Zum Priesterjubiläum Alfhausen: Klaus Warning und die katholische Kirche

Klaus Warning vor Sieger Köders Flügelaltar. Foto: Heidi HerrmannKlaus Warning vor Sieger Köders Flügelaltar. Foto: Heidi Herrmann

Alfhausen. Ohne Papst Johannes XXIII. und das Zweite Vatikanische Konzil wäre er nie Pfarrer geworden, sagt Klaus Warning im Interview zu seinem 50-jährigen Priesterjubiläum. Doch der Aufbruch der katholischen Kirche in den Sechzigerjahren sei letztlich gescheitert an der Unbeweglichkeit der meisten Kirchenoberen. Trotzdem sei er immer noch gern Priester, sagt der Pensionär, der in Alfhausen-Heeke lebt und immer noch in der Pfarreiengemeinschaft Hasegrund aushilft.

Herr Warning, 1969 wurden Sie zum Priester geweiht, nicht im Dom zu Osnabrück, wie das üblich ist, sondern mit vier anderen zusammen in einer Gemeindekirche in Oesede. Hat das zu tun mit all den Umbrüchen und Reformen in der Kirche, die Papst Johannes XXIII. mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ab 1962 in Gang setzte?

Ohne Johannnes XXIII. wäre ich nicht Priester geworden, sage ich gern, wenn ich den Flügelaltar Sieger Köders für die St.-Heinrich-Kirche in Kiel vorstelle. Die Gemeinde schenkte mir eine Kopie davon. Viel zu schade fürs Wohnzimmer, finde ich, deswegen stelle ich das Kunstwerk immer wieder vor, im Dezember wieder in Eucharistiefeiern in und um Damme. Die Priesterweihe hatten wir uns damals gemeinsam so gewünscht. Sieben Schüler aus meinem Jahrgang am Carolinum ergriffen den Priesterberuf. Fünf davon haben ihr Leben lang Kontakt gehalten, obwohl das unseren Vorgesetzten anfangs gar nicht passte.

Wieso das?

Das war eine andere Kirche damals, konservativ und machtbewusst. Als ich mein Studium an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main begann, durften wir nur dreimal im Semester das Kolleg verlassen, mussten uns jeden Ausgang aber eigens genehmigen lassen. Es ist enttäuschend, wie die Kirche ihre Macht ausübt. Sie wollte gefügige Priester, das war ich aber nicht. Dass ich damals nicht rausflog, verdanke ich nur der Tatsache, dass mein Vater und Bischof Helmut-Hermann Wittler gemeinsam Abitur gemacht hatten.

Von Aufbruchstimmung war nichts zu spüren?

Doch, selbstverständlich. Der Eucharistische Weltkongress 1960 in München hat etwas verändert. Da war eine große Begeisterung für die Kirche zu spüren. Ich selbst habe mich durch die Jugendarbeit freigeschwommen. Was man für den Priesterberuf wissen muss, lernt man im Grunde durch die Jugendarbeit, nicht im Studium. Mit Kindern und Jugendlichen habe ich viel gearbeitet, aber die Erwachsenen dabei immer im Blick gehabt. Sie sind es, die für die Weitergabe des Glaubens verantwortlich sind. Vieles, was wir taten, war sehr heikel, selbst die gemeinsame Vorbereitung des Religionsunterrichts zusammen mit weltlichen Lehrern. Damals wie heute muss ein Priester bei vielen Dingen riskieren, sich den Zorn seiner Vorgesetzten zuzuziehen.

Damals wie heute? Hat sich denn nichts verändert?

Die Kirche hat sich angepasst, wo es notwendig war. Aber die Kirchenoberen es immer verzögert, weil sie fürchten, ihre Macht zu verlieren. Bischöfe wie Franz-Josef Bode sind ehrlich bemüht, aber sie haben nur wenige Gefolgsleute. Nehmen sie die Kommunion für Geschiedene oder den Segen für homosexuelle Paare. Na, da muss man doch Wege finden! Die Vollversammlung der Bischöfe hat im Frühjahr in Lingen einen synodalen Weg verkündet, aber ich bin skeptisch.

Was müsste sich ändern?

Man müsste den Mut aufbringen, Priester und Laien die Freiheit zu lassen. Warum lässt man die Gemeinden nicht einfach machen? Wenn die Ängste und das Machtstreben der Kirchenoberen vorbei wären, könnte man wieder leben in unserer Kirche.

War der Priesterberuf für Sie überhaupt die richtige Wahl?

(lächelt) Ich bin immer gern Priester gewesen. Den Glauben zu verkünden an junge Leute und Eltern lohnt sich nach wie vor, das hält mich am Leben.



Zur Person

Klaus Warning (76) wuchs in Osnabrück auf und machte sein Abitur dort am Gymnasium Carolinum. Theologie, Philosophie und christliche Sozialwissenschaften studierte er in Frankfurt, Münster und Osnabrück. Weitere Stationen: 1969 bis 1972 Kaplan in Hamburg; 1972 bis 1976 Jugend- und Studentenpfarrer in Lübeck; 1976 bis 1982 Kaplan und Lehrer an der Integrierten Gesamtschule in Fürstenau; 1982 bis 2000 Pfarrer und Krankenhausseelsorger an den Unikliniken in Kiel; 2000 bis 2009 Pfarrer in Lingen, zeitweilig war er dort geistlicher Rektor des Ludwig-Windthorst-Hauses, außerdem Rundfunkbeauftragter der Bistümer Hildesheim und Osnabrück für Privatsender. Nebenher verfasste er fast fünf Jahrzehnte Rundfunkansprachen für den NDR.

Jubiläumsfeiern

Zum Priesterjubiläum Warnings soll es drei Gottesdienste geben: am 22. Juni um 18.30 Uhr in St. Vincentius Bersenbrück, am 23. Juni um 10.15 Uhr in der Kapelle Mariä Himmelfahrt, Bieste und am 30 Juni um 9 Uhr in St. Johannis Alfhausen.



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