Frank Alswedes "Nullparzellen" Gehrde: Wie ein Acker ohne Pflanzenschutz aussieht

Von Sigrid Schüler-Juckenack

Pflanzenschutz macht einen Unterschied: Berater Jörg Stratmann-Grandke, Frank, Heike, Arne und Eike Alswede
 auf einer Nullparzelle. Foto: Sigrid SchülerPflanzenschutz macht einen Unterschied: Berater Jörg Stratmann-Grandke, Frank, Heike, Arne und Eike Alswede auf einer Nullparzelle. Foto: Sigrid Schüler
Sigrid Schüler

Gehrde. Was passiert, wenn auf einem Acker kein chemischer Pflanzenschutz betrieben wird? Auf zwei Feldern des Landwirtes Frank Alswede aus Gehrde kann man das jetzt sehen. Frank Alswede beteiligt sich bei einer landesweiten Aktion des Landvolkes, bei der Landwirte über chemischen Pflanzenschutz informieren.

Am Feld „Ahrlings Am Hof“, rechts an der Neuenkirchener Straße in Richtung Neuenkirchen, baut der Gehrder Landwirt Chioggia-Bete an, eine Variante der Roten Bete. Gut von der Straße aus zu sehen hat er auf dem 1,5 Hektar großen Feld rund 25 Quadratmeter von Pflanzenschutzmaßnahmen ausgespart, als so genannte Nullparzelle. Ziel: Er möchte zeigen, was passiert, wenn er den Pflanzenschutz vernachlässigt. 

Schon jetzt, zu Beginn des „Versuchs“, sieht man deutliches ein grünes Karree. Die angebaute Frucht, die sich auf dem restlichen Feld in grünen Linien abzeichnet, ist auf der unbehandelten Fläche nicht mehr zu erkennen. Frank Alswede ist überzeugt, dass in ein paar Wochen das Unkraut kniehoch stehen wird. Und dann hat die angebaute Bete auf diesem Stück keine Chance, sich gut zu entwickeln. Die Unkräuter konkurrieren um Nährstoffe, Licht und Wasser und mindern den Ertrag.

Die mechanische Bekämpfung des Umkrauts ist bei dieser Kultur nur zwischen den Reihen möglich, so Alswede. Das Unkraut in der Reihe, also zwischen den Nutzpflanzen, müsste man von Hand entfernen, erklärt er. Das würde den Preis seines Produktes deutlich erhöhen. Insofern ist verständlich, dass der Landwirt auf chemischen Pflanzenschutz an dieser Stelle nicht verzichten will.

Strenge Kontrollen

Jörg Stratmann-Grandke, Berater bei der RWG Vechta-Dinklage eG, nennt ein weiteers Problem. Selbst wenn man sich entschließt, Unkraut auf dem Acker mechanisch und manuell zu entfernen, was ja theoretisch möglich ist: Woher sollen die Arbeitskräfte kommen, die diese Arbeit übernehmen? Er sieht keine Chance, für diese Arbeit jemanden zu begeistern. Mehr noch: „Der Mangel an Arbeitskräften ist ein noch größeres Problem als die Verteuerung der Produkte“, so Stratmann-Grandke.


Auf dem Acker am Felleckenweg in Gehrde begutachten Frank Alswede (links) und Jörg Stratmann-Grandke das Versuchsergebnis . Foto: Sigrid Schüler


Für die Kritiker des chemischen Pflanzenschutzes hat Landwirt Alswede Verständnis. Auch er selbst als Landwirt wolle so wenig wie möglich den Einsatz von Chemie. Aber es sei ihm wichtig, dass die Verbraucher wissen, warum chemische Pflanzenschutzmittel benötigt werden. Stratmann-Grandke weißt darauf hin, dass auch die konventionell angebauten Produkte streng kontrolliert werden und man sich nicht automatische gesünder ernährt, wenn man „Bio“ isst. Zur gesunden Ernährung gehöre vor allem, sich ausgewogen zu ernähren.

Auf dem Rübenacker am Felleckenweg in Gehrde hat Alswede eine zweite „Nullparzelle“ angelegt, auf der kein chemischen Pflanzenschutz betreiben wird. Bei beiden Parzellen stehen Schilder, die Passanten darauf hinweisen. Ein QR-Code auf den Schildern führt auf die Website des Landvolkes, auf der man sich über Pflanzenschutz informieren kann.


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