Kriminalstatistik im Nordkreis Aufklärungsquote der Polizei Bersenbrück erreicht Rekordwert

Die Polizei Bersenbrück hat die Krimialstatistik für den Nordkreis vorgestellt. Foto: David EbenerDie Polizei Bersenbrück hat die Krimialstatistik für den Nordkreis vorgestellt. Foto: David Ebener

Bersenbrück. Die Kriminalstatistik zeigt es: Im nördlichen Osnabrücker Land lebt man sehr sicher. Vorausgesetzt, man gehört nicht zur Klasse der Dunkelmänner, die ins Visier der Polizei geraten.

3776 Fälle registrierte das Polizeikommissariat Bersenbrück in den vier Samtgemeinden des Osnabrücker Nordlandes. 65 Prozent dieser Fälle konnte die Polizei aufklären, so eine Quote erreichte sie noch nie. Seine Truppe leistet „gute Polizeiarbeit“, ist Matthias Meister überzeugt, der im vergangenen Herbst die Leitung des Kommissariats übernahm.

Jetzt könnte man natürlich auch bei der Fallzahl von einer Steigerung ausgehen, denn im Vergleich zu 2017 ist sie um fast 150 gestiegen. Doch seit 2015 pendelt die Zahl der Fälle zwischen 3600 und 3800. Und im Verlauf von zehn Jahren ist sie sogar um 1500 gesunken. In der gleichen Zeit stieg die Aufklärungsquote der Polizei um 15 Prozent.

Die Zahlen stimmen aber nicht unbedingt mit der gefühlten Sicherheit überein, wissen Meister und sein Chefermittler Reinhard Hagen, als sie die Statistik vorstellen. Gerade jüngst versetzte eine Meldung aus Bramsche Eltern in Aufregung, der zufolge ein Mann versucht haben soll, Kinder in sein Auto zu locken. Prompt häuften sich auch nördlich von Bramsche Meldungen solcher Vorfälle. Fünf verzeichnete die Polizei, vier stellten sich als harmlos heraus. Teils ging Kindern die Fantasie durch, einmal hatte ein Autofahrer in strömendem Regen einem völlig durchnässten Kind angeboten, es nach Hause zu fahren. Ein Fall wird weiter geprüft. 

Besonders unauffälliges Jahr

2018 könnte im Altkreis Bersenbrück zumindest als besonders unauffälliges Jahr in die Kriminalstatistik eingehen. Wenn man Reinhard Hagen, bekannt als hartnäckiger Ermittler, nach spektakulären Fallen fragt, muss er sehr lange nachdenken. Und dann fallen ihm die beiden Jugendlichen ein, denen vorgeworfen wird, mit zwei Brandstiftungen im vergangenen Herbst erheblichen Schaden angerichtet zu haben. Derzeit müssen die beiden sich vor dem Jugendgericht dafür verantworten.

Matthias Meister findet eine Zahl, die zeigt, dass man im Nordkreis sicherer und ruhiger lebt als anderswo: Die Häufigkeitszahl rechnet die Zahl der Taten auf 100.000 Einwohner um. Für den Nordkreis lautet diese Zahl 4788, sie liegt deutlich unter dem Durchschnittswert des Landes Niedersachsen von 6362. In Osnabrück-Stadt liegt diese Zahl bei 10.700, „mehr als doppelt so hoch wie im Nordkreis“, sagt Meister.

Die Zahl der Diebstähle lag 2008 noch bei 2500. Seitdem ist sie fast um die Hälfte gesunken, 2017 gab es 1287 Fälle, 2018 waren 1366.

Rückgang bei Einbrüchen

Bei den Einbrüchen gab es 2011 einen Spitzenwert von 156. Seitdem hielten sich die Zahlen auf einem Niveau von etwa 115 pro Jahr. Nach 2016 gab es einen deutlichen Rückgang, im Jahr drauf waren es 66. 2018 kamen 73 zusammen. 2016 richtete die Polizeidirektion Osnabrück eine zentrale Ermittlungsgruppe ein, erläutert Meister. Sie ist technisch gut ausgestattet und erkennt an steigenden Fallzahlen ziemlich schnell, wenn irgendwo Profi-Einbrecher unterwegs sind. Die Einheit arbeitet eng mit der Polizei in Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden zusammen. Ihr Stahlnetz zieht sich schnell zusammen.

Quelle: Polizeikommissariat Bersenbrück - Grafik:NOZ/Heiner Wittwer


Zugleich wirkt aber auch die Kriminalprävention, in der sich die örtliche Polizei ebenfalls engagiert, sagt Hagen. Die offen stehende Garage ist selten geworden. Viele hätten sich schon Gedanken gemacht, wie man mit einfachen Mitteln Fenstern und Türen sichern kann.

Die Zahl der Gewaltdelikte lag bei 112, im Jahr 2017 waren es 96. Die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt nimmt seit vier Jahren ständig zu, auf zuletzt 143 Fälle. Das beunruhigt die beiden Polizisten wenig. Seitdem die Polizei gegen prügelnde Partner oder Angehörige Hausverbot erteilen kann, und seitdem ein Netzwerk von Einrichtungen den Opfern hilft, „hat sich das Anzeigeverhalten geändert“, sagt Hagen. Opfer seien eher bereit, Täter anzuzeigen. Häufig versöhnten sie sich nach kurzer Zeit aber wieder.

Weniger Taten unter Alkoholeinfluss

Die Zahl der Tatverdächtigen unter Alkoholeinfluss ist von 351 im Jahr 2017 auf 309 in 2018 zurückgegangen. Auf drei deutsche Tatverdächtige kommt ein nichtdeutscher, an diesem Verhältnis hat sich seit Jahren nichts geändert.

Das Internet verändert auch die Kriminalität. Der klassische Betrug schwindet, Waren oder Zahlungsbetrug im Internet nehmen zu und beschäftigen auch die örtliche Polizei.

Alles in allem, sagt Matthias Meister, vermittelt die Kriminalstatistik eine deutliche Botschaft: „Die Menschen im Nordkreis dürfen sich sicher fühlen“.


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