Im Gedenken an die Reichspogromnacht Kinder putzen Stolpersteine in Alfhausen

Vor dem Haus der Familie Herz Meyer in Alfhausen putzen Grundschulkinder die Stolpersteine blank. Foto: Martin SchmitzVor dem Haus der Familie Herz Meyer in Alfhausen putzen Grundschulkinder die Stolpersteine blank. Foto: Martin Schmitz

Alfhausen. Kinder stellen gescheite Fragen, zeigte sich beim Stolpersteinputzen in Alfhausen.

Am Samstag gedenkt das Land der Reichspogromnacht vom 9. November 1938, in der zahlreiche jüdische Synagogen brannte, jüdische Geschäfte geplündert wurden. Deshalb hatten sich am Freitag über 50 Kinder der Grundschule aufgemacht in die Thiener Straße. Dort hatte 2016 der Künstler Günter Demnig sieben Stopersteine ins Pflaster eingearbeitet. Sie erinnern an die Familie Herz Meyer, deren Haus hier einst stand. Sieben von mittlerweile 70.000 Steinen in Deutschland und 23 anderen Ländern, die an die Ermordung und Vertreibung von Juden im Nationalsozialismus erinnern. 

Zeljko Dragic hatte seine Kipa aufgesetzt, als er mit den Kindern über Judenverfolgung sprach. Foto: Martin Schmitz

Zeljko Dragic hatte eigens seine Kipa aufgesetzt, als er den Kindern erklärte, was Juden sind, was sie von anderen unterscheidet und was sie mit ihnen verbindet. „Musst du in die Synagoge?“, fragte ihn ein Junge mit Blick auf das Gebetskäppchen. Erst nach Einbruch der Dunkelheit, entgegnete Dragic, der als bekennender Jude in Heeke lebt. Dann beginnt für seine Glaubensgenossen der Schabbat. 

Bernhard Wellmann, der ehemalige Schulleiter in Alfhausen, hatte Blumen aus dem Judengarten mitgebracht. Foto: Martin Schmitz

Bettin Sajak und Franziska Plöger hatte den Vormittag im Religionsunterricht gründlich vorbereitet. Sie lasen gemeinsam eine Helfergeschichte ähnlich der von Oskar Schindler, erläutert Plöger. Und sie studierten mit den Kindern ein bekanntes hebräisches Lied ein, das sie zum Abschluss in den sonnigen Vormittag schmettertern: Shalom alechem. Friede sei mit dir.

Zuvor hatten sie die Stolpersteine auf Hochglanz gebracht, mit einem Kranz aus Kerzen geschmückt. Und mit bunten Herbstastern, die Bernd Wellmann aus dem „Judengarten“ mitgebracht hatte. So nannten die Alfhausener das Gartengrundstück hinter dem Haus, das die einzige Überlebende der Familie nach ihrer Rückkehr nach dem Zweiten Weltkrieg verkaufte. Wellmann und andere bauten später darauf ihre Häuser.

Kinder und Erwachsene schmückten die Stolpersteine mit einem Herz aus Kerzen und einem Strauß bunter Herbstastern. Foto: Martin Schmitz

Alfhausen hat das Schweigen hinter sich gelassen, benannte eine Straße nach seien jüdischen Mitbürgern und erinnert mit Stolpersteinen und einer Informationstafel an sie.

Dragic schlug den Bogen kindgerecht in die Gegenwart: „Auch wenn wir andere Meinungen haben, bedeutet das nicht, dass wir Feinde sind“, warb er darum  „aus der Geschichte zu lernen“.


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