Mensch-App-Autor Michael Brendel Gast der KFD Eggermühlen: Internet und Smartphone verändern das Hirn

Bewusst mit ihren Daten umzugehen riet Autor und Medienexperte Michael Brendel seinen Zuhörern beim Vortrag "Die Mensch App" im Eggermühlener Pfarrheim. Foto: Peter SelterBewusst mit ihren Daten umzugehen riet Autor und Medienexperte Michael Brendel seinen Zuhörern beim Vortrag "Die Mensch App" im Eggermühlener Pfarrheim. Foto: Peter Selter

Eggermühlen. Michael Brendel, Autor des Buches "Die Mensch-App", berichtete in Eggermühlen von den Vor- und Nachteilen des digitalen Lebens mit Smartphone und Internet.

"52 Mal am Tag entsperren wir unser Handy - über 200 Mal blicken wir darauf" - die Folgen des digitalen Konsums würden erst in 10 bis 20 Jahren deutlich werden, das Phänomen sei sehr jung, gab  Brendel zu bedenken. Der Medienexperte und Autor des Buchs "Die Mensch-App" stand auf Einladung der Regionalgruppe Fürstenau der Katholischen Frauengemeinschaft (KFD) gut 30 Teilnehmern eines Vortragsabends im Eggermühlener Pfarrheim Rede und Antwort. 

Alle drei Minuten stirbt ein Facebook-Nutzer

Es gebe viele Vorteile, die sich mit Smartphones und Internet verbinden würden. Aber allein durch "Fitness-Tracker", die mittlerweile jeder Dritte hierzulande nutze, gehe das eigene Empfinden und das Bauchgefühl verloren, gab Michael Brendel zu bedenken. Zu viele digitale Funktionen bis hin zu den "Smart-Home-Anwendungen" im Haushalt seien problematisch.

Auch gehe durch die ständige Kontrolle über die Kinder verloren, dass diese eigenverantwortlich groß werden könnten. Die Gehirnleistung der Menschen verändere sich, wir würden zwar nicht dümmer, ein Teil des Gedächtnisses werde aber auf die Sammlung von kurzen Informationshäppchen trainiert, so Brendel. 

In nur acht Monaten verdoppele sich derzeit die Menge an Daten auf der Welt. "Das Internet ist überwältigend", sagt Michael Brendel.

 Alle drei Minuten sterbe ein Facebook-Nutzer. Die Daten des Verstorbenen würden jedoch erhalten bleiben und dürften nicht gelöscht werden. Daher halte er es auch für wichtig, quasi ein digitales Testament zu hinterlassen, so der Journalist und Medienfachmann. Durch die ständige Verfügbarkeit des Smartphones hätten wir häufig keine Ruhezonen mehr, dabei seien Ruhe und Langweile für das menschliche Gehirn sehr wichtig. 

Immer, wenn man im Internet kostenfrei Informationen oder Apps erhalte, zahle man mit seinen Daten, betonte Michael Brendel. Die Daten seien den Unternehmen sehr viel Wert. Für eine Adresse, bei der sich der Nutzer für Politik interessiere, würden beispielsweise 1,40 Euro pro Adresse gezahlt, die Daten eines Interessenten am Thema "Abnehmen" sei den Vertriebsabteilungen gut und gerne auch bis zu sieben Euro wert.  

Suchmaschinen sortieren Informationen vor

Die Kontrollverheißungen, die damit verbundenen Möglichkeiten und der Kontrollverlust in der digitalen Welt seien das größte Risiko der Allgegenwart der Smartphones. Als Filterblase bezeichnete er die Steuerung der Informationen - je nach Anwender - durch die Internetunternehmen. "Die Suchmaschinen sortieren für mich vor" so Brendel. So würden unkritische Nutzer in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt, da sie ja über die zur Verfügung stehenden Inhalte gar nicht mehr selber bestimmen würden. Glücklicherweise gebe es alternative Suchmaschinen, die den "Datensammlern ein Schnippchen schlagen" würden.

Aktuell müsse das Thema Medienkompetenz für alle neu gedacht werden. Dabei komme Lehrern und Erziehern auch eine besondere Rolle zu. Dabei gelte, dass diese Berufsgruppen sowohl im Job, als auch privat mit einem guten Beispiel vorangehen müssten. "Authentisch sein" sei auch hier wichtig, so Brendel. Und für alle gelte: "Man kann nicht über Datenschutz reden und Whatsapp nutzen". 


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