Wohnung gesucht Kein Platz für Tiere in Bersenbrück

Renate Wübbold muss dringend umziehen. Doch mit ihren Tieren findet sie keine passende Wohnung. Foto: Martin SchmitzRenate Wübbold muss dringend umziehen. Doch mit ihren Tieren findet sie keine passende Wohnung. Foto: Martin Schmitz

Bersenbrück. Renate Wübbold ist verzweifelt. Sie müsste ihre Wohnung in Bersenbrück schon längst geräumt haben. Weil sie aber Tiere hat, findet sie keinen Ersatz.

Zeitweilig muss es lebhaft zugegangen sein in jenem Haus auf einem Grundstück fast im Zentrum Bersenbrücks, dessen Erdgeschoss Wübbold seit fünf Jahren bewohnt. Sie erzählt von zwei Mischlingshunden, die hier herumtobten, in zwei Terrarien hielt sie drei Kornnattern. Und im Schuppen befand sich eine große Mäusezucht, mit dem Fleisch der Tiere fütterte sie ihre Nattern.

Die Mäusezucht hat sie aufgegeben, das Schlangenfutter kommt aus der Kühltruhe. Ihre drei Kaninchen und drei Schlangen hat sie zeitweilig in Pension gegeben, um sie für die Zeit ihres Umzuges aus dem Weg zu haben. Was bleibt sind eine Katze und ein Zwerg-Yorkshireterrier, "viel zu klein für einen richtigen Hund", sagt Wübbold, und nimmt ihn auf den Arm.

Ihre Vermieter haben ihr nämlich gekündigt, aus Eigenbedarf, wollen das in die Jahre gekommene Häuschen für sich selbst herrichten. Wübbold bemüht sich, schaltet Anzeigen, bewirbt sich bei der Baugenossenschaft, spricht die Samtgemeinde an, Kirchengemeinden, am Ende sogar die Wohnungslosenhilfe der Caritas. Doch für eine Hartz-Vier-Empfängerin mit tierischem Anhang ist der Wohnungsmarkt leergefegt.

Es gab bereits eine rechtliche Auseinandersetzung mit den Vermietern, berichtet Wübbold. Sie endete mit einem Vergleich vor dem Amtsgericht, der vorsah, dass sie bis zum 30. März die Wohnung räumen sollte.

Wübbold mietete einen Raum an in den Außenbezirken Bersenbrücks, ein Nebenraum eines teilweise  abgebrannten und abgerissenen Gebäudes, ohne Heizung oder Starkstromanschluss für ihren Herd, nur mit einer Toilette und einer Dusche. Es gebe einen schriftlichen Mietvertrag, sagt sie. Trotzdem habe der Vermieter seine Meinung geändert und  weigere sich jetzt, sie einziehen zu lassen.

Auch Vermieter unter Druck

Wübbold sei nicht wie vereinbart zum 1. April eingezogen, sagt der Mann dazu. Deshalb betrachte er den Mietvertrag als nichtig.

Mittlerweile, so Wübbold, hätten ihre Vermieter eine Räumungsklage angestrengt. Zugleich hätten sie ihr ein schriftliches Angebot gemacht: Wenn sie die Wohnung bis Donnerstag räumt, würden sie ihr einen Vorschuss zahlen, mit dem sie ihre Möbel einlagern und eine zeitlang in einer Pension oder Ferienwohnung leben könne, bis sie etwas gefunden habe. Doch Wübbold misstraut dem Angebot.

Auch die Vermieter stehen unter Druck. Ihre eigene Wohnung hätten sie bereits aufgegeben und seien nun darauf angewiesen, sich das Haus so rasch wie möglich herzurichten, sagen sie. Wübbold habe bereits beim Einzug gewusst, dass die Wohnung für sie nur eine Übergangslösung sein könne, weil die Vermieter das Haus in absehbarer Zeit selbst brauchen würden. Dass sie jetzt ausziehen müsse, wisse sie seit zwei Jahren.

Hermann Loxterkamp von der Samtgemeinde Bersenbrück kennt den Fall. Den Raum, in den Wübbold umziehen wollte, findet er als Wohnung unzumutbar. Die Frau in einer Sozialwohnung der Samtgemeinde unterzubringen, sei grundsätzlich möglich, sagt er. Allerdings ohne ihren Anhang: "In den Wohnungen der Samtgemeinde ist Tierhaltung grundsätzlich nicht erlaubt", stellt der Sachbearbeiter aus dem Fachdienst Soziales der der Samtgemeinde klar.

Genau das kommt für Renate Wübbold nicht infrage. "Ohne meine Tiere gehe ich nirgendwo hin", sagt sie.



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN