30 Semester lang getroffen Literaturkreis der Volkshochschule Bersenbrück macht Schluss

Von Reinhard Rehkamp

Dozentin Eveline Pochadt las zum Abschluss eine russische Geschichte vor. Foto: Reinhard RehkampDozentin Eveline Pochadt las zum Abschluss eine russische Geschichte vor. Foto: Reinhard Rehkamp

Bersenbrück. Von Kleis über russische Erzählung bis hin zu Märchen: Der Literatur der Volkshochschule hat sich in den vergangenen Jahren mit zahlreichen verschiedenen literarischen Werken beschäftigt und darüber diskutiert. Nun haben sich die Mitglieder vorerst ein letztes Mal getroffen.

Seit 2005 gab es in Bersenbrück den Literaturkreis, der sich in jedem Semester sechsmal alle vierzehn Tage traf. Dazu kamen durchschnittlich zwölf Interessenten. Nach 30 Semestern musste der Literaturkreis nun alters- und krankheitsbedingt seine Treffen einstellen.  

Doch es gab jetzt noch ein Abschlusstreffen, denn die letzte Zusammenkunft im abgelaufenen Semester war ausgefallen. Einige Teilnehmerinnen hatten den Raum in der Marktschule herbstlich dekoriert, Kaffee, Kuchen und Schnittchen besorgt. Auch ein Glas alkoholfreier Sekt wurde gereicht.

Der Literaturkreis mit Eveline Pochadt (4.v.re.) und Monika Block (3.v.re.) traf sich ein letztes Mal. Foto: Reinhard Rehkamp

Referentin Eveline Pochadt war sichtlich bewegt von der Wohnzimmeratmosphäre. Denn sonst fand oft die Abschlussveranstaltung in ihrem Wohnzimmer statt. Ein wenig ergriffen waren alle Teilnehmer, da im Laufe der Jahre eine große Verbindung untereinander entstanden war. Sie hätten viel erlebt, aber auch Schicksalsschläge mitmachen müssen. Sie hätten nicht nur auf vielfältige Weise Literatur erlebt, sondern auch die Verbundenheit untereinander gelebt. Pochadt sprach die Hoffnung aus, dass man sich auch weiterhin ab und zu sehen und austauschen könnte.

Unregelmäßige Treffen

Um Entzugserscheinungen vorzubeugen, schlug die Literaturwissenschaftlerin vor, das anspruchsvolle Buch „Maschinen wie ich“ vom englischen Autor Ian McEwan zu lesen, wobei es um künstliche Intelligenz in den 1980er Jahren geht, und sich dann zu einem Gedankenauszug im Februar nächsten Jahres wieder zu treffen. Mit dem Buch solle das Prinzip Hoffnung aufrecht erhalten werden, sich doch noch mal treffen zu können.

Begonnen hatte der Literaturkreis im Sommersemester 2005 mit anspruchsvollen Kurzgeschichten. Dann ging es weiter mit Wünschen der Teilnehmer. Russische und italienische Literatur folgte in den nächsten Semestern. Mit dem iranischen Autor Farhad Faseli gab es 2007 eine Autorenlesung. Ein Semester beschäftigten sich die Teilnehmer mit Novellen von Kleist bis zur Moderne.

2008 wurde ein Vorschlag einer Kursteilnehmerin aufgegriffen, Theaterstücke zu lesen und anschließend ins Theater zu gehen. So wurden „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing, „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza und „der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt gelesen. Anschließend schaute die Gruppe die Stücke im Theater an. Auf der Fahrt zu einer der Aufführungen hatte eine Gruppe eine Reifenpanne und kam erst im letzten Moment mit dreckigen Händen und verschwitzt zur Aufführung ins Emma-Theater.

Ein Semester Faust

Zwei Semester lang hat man sich mit österreichischer Literatur beschäftigt. Im zwölften Semester wurden deutsche Autoren mit kurzen amerikanischen Shortstorys gekreuzt. Es schlossen sich Erzählungen unter anderem von Thomas Mann an. Im 16. Semester beschäftigten sich die Literaturfreunde mit Märchenerzählungen. Russische Erzählungen wurden anschließend auseinander genommen. Im 21. Semester hat man Faust gelesen und sich anschließend in der Theaterwerkstatt angesehen. Danach hat man die Schauspieler eingeladen und noch mal über das Stück gesprochen.

Im letzten Semester wurde „Der Schneesturm“ gelesen. Damit beendete Eveline Pochadt den Rückblick über die lange Lesereise von 30 Semestern.

Anschließend trugen mehrere Literaturliebhaber Gedichte von Kalenderblättern vor. Gründungsmitglied Monika Block hob hervor, dass sich der Kurs sehr gut zusammengefunden habe über die ganzen Jahre. Für die Aussage „aber ein Kurs ist nur so gut wie ihre Dozentin“ erhielt sie langanhaltenden Applaus. Block betonte, dass Eveline Pochadt den Teilnehmern Literatur aus der ganzen Welt nahe gebracht habe. Sie habe den Kursteilnehmern immer zugehört, die Meinungen stehen gelassen und sie nie versucht, in eine Richtung zu drängen.

Für ihren langjährigen unermüdlichen Einsatz für diesen Literaturkreis überreichte Block der Dozentin ein Geschenk. Zum Abschluss las die Literaturwissenschaftlerin noch eine kleine russische Geschichte „Grammatik der Liebe“ von Iwan Bulin vor.


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