Lehrermangel und Schülerschwund Baier besorgt über BBS Bersenbrück

Die BBS Bersenbrück hat wesentlich dazu beigetragen, den Osnabrücker Nordkreis zur Bildungsregion zu machen, sagt Horst Baier. Nun befürchtet er Lehrermangel und einen Abbau an Ausbildungsgängen. Foto: BaierDie BBS Bersenbrück hat wesentlich dazu beigetragen, den Osnabrücker Nordkreis zur Bildungsregion zu machen, sagt Horst Baier. Nun befürchtet er Lehrermangel und einen Abbau an Ausbildungsgängen. Foto: Baier

Bersenbrück. In zwölf Jahren sind die Schülerzahlen der BBS Bersenbrück um zehn Prozent gesunken. Samtgemeindebürgermeister Horst Baier fürchtet eine Konzentration in der Berufsausbildung. Komplette Bildungsgänge könnten aus der Fläche verschwinden, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen würden.

Die Bundesrepublik Deutschland sei  stolz auf ihr System der dualen Ausbildung, das im Ausland immer mehr Nachahmer findet. Bei Berufsschulen abseits der großen Städte wie in Bersenbrück oder Melle sie  das Erfolgsmodell Berufsschule Gefahren ausgesetzt,  denen konsequent begegnet werden müssen. Baier ist Mitglied im Beirat der Berufsbildenden Schule Bersenbrück des Landkreises Osnabrück und macht sich Sorgen um die weitere Entwicklung. Die BBS hat sich immer sehr intensiv als Partner in der Bildungsregion Nord engagiert. Die Voraussetzung dazu ist aber eine leistungsfähige und gut ausgestattete Schule. 

Die Berufsschule in Bersenbrück ist teilweise einem Nachfragerückgang im Vollzeitschulbereich ein einzelnen Berufen ausgesetzt. So musste das Bildungsangebot für Fleischer und Bäcker mangels Nachfrage schließen. Die Schülerzahlen in Bersenbrück sind von 2007 bis heute von 2.200 auf ca. 2.000 zurückgegangen. Die bislang erfolgreich angebotenen Schulformen in Vollzeit sind politisch nicht mehr in dem Umfang gewollt. Viele Unternehmen versuchen junge Menschen in den Betrieben zu halten durch eigene Fortbildungsangebote. Die Berufsfachschulangebote werden weniger nachgefragt. Einen starken Einbruch gibt es beispielsweise bei der wichtigen Ausbildung für Hauswirtschaftskräfte.

"Bildungsreserven heben"

Die bislang erfolgreich betriebene Ausbildung von Pflegekräften ist schwieriger geworden, da durch die Zusammenführung der Ausbildung für Altenpflege und Krankenpflege ein Ausbildungsanteil verpflichtend in einem Krankenhaus zu leisten ist. Hier stehen Berufsschulen in der Konkurrenz mit Ausbildungsstätten der Krankenhausträger um die knappen Plätze. Baier ist der Erhalt der Pflegeklassen in Bersenbrück sehr wichtig, da der Pflegenotstand in Sicht ist und die Anzahl der Kräfte nicht ausreicht. „Gerade die Berufsschulen sind sehr gut in der Lage, die vorhandenen Bildungsreserven zu heben. Sie haben durch Kurse im Bereich Sprachförderung oder die Ausbildung von Migranten Zugang zu Personenkreisen, die für die Pflege gewonnen werden können“, findet Baier. (Weiterlesen: An 250 Schulen in Norddeutschland fehlen Rektoren)

Ein großes Problem ist die Ausstattung mit Lehrkräften und Finanzmitteln. Die Unterrichtsversorgung von Berufsschulen ist mit  90 Prozent am unteren Ende aller Schulformen. Den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Niedersachsen droht in diesem Jahr eine Verschärfung des Lehrermangels. Den Schulen steht weniger Geld für Pädagogen zur Verfügung als bisher. Nach einer neuen Vorgabe der Landesregierung dürfen BBS nur noch einen geringeren Teil von im Vorjahr erzielten Budgetüberschüssen für sich behalten – deshalb können viele Schulen Ende Januar auslaufende Verträge von Vertretungslehrern nicht verlängern.

Die Berufsbildenden Schulen sind einem chronisch unterfinanziertes Stellen- und Budgetsystem ausgesetzt“, findet Baier. Die früher gewährten freien Mittel für „Feuerwehrverträge“ hätten den Schulen einen Spielraum gewährt, um die größten Engpässe bei der Unterrichtsversorgung abmildern. Gleichzeitig gab es Möglichkeiten für die Berufsschulen, sich aktiv in die Bildungsregionen mit Projekten einzubringen. Dies war in Bersenbrück in der Vergangenheit ein sehr wertvoller Beitrag zur Entwicklung der Bildung. Die Berufsschule konnte bislang viele innovative Ideen, Projekt und zusätzliche Angebote einbringen. Dies ist nun in akuter Gefahr.

Kompetenzregion

Die Berufsschulen sind laut Baier eine wichtige Stütze, um Handwerk und industriellen Mittelstand mit Fachkräften zu versorgen. Dies gilt insbesondere für Landkreis Osnabrück mit seinen vielen Handwerksbetrieben.

„Bei den Berufsschulen müssen wir regional unter Einbeziehung der Berufsschulen in der Stadt Osnabrück denken. Die sieben Berufsschulen von Stadt und Landkreis müssen gemeinsame aufeinander abgestimmte Konzepte für Angebote entwickeln und sich als Kompetenzregion begreifen“, findet Baier. Zum Erhalt von Ausbildungsangeboten an allen Standorten müssen verwandte Ausbildungsgänge soweit möglich zusammengefasst werden. Eine Zentralisierung von Ausbildungen wäre für Baier sehr nachteilig für Auszubildende und Firmen.

Gleichzeitig fordert Baier die Landespolitik dazu auf, die Mindestgröße von Klassen zu verkleinern. „Es kann nicht sein, dass bei Klassengrößen von 7-15 Schülern nur 0,75 Lehrersollstunden vom Land zugestanden werden und so Druck auf eine Zentralisierung von Angeboten ausgeübt wird“, findet Baier. Auszubildenden der Holztechnik aus Bersenbrück wäre ist es beispielsweise schwer möglich, zur Berufsschule in Melle zu fahren, unabhängig von den nicht vorhandenen Nahverkehrsverbindungen.


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