Bauprojekt am Bahnhof Holger Paulsen holt Schienenbus nach Ankum

Auf der Ankum-Bersenbrücker Bahnlinie soll wieder ein Schienenbus rollen. Repro: Holger PaulsenAuf der Ankum-Bersenbrücker Bahnlinie soll wieder ein Schienenbus rollen. Repro: Holger Paulsen
Holger Paulsen

Ankum. Holger Paulsen will eine Rarität auf die Ankum-Bersenbrücker Eisenbahnlinie bringen: den nach seinen Angaben ersten in Niedersachsen gebauten Schienenbus. Der Umbau des Raiffeisengebäudes am Ankumer Bahnhof macht Fortschritte.

Zurzeit gestaltet der Techniksammler und Eisenbahnfan das Raiffeisengebäude am Ankumer Bahnhof mit öffentlicher Förderung um. Eine kleines Museum soll hier als touristische Attraktion entstehen, Büros für die Ankum-Bersenbrücker Eisenbahngesellschaft, Schulungsräume für Eisenbahner, eine Werkstatt und eine Wohnung. Dabei kam es zu Verzögerungen, so Paulsen, weil der Landkreis Osnabrück als Baugenehmigungsbehörde die Auflagen für die Statik verschärft habe.

Das Problem sei geklärt,  der Rohbau komme wieder voran. Der Bau der Werkstatt werde vorerst zurückgestellt, damit andere Gebäudeteile schneller fertig würden. Um die  Fördermittel aus dem Topf für ländliche Strukturentwicklung zu bekommen, muss Paulsen die Arbeiten termingerecht abschließen. 


Der Umbau des Raiffeisengebäudes am Ankumer Bahnhof läuft. Holger Paulsen und Architektin Heike Heilig. Foto: Burkhard Dräger


Der Mann aus Ahausen kündigt außerdem eine technische Attraktion für die kleine Bahnlinie an: Den ersten Dieseltriebwagen, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Niedersachsen gebaut und in Betrieb genommen worden sei. 1950 stellte ihn die Bremervörde-Osterholzer Eisenbahn (BOE) in Dienst.  Der Schienenbus, so nennt ihn Paulsen, sei restauriert und habe eine Zulassung für die Strecken der Deutschen Bahn, könne also auch über Bersenbrück hinaus zu Fahrten eingesetzt werden.

Genau das waren die Vorgaben für den Konstrukteur vor, als er das Fahrzeug für die Niedersächsischen Waggonwerke in Elze entwarf, geht aus einem Fachaufsatz hervor. Der Triebwagen sollte nämlich nicht nur gemächlich zwischen Bremervörde und der Kreisstadt Osterholz-Scharmbeck pendeln. Auf der Strecke liegt übrigens das Künstlerdorf Worpswede. Vielmehr sollte er das ländliche Gebiet auf einer vielbefahrenen Strecke an die Metropole Bremen anbinden. Das erforderte höhere Geschwindigkeiten als die damals üblichen 30 Stundenkilometer. Der Triebwagen erhielt Doppelachsen, um die verstärkten Vibrationen bei  höheren Geschwindigkeiten zu dämpfen.

Als Antrieb dienten zwei 150 PS starke Deutz-Dieselmotoren. Für den Treibwagen allein hätte einer gereicht. Doch der zweite Motor verbesserte die Betriebssicherheit und sorgte für zusätzliche Leistung. Damit war es möglich, einen zweiten Waggon anzukoppeln und zu ziehen, wenn die Passagierzahl zu den Spitzenzeiten die 70 Sitzplätze überstieg, die der Triebwagen zu bieten hatte. Als Komfort wertet der Aufsatz von 1951 die Waggonheizung und die Lautsprecheranlage, die auch Musik übertragen kann. Es gibt einen kleinen Gepäckraum mit Aufhängungen für Fahrräder.

Auf das Prinzip des Schienenbusses oder Triebwagens setzte auch die Ankum-Bersenbrücker Eisenbahn. Es passt zum geringen Passagieraufkommen der Kleinbahn und weil  auf beiden Seiten des Fahrzeuges ein Führerstand eingerichtet werden kann, braucht es keine Schleife fahren, um für die Rückfahrt zu wenden. 


Bis in die Sechzigerjahre waren Schienenbusse auf der Bahnlinie nach Ankum im Personenverkehr eingesetzt. Repro: ABE


Bis 1962 beförderte die ABE mit einem Schienenbus Passagiere. Die Bremervörde-Osterholzer Eisenbahn schaffte das sogar bis 1971, hatte dafür aber schon 1952 die Deutsche Bahn ins Boot geholt, die die Bahnlinie bis Stade verlängerte.

Die ABE könnte von der BOE  lernen. Ein bisschen Güterverkehr gibt es immer noch auf der Strecke, und seit der Expo im Jahr 2000 auch touristische Fahrten, clever vermarktet unter dem Begriff "Moorexpress", weil die Fahrten auch durchs Teufelsmoor führen.

Es gibt einen Förderverein, der über die "touristische Schiene" hinaus die Strecke für den öffentlichen Personenverkehr reaktivieren will. So weit denkt Paulsen nicht. Aber einen Verein oder eine Projektgruppe für die Oldtimerfahrzeuge im Ankumer Bahnhof kann er sich schon vorstellen.

Über so einen Verein kam übrigens der sympathische Daniel Wulfing zu seinem Beruf als Lokführer. Heute ist er Teilhaber der Weser Ems Eisenbahn GmbH, die auch die Ankumer Bahn befährt. Fünf Lokführer seien mittlerweile im Unternehmen tätig, berichtete er vor einigen Wochen. Aufträge gebe es jede Menge. Und die Art von Abwechslung, die den Lokführer einst zum Traumberuf machte.



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN