Eine Eisenbahn ohne Züge 100 Jahre Ankum-Bersenbrücker Eisenbahn

Meine Nachrichten

Um das Thema Samtgemeinde Bersenbrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Bersenbrück. Sie besitzt ein bestens gepflegtes Gleis, auf dem aber keine Züge verkehren. Trotzdem verdient die Ankum-Bersenbrücker Eisenbahn (ABE) Geld und hält Ankum eine strategische Option offen: Der Ort könnte in Nullkommanichts wieder direkt in den Schienenverkehr einbezogen werden.

Die Entscheidung, die Bahnlinie Osnabrück–Oldenburg nicht über Ankum, sondern über Bersenbrück verlaufen zu lassen, ist wohl das große Trauma der Ankumer Geschichte. Die Bahn ließ das Dorf Bersenbrück mit dem alten Handelszentrum des Osnabrücker Nordlandes gleichziehen und schuf eine Rivalität, die noch heute nachwirkt.

Ankum versuchte gegen Ende des 19. Jahrhunderts gleichzuziehen. Wieder einmal war es der tatkräftige Landrat Hermann Rothert, der Schwung in die Sache brachte. In seiner Amtszeit zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde die Bahn gebaut, 1915 rollte der erste Güterzug, 1919 nahm sie den regelmäßigen Personenverkehr auf.

Sehr einträglich dürfen die 6,4 Kilometer Bahnlinie zwischen Ankum und Bersenbrück aber wohl nie gewesen sein. 1962 stellte die Ankum-Bersenbrücker Eisenbahn den Personenverkehr ein. Die Ankum-Bersenbrücker Eisenbahngesellschaft hielt die Strecke für den Güterverkehr offen und stieg ins Busgeschäft ein, berichtete ihr Geschäftsführer Helmut Zimmermann vergangene Woche dem Finanzausschuss der Samtgemeinde Bersenbrück. Heute befördern die weiß-roten Kleinbusse der GmbH Schüler zu Sonderschulen. Mit 17 Bussen und 20 Mitarbeitern, die meisten in Teilzeit, setzt sie bis zu einer Viertelmillion Euro im Jahr um. Über die Jahre schuf sie sich ein finanzielles Polster von 370000 Euro. Mit öffentlichen Zuschüssen hält sie die Gleisanlagen in Schuss, die Anfang der Neunzigerjahre im Zuge einer Gleis- und Straßenverlegung in Ahausen komplett erneuert wurden.

Im Zuge der Gebietsreform übernahm der Landkreis Osnabrück die Eisenbahngesellschaft vom Kreis Bersenbrück und lässt sie heute zusammen mit einer anderen Privatbahn von Bohmte aus managen. Ihren Stützpunkt vor Ort hat sie im „alten Bahnhof“ in Ankum, von dort organisiert Bernd Geers die Busfahrten.

In der Samtgemeinde Bersenbrück wurde kürzlich erwogen, die GmbH zum Kern der projektierten Gemeindewerke zu machen. Doch zwei Gesellschafter zeigten kein Interesse: Außer den Gemeinden Ankum und Bersenbrück und der Samtgemeinde halten auch die Städte Fürstenau und Quakenbrück Anteile, und zwar je zehn Prozent. Der Landkreis Osnabrück gab seine Anteile an Ankum und die Samtgemeinde ab. Ankum hält derzeit 40 Prozent, die Samtgemeinde 30, Bersenbrück zehn.

Aber macht diese Eisenbahn noch Sinn? Manchem Bewohner der Region stößt sauer auf, dass es leichter ist, für die fast ungenutzte Bahnlinie von Bersenbrück nach Ankum Geld aufzutreiben, als anderswo offene Bahnübergänge mit einer Schranke zu versehen. Ein tödlicher Verkehrsunfall in Rieste im Sommer brachte diese Diskussion in Schwung, sie wurde auch in der Sitzung des Finanzausschusses angesprochen.

Helmut Zimmermann ist überzeugt, dass es strategisch richtig ist, die Bahn zu erhalten. Neben dem Gleis ist nämlich ihre Konzession ihr kostbarster Besitz. Ist diese Genehmigung zum Betrieb einer Bahn einmal verfallen, kann sie nur mit viel Mühe wiederbeschafft werden.


Am Sonntag fährt ein „Nikolauszug“ auf der Eisenbahnstrecke Ankum–Bersenbrück. Die Eisenbahngesellschaft setzt einen historischen Triebwagen ein, der ab 13.45 Uhr stündlich vom Bersenbrücker Bahnhof startet. Unterwegs hält er an drei Stationen: Der Adventsbasar der Gemeinnützigen Werkstätten in Bersenbrück gehört zu den größten seiner Art im Altkreis. Am Ahausener Bahnhof schenken Landjugend und Schützenverein Glühwein aus und legen Bratwürstchen auf den Grill. Im Ankumer Bahnhof gibt es eine Fotoausstellung zur Geschichte der Ankum-Bersenbrücker Eisenbahn. Ein Bus der Eisenbahngesellschaft bringt die Passagiere von hier aus ins Dorf zum Ankumer Nikolausmarkt mit seinen vielen Ständen. Rückfahrten vom Ankumer Bahnhof nach Bersenbrück stündlich ab 14.20 Uhr. Der letzte Zug startet in Bersenbrück um 17.45 Uhr, Rückfahrt ab Ankum um 18.20 Uhr.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN