche Sprache lernte, ist zwei Umständen zu verdanken. Zum einen dem typischen Pragmatismus der Chinesen. Als sich Wei Ting Ting gefragt habe, welche Fremdsprache sie studieren solle, habe ihre Mutter erklärt, dass Germanistik genau das Richtige sei, berichtet Sven Funsch. Englisch würden viele studieren, da sei die Konkurrenz anschließend groß, so die Argumentation.

Zum anderen sind die Deutschen für Chinesen in vielen Dingen auch ein Vorbild. Dé guó – Land der Tugend, nennen die Chinesen Deutschland. Sie wissen warum, wie Sven Funsch anhand eines Beispiels erklärt. In Tsingtau bauten Ingenieure einer deutschen Firma um 1900 herum das erste moderne Kanalisationsnetz in China auf. Es hielt und hielt. Im vergangenen Jahr jedoch bestand Handlungsbedarf. Viele Rohre waren marode. Was machten die Chinesen? Sie riefen erst einmal in Deutschland an und fragten, ob es noch passende Ersatzteile gebe. „Nein“, hieß es. Die würden nicht mehr hergestellt. Kein Wunder nach mehr als 100 Jahren. Aber: Die Bauarbeiter hätten damals wahrscheinlich neben dem alten Netzwerk Ersatzteile vergraben. Und siehe da: Es stimmte. Die Chinesen fanden das Material sorgsam in Öltüchern eingepackt. Dieses vorausschauende Denken imponierte. Genau davon müsse China lernen, hieß es in großen Artikeln, die im ganzen Land erschienen.

Natürlich weiß Sven Funsch auch, das die Deutschen – und natürlich auch alle anderen Europäer – ebenfalls viel von den Chinesen lernen können. Allein wegen der stetig zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung rückt das Land zwangsläufig stärker in den Blickpunkt der Welt. Und da kann es nicht schaden, dieses für viele Europäer noch immer sehr fremde Land näher kennenzulernen.

Sven Funsch hat das erkannt und sich deshalb mit seiner Unternehmung „Star Exchange“ im Dezember selbstständig gemacht. Neben seiner Schwester Nicole sind Jan-Henning Gresbrand und Eduard Müller mit im Firmenboot. Das Quartett bietet Auslandsaufenthalte in chinesischen Familien an. Das Besondere daran: Die Gastgeber übernehmen alle Kosten – angefangen vom Flug über die Verpflegung und die Versicherungen bis hin zu den Reisen in China selbst. Obendrauf gibt es noch 125 Euro Taschengeld im Monat, einen kostenlosen Sprachkurs sowie einen eigenen Raum mit Internet (siehe auch die Infobox).

Diese chinesischen Familien gehören der stark wachsenden Mittel- und Oberschicht in China an. Für sie lohnt sich der finanzielle Aufwand aus vielen Gründen. So lernt beispielsweise das eigene Kind schnell eine weitere Sprache und auch anderes kulturelles Verhalten kennen. Überdies können bestimmte Kindergartenplätze in China schnell einmal 1000 Euro im Monat kosten, wie Sven Funsch berichtet. Da rechnet sich ein Au-pair trotz der Übernahme von zahlreichen Kosten.

Vor einigen Wochen hat „Star Exchange“ begonnen, in Deutschland für das Au-pair-Jahr in China zu werben. Weitere Länder wie Spanien, Italien, Polen, die Niederlande, England und Frankreich sollen folgen. Bei allen Aktivitäten arbeitet Star Exchange auch weiterhin mit dem Cultural Exchange Center – also auch mit Wei Ting Ting – zusammen.

Im Mai nun werden neben den beruflichen Banden auch die familiären Verbindungen noch enger verknüpft. Dann steht die sogenannte „Passhochzeit“ von Wei Ting Ting und Sven Funsch auf dem Programm. Wie der Name schon sagt, ein eher formaler Akt. Die „richtige“ Hochzeit mit allem Drum und Dran ist 2015 geplant – einmal in Deutschland und einmal in China.

Sicher werden viele Freunde und Verwandte das Paar in China in den nächsten Jahren besuchen. Sie werden feststellen, dass viele Städte inzwischen fast wie amerikanische Metropolen aussehen. Sie werden auch feststellen, dass die Chinesen eine Vorliebe für hochwerte Produkte haben, die aus Europa kommen. Ob Gucci, Burberry oder Chanel – besonders Nobelmarken sind in China beliebt. Und sie werden schließlich feststellen, dass die Chinesen sich gerne der Welt öffnen und begierig sind, Neues zu lernen. Sven Funsch findet, das sollte auf Gegenseitigkeit beruhen.


Star Exchange bietet ein Programm an, das jungen Leuten einen Au-Pair Aufenthalt in China ermöglicht. Neben kostenlosen Hin- und Rückflügen, freien Sprachkursen und Taschengeld – finanziert von den Gastfamilien – bietet Star Exchange eine 24/7 Bereitschaft an. Anders formuliert: Die jungen Leute haben rund um Uhr an sieben Tagen in der Woche die Möglichkeit, bei offenen Fragen oder Problemen Kontakt zu Helfern herzustellen. Auch ein Kurs für Kinderbetreuung ist im Angebot. Interessenten müssen zwischen 18 und 29 Jahre alt sein und gesund. Weitere Voraussetzungen sind gute Englischkenntnisse, Aufgeschlossenheit und die Bereitschaft, Kinder zu betreuen. Infos: www.starexchange.eu

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