Wortgottesfeier in St. Vincentius Reggae Jam: Besonderer Gottesdienst für Pastor Jürgen Kuhlmann

Von Bjoern Thienenkamp

Ein Gottesdienst mit Ganjaman als Gast ist am Sonntagvormittag in der St.Vincentius-Kirche, wenige Schritte vom Reggae-Jam-Gelände entfernt, gefeiert worden. Foto: Reinhard RehkampEin Gottesdienst mit Ganjaman als Gast ist am Sonntagvormittag in der St.Vincentius-Kirche, wenige Schritte vom Reggae-Jam-Gelände entfernt, gefeiert worden. Foto: Reinhard Rehkamp

Bersenbrück. Sonntagmorgen, halb elf in Bersenbrück. Gottesdienst in der St.-Vincentius-Kirche hinter dem Markt. Statt der ansonsten 120 bis 130 Besucher sind rund 450 der 500 Plätze besetzt. Warum? Das könnte mit Sänger Ganjaman zusammenhängen, der vom Reggae-Jam-Festival gleich nebenan herübergekommen ist.

Am Samstagmittag waren Hausherr Pfarrer Jan Wilhelm Witte (rechts) und Pastor Jürgen Kuhlmann von der evangelisch-lutherischen Bonnus-Kirchengemeinde noch Zaungäste beim Reggae-Jam-Festival und wurden im VIP-Bereich stehend von Moderator Ganjaman persönlich begrüßt. Eine Verbindung zwischen Kirchengemeinde und Reggae Jam besteht zudem durch die Kolpingoase, die für zwei Hilfsaktionen Spenden sammelt. 

Foto: Björn Thienenkamp

Am Sonntagmorgen stehen beide dann zusammen für eine ökumenische Wortgottesfeier vor dem Altar und werden von Reggae-Jam-Macher Bernd Lagemann eifrig gefilmt.  

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Star des Morgens ist allerdings wohl eher der 44-jährige Berliner Steve, der als Ganjaman das Festival moderiert und eben auch Sänger deutscher Reggae-Texte ist. „Bis 2 Uhr habe ich noch auf der Bühne gestanden, ins Bett gekommen bin ich erst nach 3 Uhr“, verriet er im Gespräch mit unserer Redaktion. 

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„Geht es Euch gut?“, fragt Ganjaman die Kirchenbesucher und erntet als Antwort seinen ersten Applaus. „Steh‘ uns bei“, bittet der Künstler, sein erstes Lied singend. 

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„Jürgen, ich finde es schade, dass du uns verlässt“, sagt Ganjaman. „Ich bin mittlerweile Teil der Stadt“, erläutert der Sänger sein Wir-Gefühl und sieht sich quasi als Abschiedsgeschenk für den bald aus dem Amt scheidenden Pastor Jürgen Kuhlmann. „Ich bin ein Bersenbrücker“, hat er allerdings nicht gesagt. – Noch nicht. Tatsächlich könnte dies der letzte gemeinsame Gottesdienst der beiden Kirchenmänner sein. 

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„Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!“, zitiert Lektorin Herma Bültmann. 

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Was bewegt Ganjaman? Was denkt er? Auf diese Fragestellung Kuhlmanns war der Berliner anscheinend nicht vorbereitet, antwortet jedoch trotzdem beeindruckend souverän: „Wir sind getrieben von dem Wunsch nach Frieden.“ Über eine lateinische Bedeutungserklärung kommt er zu der Erkenntnis: „Das Individuum ist unteilbar.“ Selbst wenn man sich alleine fühle, seien wir doch alle miteinander verbunden. „Deshalb ist es so schön, so viele Gesichter zu sehen“, freut sich Ganjaman.

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„In Jamaika haben viele keinen Zugang zu Bildung“, sagt Annina Beck. „Zu einem guten Leben gehört Bildung dazu“, erklärt die Potsdamerin zu dem 2008 entstandenen Projekt „HELP Jamaica!“, für das die Kollekte bestimmt ist. „Warum ist Bildung wichtig?“, macht Kuhlmann Beck kurzfristig sprachlos. Anhand des „Alpha Institute“ erklärt sie, wie mit dem dort vermittelten Wissen über Siebdruck etwa Geld verdient werden könne.

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„Out Of Many, One People“, habe Kuhlmann zunächst für den Namen der Museumsausstellung zu 25 Jahren Reggae Jam gehalten, dann aber erfahren, dass dies der Wahlspruch Jamaikas ist. Zur Entstehung der Wortgottesfeier berichtet er, bei der Ausstellungseröffnung Handynummern mit Ganjaman ausgetauscht zu haben. „In der deutschen Sprache haben wir nur den Himmel, im Englischen gibt es jedoch den ‚sky‘ für den blauen Himmel mit Sonne und Flugzeugen sowie den ‚heaven‘ als glückseligen Zustand im Herzen“, sinniert Witte. „Lassen Sie sich prägen“, zieht er einen Vergleich zu einer Münze, deren Zustand sich dann aber nicht mehr rückgängig machen lasse. 

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Während der letzten Lieder Ganjamans stehen vereinzelt Besucher in den Reihen auf und schwingen mit, ein mutiger Reggae-Freund nähert sich Ganjaman und tanzt dort. Nach einer Aufforderung füllen sich die Gänge rasch mit Tanzenden.

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Vor der Kirche hat die Pfarreiengemeinschaft Hasegrund dann zum Kirchencafé geladen. „Einmal im Monat, immer am ersten Sonntag, laden wir zum Klönen nach dem Gottesdienst ein“, erklärt Ulla Mecklenfeld als stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderates.

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In der Küche des VIP-Bereichs auf dem Festivalgelände schneidet Renate Zimmermann derweil bereits wieder Tomaten.

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Und Angie G. Promotion ist mit Begeisterung dabei, die Mitwirkenden mit Wassermelonen und Ananas zu versorgen.

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Und auch auf der Bühne ist schon wieder etwas los: Für die kleinen Festivalbesucher wird der vierte Teil der Geschichte vom Reggae-Hasen Boooo aufgeführt.

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(Weiterlesen: Reggae Jam 2019: Mit Reggaehase Boooo startet der Sonntagnachmittag.)


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