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Pöttering: Gemeinsames Erbe bewahren „Heimat Europa?“: Podiumsdiskussion des Kreisheimatbundes Bersenbrück

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Mit Buchgeschenken bedankten sich Vertreter des Kreisheimatbundes Bersenbrück (KHBB) bei den Podiumsteilnehmern. Foto: Anja PolaszewskiMit Buchgeschenken bedankten sich Vertreter des Kreisheimatbundes Bersenbrück (KHBB) bei den Podiumsteilnehmern. Foto: Anja Polaszewski

BERSENBRÜCK. „Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt, wo auch Vertrauen ist“, beschreibt Professor Dr. Jochen Oltmer einen einigermaßen abstrakten Begriff. Dann verschränkt der 46-jährige Osnabrücker Migrationsforscher die Hände. „Heimat ist Geborgenheit, sie schafft Nähe.“

Das Publikum applaudiert. Es ist Freitagabend. Der Kreisheimatbund Bersenbrück (KHBB) hat anlässlich seines 60-jährigen Bestehens vier Vertreter aus Politik und Bildungswesen zu einer Podiumsdiskussion in die Aula der von-Ravensberg-Schule eingeladen. Das Thema: „Heimat Europa?“

Star des Abends ist Hans-Gert Pöttering, Mitglied des Europaparlaments. „Der Euro, die Champions League, die Verträge von Maastricht und Brüssel: Sie alle haben einen Anteil daran, dass Europa als einheitliche, kulturelle Ordnung wahrgenommen wird. Auslandsstudien und Reisen verstärken den Kontakt der Europäer zueinander.“ Das finden auch alle anderen Teilnehmer der Podiumsdiskussion. Europa sei weder kulturell noch ethnisch ganz eindeutig bestimmbar. Es müsse noch weiter zusammenwachsen und eine Einheit bilden. „Die Grenzen im Kopf sind noch deutlich spürbar“, findet Jürgen Schwietert, stellvertretender KHBB-Vorsitzender.

Mit der Europäischen Union habe der Kontinent bereits einen „einheitlichen Raum des Friedens, der Freiheit und der Demokratie geschaffen“, sagt Hans-Gert Pöttering. Der aus Bersenbrück stammende Europapolitiker ist beliebt, das spürt man auch an diesem Abend deutlich.

„Europa ist weit mehr als ein Kontinent“, ergänzt Professor Dr. Heinz Duchhardt. Der Europahistoriker ist Stiftungsratsvorsitzender der Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland. Er betont, man habe zudem ein gemeinsames, kulturelles Erbe, „das es zu wahren gilt“.

Moderatorin an diesem Abend ist die Hamburger NDR-Journalistin Gabriele Heise. Sie fragt nach der Rolle der Sprache in Europa. Professor Dr. Oltmers Antwort: „Gerade die Sprachvielfalt ist das Schöne, das Interessante an unserem Europa. Wenn ich in ein fremdes Land fahre, liegt es an mir selbst, mich anzupassen. Immerhin bin ich der ,Fremde‘ – und das gilt selbstverständlich auch für die Sprache.“ Dieser Gedanke stößt nicht nur beim Publikum auf absoluten Zuspruch. „Vielsprachigkeit ist nichts Negatives – im Gegenteil: Sie ist wunderbar und fördert Toleranz zwischen Menschen“, betont die Präsidentin des Bundes Heimat und Umwelt, Herlind Gundelach aus Hamburg.

Ein weiteres Thema innerhalb der Diskussion: die Integration der Jugend. „Es fängt doch schon beim Thema Verein an. Es ist schwer, die jungen Menschen für Mitgliedschaften zu begeistern. Wenn man sie nicht mit neuen Ideen und Aktionen lockt, wird das nichts“, bedauert Gundelach.

Wie sehr dies wohl zutrifft, ist auch an diesem Abend deutlich zu spüren: Nicht ein Schüler oder Student ist zur Podiumsdiskussion erschienen. Das Publikum dominieren Menschen ab 50 Jahren.

Und dann ist noch die Frage offen, ob europäisch vernetzte Heimatvereine einen Beitrag dazu leisten könnten, um Europa zu einer Heimat zu formen und das kulturelle Erbe mit zu sichern. „Da bin ich mir sogar sicher. Seit vielen Jahren gibt es Heimatvereins-Partnerschaften innerhalb der EU“, sagt Herlind Gundelach. „Dass wir das Konstrukt Europa als unsere Heimat betrachten können, so weit sind wir wohl noch nicht“, stellt Gabriele Heise fest. Jochen Oltmer fügt lächelnd hinzu: „Doch hier spielt vor allem die Zeit eine große Rolle.“

Die Moderatorin schließt mit den Worten: „Und heute fangen wir damit an, indem wir die Wurzeln des Heimatvereins pflegen.“ Sie steht auf, die Diskussion ist beendet, ein Imbiss und weitere Gespräche bei einem Glas Sekt warten. Initiiert hatte die Diskussion der neue KHBB-Geschäftsführer Martin Espenhorst.


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