Klönfrühstück Debatte in Bersenbrück über klerikale Macht und Missbrauch

Von Bernard Middendorf

Kirche muss sich ändern, fordern Ulrich Beckwermert, Klaus Warning unf Franz Brinkmann im Bersenbrücker Klönfrühstück. Foto: Bernhard MiddendorfKirche muss sich ändern, fordern Ulrich Beckwermert, Klaus Warning unf Franz Brinkmann im Bersenbrücker Klönfrühstück. Foto: Bernhard Middendorf

Bersenbrück. Nachdenklichkeit, Zustimmung und klare Kritik: Verschiedenste Reaktionen rief das Referat von Domkapitular Ulrich Beckwermert beim jüngsten Bersenbrücker Klönfrühstück hervor. Der Titel „50 Jahre – Die Kirche im Wandel – nicht nur zum Besseren“ ließ kaum etwas anderes erwarten.

Tatsächlich entbrannte nach einem mutigen Vortrag eine sehr offene Diskussion. Der größte gemeinsame Nenner: Die Kirche hat eine Zukunftschance, aber sie muss sich ändern, und zwar konsequent. Auch Pfarrer i. R. Klaus Warning,der sich zu seinem 50-jährigen Priesterjubiläum durchaus kritisch zur Kirche geäußert hat, forderte zivilen Ungehorsam, mit dem er als Priester stets gut gefahren sei. 

Man muss der Kolpingfamilie bescheinigen, dass sie wieder einmal ein heißes Eisen angepackt hat; auch der Debatte über klerikale Macht und Missbrauch wich niemand aus. Ulrich Beckwermert, Domkapitular und Personalreferent des Bistums, bekräftigte, dass die Kirche, früher soziale Größe und Ort der Begegnung, nicht mehr das „Haus voll Glorie“ oder gar unfehlbar sei; ihre Autorität sei in Frage gestellt sei; sie müsse lernen.

Das II. Vatikanische Konzil in den Sechzigerjahren, von Papst Johannes  XXIII. einberufen, habe den Gläubigen immerhin die Freiheit gebracht, mündige Christen zu sein. Diese Bewegung der Offenheit und die Vielfalt, die in den Gemeinden entstehe, tue der Kirche gut. 

Die Weltkirche umfasse sehr unterschiedliche Kulturen.„Muss denn so viel von Rom kommen und geregelt werden?“ Beckwermert fragte eindeutig nicht nur rhetorisch. Frauen in der Kirche – auch der Initiative „Maria 2.0“ – bescheinigte er prägende Kraft und Führungsqualitäten.

Zölibat und Priesterinnen

Den Einsatz (schon) verheirateter Priester hielt er für denkbar, auf völlige Aufhebung des Zölibats oder ein Priesteramt für Frauen wollte er sich nicht festlegen. „Die katholische Kirche verzichtet damit auf 50 Prozent an Fähigkeiten und familiäre Erfahrung. Ich werde das nie verstehen,“ brach eine Teilnehmerin vehement eine Lanze für weibliche Amtsträger.

 Missbrauch in der Kirche sei kein Randthema, betonte Beckwermert. Der Missbrauch durch Priester müsse rückhaltlos aufgeklärt werden; im Bistum Osnabrück seien Staatsanwälte und Fachkräfte eingeschaltet.

Ein Zuhörer beklagte mangelnde Entschlusskraft der Bischofskonferenz: „Da geht einem der Hut hoch.“ Die Konferenz ringe zwar, aber auf notwendige Entscheidungen könne man nicht mehr lange warten, erklärte der Domkapitular.

Zu ökumenischen Gottesdiensten, die ein älterer Ankumer nicht als gültig ansehen konnte, stellte Klaus Warning klar, er habe schon vor Jahrzehnten mit 700 Gläubigen ohne Absegnung einen ökumenischen Pfingstgottesdienst gefeiert: Sein verschmitzter Hinweis „Osnabrück war ja Gottseidank weit weg“ kam an.

 Den eindringlichen Appell Beckermerts, Kirche müsse die Zeichen der Zeit erkennen, jeder einzelne könne dabei mitgestalten, begrüßte Franz Brinkmann, Organisator des Klönfrühstücks. Kirche müsse auch Heimat bieten, sagte er.


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