Der „kleine Bürgermeister“ Bersenbrück: Harald Kräuter verabschiedet

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<em>Abschied von seinem</em> Amt nahm Bersenbrücks Bürgermeister Harald Kräuter. Unser Bild zeigt ihn mit Ehefrau Renate im Kreise der Redner der Feierstunde im Bersenbrücker Rathaus.Foto: Martin SchmitzAbschied von seinem Amt nahm Bersenbrücks Bürgermeister Harald Kräuter. Unser Bild zeigt ihn mit Ehefrau Renate im Kreise der Redner der Feierstunde im Bersenbrücker Rathaus.Foto: Martin Schmitz

Bersenbrück. Großer Bahnhof für den „kleinen Bürgermeister“: Sogar ein Europapolitiker und ein Landrat fanden sich im Bersenbrücker Rathaus ein, um ihren Weggefährten Harald Kräuter zum Abschied vom Bersenbrücker Bürgermeisteramt noch einmal zu würdigen. Verbindlich, mit Humor und Geist – Käuter ist der Typ Weggefährte, den man vermisst, wenn die Wege sich trennen.

Bersenbrücks Bürger hatten ihn schon einen Tag zuvor verabschiedet, in einer gut besuchten Stadtratssitzung, mit einem langen und kräftigen Applaus, fast schon eine Standing Ovation.

Er habe seine Stadt mit Haltung und Hingabe repräsentiert, und mit „robuster Leber“, lobt ihn anderntags auf der Abschiedsfeier Samtgemeindebürgermeister Horst Baier. Angenehm und verbindlich im Umgang, schlagfertig und mit Humor, was sich im Wortspiel vom kleinen und großen Bürgermeister widerspiegelt, mit dem Kräuter auf seine Körpergröße ebenso anspielt wie auf die Rollenverteilung zwischen Stadt- und Samtgemeindebürgermeister.

Baier erklärt Kräuters Persönlichkeit aus seiner Lebensgeschichte heraus: ein Flüchtlingskind, das Bersenbrück lieben lernt und herumkommt. 1942 in Reichenberg-Röchlitz im Sudetenland geboren, wächst er in Bersenbrück auf, macht hier Ende der Fünfzigerjahre eine Ausbildung zum Regierungsinspektoranwärter. Es folgt eine Karriere im Personalwesen der Bundeswehr, in der ihm Präzision und knappe Ausdrucksweise zur zweiten Natur werden, die aber nie ins Schroffe abgleiten. Nach der Wende lässt er sich zum Innenministerium Mecklenburg-Vorpommerns in Schwerin abordnen, bringt es bis zum Ministerialdirigenten und Referatsleiter.

Sein kommunalpolitisches Engagement für Stadt und Samtgemeinde begann 1976. Zeitweilig war er Stellvertreter des legendären Walter Sandbrink, im Bürgermeisteramt wie in der CDU, der er seit JU-Zeiten angehört. Nach einer Unterbrechung für die Berufslaufbahn ließ er seiner „Liebe zu Stadt und Samtgemeinde“ nach seiner Pensionierung im Jahr 2000 freien Lauf. Ab 2005 dient er der Stadt als Bürgermeister. „Schade, dass Sie gehen. Gut, dass Sie im Samtgemeinderat bleiben“, schließt Baier: Sein Amt als Sitzungspräsident des Samtgemeinderates wolle Kräuter weiter ausüben.

Klaus Wübbolding aus der Reihe der Bürgermeisterkollegen ehrt Kräuter als Mann, der das „Bürgermeistersein vorgelebt“ habe. Landrat Michael Lübbersmann hebt seine natürliche Autorität hervor, mit der Kräuter im Zusammenspiel mit Walter Sandbrink den damaligen Samtgemeindebürgermeister vom Verwaltungsfachmann zum Politiker begleitet hätten.

Gott habe ihm Verstand gegeben, bescheinigt Kräuter für die Bersenbrücker Geistlichen Pfarrer Jörg Buß. Nicht nur das: „Intelligenz ergänzt mit Klugheit“, stellt Hans-Gert Pöttering fest. Der EU-Parlamentarier kennt Kräuter seit JU-Tagen.

Bühne frei für den kleinen Bürgermeister, der mit einem Gag startet. Er klappt die Stufe aus, die Lübbersmann eigens für ihn in die Rednertribüne der Samtgemeinde bauen ließ: „Das technische Highlight des Tages“, scherzt er dazu.

Auch seine politische Abschiedsbotschaft würzt er mit Humor: „Nehmen Sie Ihre Aufgabe ernst, aber nicht zu wichtig“ wendet er sich an seine Ex-Stadtratskollegen. „Dass jeder austauschbar ist, sehen Sie an mir.“

Dazwischen eine kurzweilige Ansprache, ein sehr persönlicher Abschied von denen, die hier erschienen sind und seinem geliebten Bersenbrück ein Gesicht geben, einst wie heute. Er beginnt mit seiner Ehefrau Renate, nennt seine Vorgängerin Renate Hülsmann „die Bürgermeisterin der Herzen“. Er schließt die Vorzimmerdamen im Büro des Samtgemeindebürgermeisters mit ein, die ihn für seine Termine brieften, und die Fachdienstleiter. Er spricht Lothar Böse an, mit dem er wichtige Grundstücksdeals für die Stadt einfädelte.

Und Günther Marotzke, Ex-Verwaltungschef, in den Zeiten, als die Samtgemeinde noch eine Doppelspitze hatte. Als Azubis hatten sie beide hier einst begonnen.


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