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Nicht nur Kinder mögen den plattdeutschen Lesewettbewerb: Kreisentscheid in Bersenbrück „Vull Spoaß“ mit einer sterbenden Sprache

Von Martin Schmitz


Bersenbrück. „Vull Spoaß hebben“ wollte Herbert Staas am Kreisentscheid im Plattdeutschen Lesewettbewerbs in Bersenbrück. Doch um den Teilnehmern die Regeln zu erklären, schaltet selbst Moderator Staas ins Hochdeutsche um.

Groß geworden sei er nämlich mit „Vöhdener Platt“, erläuterte der Marketingexperte der Kreissparkasse den gut 50 Schülern vom dritten bis zum zehnten Schuljahr, die als Schulsieger im Gymnasium Bersenbrück zusammenkamen. Und das Platt aus der Übergangszone zwischen Südoldenburg und dem Osnabrücker Nordland ist nun einmal nur eine von vielen Varianten dieser Sprache, die sich von Dorf zu Dorf unterscheiden. Staas verkündete die Spielregeln auf Hochdeutsch, um Missverständnisse zu vermeiden.

Das Springen zwischen den beiden Sprachen findet Ralf Menke-Stickfort völlig in Ordnung. In den Neunzigerjahren nahm er selbst als Schüler an diesem Wettbewerb teil, stieg über Bersenbrück bis zum Landessieger auf. Als Handelsschullehrer kehrte er nun in die Jury zurück. In seiner Familie daheim in Bieste sei nämlich auch nicht reines Platt gesprochen worden, sondern ein „Kauderwelsch“ oder „Kuddelmuddel“, wie es gerade passte. Der lockere Umgang mit der Sprache verbessert aber die Fähigkeit, Sprachen zu lernen, sagt er.

Ein Grund mehr, dass sich Kreissparkasse und Kreisheimatbund Bersenbrück für diesen Wettbewerb seit 1979 engagieren, sagt Karl-Heinz Schnebel. Auch wenn der Niedersächsische Landtag ausnahmsweise auf Platt debattiert, bleibt die Sprache weiter rückläufig. Die Zahl der Wettbewerbsteilnehmer auf Altkreisebene sank in sechs Jahren um ein Viertel. Die Schulen halten aber weiter zur Stange, ihre Zahl blieb in etwa gleich.

Der Kreisheimatbund konzentriere sich auf das Dokumentieren dieser aussterbenden Sprache mit wissenschaftlicher Hilfe, berichtet sein Vorsitzender Franz Buitmann. Und gibt ein neues Hörbuch heraus. Trösten mag sich Buitmann damit, dass Wilma Göhlinghorst aus der Heimatbewegung von den Kindern als Autorin hoch geschätzt wird. Ihre saftigen Anekdoten und ihre fast poetischen Miniaturen gehören zu den am häufigsten vorgetragenen Texten.