„Pflastersteine und Schnellstraßen“ Alfhausens Ex-Bürgermeister Karl-Heinz Bittner wurde 80

Als seine Ehrengäste begrüßte Karl-Heinz Bittner  (links) Monika  von Schorlemer, Hans-Jürgen Fip, Hans-Gert Pöttering, Zeljko Dragic, Reinhard von Schorlemer. Foto: Georg GeersAls seine Ehrengäste begrüßte Karl-Heinz Bittner (links) Monika von Schorlemer, Hans-Jürgen Fip, Hans-Gert Pöttering, Zeljko Dragic, Reinhard von Schorlemer. Foto: Georg Geers

Alfhausen. In der Alfhausener Dorfpolitik war er ebenso erfolgreich wie umstritten. Darum ging es Karl-Heinz Bittner aber nicht am Abend seines 80. Geburtstages. Dort verriet er vielmehr, was ihn angetrieben hatte, in die Kommunalpolitik zu gehen: Der Wunsch, anderen zu helfen.

Sein Leben habe aus „Pflastersteinen und Schnellstraßen“ bestanden, erklärte der Mann, der 20 Jahre Alfhausener Bürgermeister war in einer Zeit, in der Alfhausen zur Industrie- und Tourismusgemeinde aufstieg. Einer Zeit, an deren Ende er 2001 im Krach geht. 

Zu seiner Feier wolle er die um sich versammeln, die ihm geholfen hätten, über die Pflastersteine voranzukommen, um die Schnellstraßen zu erreichen, sagt Bittner. Dazu zählt er Nachbarn und Sportkameraden, Jäger, Stammtischler und Politiker wie Hans-Gert Pöttering oder Reinhard von Schorlemer.

Man erfährt aber auch, dass er 1981 am Steuer eines Lkw saß, als der Malteser-Hilfsdienst Alfhausen seine Hilfsfahrten nach Osteuropa startete. Dass er jahrelang Amtshilfe leistete in Alfhausens Partnergemeinde Lärz in Mecklenburg-Vorpommern. In seinem Geburtsort Reichenbach in Schlesien engagiert er sich für den Aufbau einer heilpädagogischen Hilfe und beschafft für die Restaurierung der Kirche 150.000 Euro Zuschuss.

Bei der Vorstellung seiner Gäste erzählt Bittner auch Anekdoten aus seinem Leben. Foto: Georg Geers

Rastlos trat er nach seiner politischen Karriere ein in den Fahrgastbeirat der Planos, „mit dem Hintergedanken“, er könne etwas für die Wiedereinrichtung eines Bahnhalts in Alfhausen tun, verriet Bittner in der Feier. Außerdem engagiert er sich im Verein „Brücken bauen Niedersachsen“, der eine Jugendaustausch mit Serbien pflegt und die Partnerschaft zwischen der Samtgemeinde Bersenbrück und der Gemeinde Ruma in der Vojvodina anregte.

Warum, habe er auf einer der ersten 24 Stunden dauernden Lkw-Fahrten nach Polen erfahren, auf denen die Malteser Anfang der Achtzigerjahre Hilfsgüter lieferten, berichtet Reinhard von Schorlemer. Dort habe ihm Bittner erzählt, wie es gewesen sei, als Sechsjähriger 1945 seine Heimat Schlesien verlassen zu müssen, auf einem Transport mit seiner Familie. Von den kargen Anfängen in Heeke und Alfhausen, wo sein Vater als Schlachter von vorn anfing und einen Betrieb eröffnete. „Ich habe es am Anfang schwer gehabt. Deshalb wollte ich anderen helfen, als es mir besser ging“, habe ihm Bittner damals auf der denkwürdigen Lkw-Fahrt gesagt. berichtet der ehemalige Bundestagsabgeordnete.

Darin sieht er die Motivation seines Freundes und Weggefährten, der sich „mit seiner Haltung in Polen für Europa eingesetzt“ habe. Dies Haltung habe auch dazu beigetragen, dass Bittner sich für die Ansiedlung von Russlandeutschen in Alfhausen stark gemacht habe. Selbst wenn es dabei, wie Bittner selbst an jenem Abend schmunzelnd eingesteht, auch um die Vermehrung der Alfhausener Bevölkerung gegangen sei, um mehr Kinder, um die Schule im Ort zu erhalten.

Bittner sei „etwas burschikos, und ein zäher Verhandler, mit einem gütigen Herzen unter einer rauen Haut“, zitiert von Schorlemer die Äußerung eines Weggefährten, als Bittner das Bundesverdienstkreuz überreicht bekommt. Er sei auch unkonventionell, als ihm 100.000 Mark für den Bau des Kindergartens fehlten, hängte er sich ans Telefon und besorgte das Geld bei der "Bild-Zeitung".

Er habe aber auch „viel für die Familie getan“, bescheinigt ihm sein Sohn Frank Bittner, der als Bürgermeister von Dinklage wie sein Vater über den Fußballsport in die Kommunalpolitik kam.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN