Zehn Jahre Laptopklassen Wie die Digitalisierung einer Schule in Ankum gelingt

Von Birgitta Strating

Der Umgang mit den Smartboards ist längst Alltag an der August-Benninghaus-Schule. Foto: Birgitta StratingDer Umgang mit den Smartboards ist längst Alltag an der August-Benninghaus-Schule. Foto: Birgitta Strating

Ankum. Vor zehn Jahren startete die erste Laptopklasse an der August-Benninghaus-Schule in Ankum. Mittlerweile arbeitet jeder ihrer Schüler mit schultauglichen Laptops.

Alle Jahre wieder gibt es an Ankumer Oberschule eine vorzeitige Weihnachtsbescherung für Fünftklässler: Sie  dürfen  ihre neuen Laptops auspacken. Ab dann gehören die von den Eltern geleasten Computer genauso dazu wie Bücher, Hefte, Mappen und Stifte. Für die Lehrer ist der digitalisierte Unterricht Alltagsgeschäft.  

Im Herbst 2008 kam Ralph-Michael Kienast, heute Didaktischer Leiter der Oberschule, mit der Grundidee von einer Fortbildung zurück. Im Sommer 2009 ging die erste Laptopklasse an den Start. Was mit viel Ausprobieren und einigen Stolpersteinen als Pilotprojekt für eine  Klasse begann, hat sich zu einem nicht mehr wegzudenkenden Profil der Oberschule entwickelt. Inzwischen arbeiten alle Schüler wie  selbstverständlich mit den Geräten. Derzeit sind über 430 in Gebrauch.


Die aktuelle Klasse 5b mit ihren Laptops im Englischunterricht. Foto: Birgitta Strating


Anfangs gab es im Lehrerkollegium skeptische Stimmen. Wie sollten die Pädagogen jetzt plötzlich ihren Unterricht digitalisieren und auch noch digitales Wissen vermitteln? Allerdings zeigte sich die große Mehrheit  bereit für die neue Herausforderung. Berührungsängste wurden schnell abgebaut. Unzählige Absprachen, Dienstbesprechungen, Teamsitzungen und natürlich Fortbildungen sorgten dafür, dass eine neue Form von Unterricht ihren Anfang nahm, permanent verbessert und professionalisiert.  

Annette Wessling, Fachlehrerin für Deutsch, Englisch und Religion, übernahm 2009 als Klassenleitung die erste Laptopklasse und stellte schnell fest, dass die Kinder mit Computer bereits so vertraut seien „wie Ältere mit dem Blättern im Telefonbuch“.

Anfangsfehler und Kritik

 Wessling und  weitere Lehrkräfte nahmen sämtliche Hürden, probierten aus, wandten neue Methoden und Konzepte  an. Die Arbeit  interaktiven Whiteboards gelang immer besser. Dennoch wurden auch Fehler gemacht – und wieder korrigiert.

Ein Generalfehler der Anfangszeit war es, die Laptops wie andere schulische Materialien mit nach Hause zu geben. Zurück im Unterricht waren viele Geräte dann nicht mehr einsetzbar. DasHochladen von  Dateien und Spielen hatte ihre Spuren hinterlassen und für Reparatur oder Zurücksetzen so vieler Geräte fehlte  Personal.


Und so begann es. Die erste Laptopklasse 2009 vor ihrem Whiteboard. Foto: Michael Kienast


 Kritisiert wurde der hohe Leasingpreis, den die Eltern für die Geräte zahlen mussten. Durch  einen Vertrag mit dem Verein „Mobiles Lernen“ waren die hochwertigen und besonders robusten Business-Geräte allerdings bestens versichert, was sich bewährt hat. „Wir hatten im Laufe der vielen Jahre relativ wenig Geräte, die wirklich ausgefallen sind“, beteuert  Kienast,  von Anfang an Drahtzieher und Betreuer des Projektes.

Der Run auf die Laptopklassen  wurde  so groß, dass es heute ausschließlich Laptopklassen an der Oberschule gibt. Positiver Nebeneffekt: Mittlerweile sind alle Lehrerräume mit modernen Whiteboards und Dokumentenkameras ausgestattet. Die Samtgemeinde Bersenbrück als Schulträger unterstützte das Digitalprojekt von Anfang an. Sie finanzierte neben den technischen Ausstattungen in den Räumen auch hunderte von Schließfächern mit integrierten Ladegeräten.

Ausgefeiltes Medienkonzept

Nach  einem Jahrzehnt Laptopklasse liegt an der August-Benninghaus-Schule  ein ausgefeiltes Medienkonzept vor, in dem genau festgelegt ist, in welchem Fach welche Fertigkeiten auf dem Stundenplan stehen.  Anstellen und Hochfahren der Geräte, Grundlagen des Speicherns, der Textverarbeitung und –formatierung bis hin  („blinden“) Zehn-Finger-Tastschreiben lernen schon die Jüngsten. „Meine Mama lernt zu Hause mit“, heißt es manches Mal.

In Jahrgang 6 lernen die Schüler digitaln Präsentationen zu erstellen, zunächst im Fach Biologie. In Jahrgang 7 liegt ein Schwerpunkt in der Tabellenkalkulation. Ab Jahrgang 8 stehen viele Programme und Anwendungen im Fokus,  in allen Fächern. Internetrecherche, Gefahren im Netz und der verantwortlicher Umgang mit sozialen Medien, aber auch „Cybermobbing“ bleiben Dauerthemen in allen Jahrgängen, passend zum Leitbild der Schule „Mensch sein heißt verantwortlich sein“. 

Erfolge auf Bundes- und Landesebene

Wie erfolgreich und zukunftsweisend das Laptop-Konzept ist, das beweisen  zahlreiche Auszeichnungen, die die Schülern erzielen konnten. So stellte die August-Benninghaus-Schule regelmäßig Landessieger im Bundestastschreibwettbewerb (Zehn-Finger-Tastschreiben) und 2017 sogar eine Bundessiegerin in der Tabellenkalkulation. Die Absolventen der Schule sind fit im Umgang mit  gängigenProgrammen und profitieren davon auf ihrem weiteren schulischen und beruflichen Werdegang – wie nicht selten zurückgemeldet wird.

Das Kollegium der Oberschule ruht sich nicht aus auf diesen Erfolgen. Regelmäßig bilden sich alle  fort. Im vergangenen Herbst gab es eine ganztätige schulinterne Lehrerfortbildung, in der alle Lehrer neue Techniken und Möglichkeiten der digitalen Unterrichtsgestaltung kennenlernten und für den Praxiseinsatz übten.

Seit Beginn des Schuljahres hat die August-Benninghaus-Schule mit Jens Haufe einen neuen Hauptverantwortlichen für den Bereich Digitales Lernen und Medienbildung. Dieser soll die Vorreiterstellung der Schule in der Digitalisierung  halten und ausbauen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN