Trennung und Scheidung Frauenberatungsstelle Osnabrück in Bersenbrück

Von Sigrid Schüler-Juckenack

Rechtsanwältin Renate Ida Kathmann (links) und Regina Bien, Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Bersenbrück. Foto: Sigrid SchülerRechtsanwältin Renate Ida Kathmann (links) und Regina Bien, Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Bersenbrück. Foto: Sigrid Schüler

Bersenbrück. Die rechtliche Beratung bei Trennung und Scheidung ist eins von vielen Angeboten der Frauenberatungsstelle in Osnabrück. Rechtsanwältin Renate Ida Kathmann, die dort berät, war auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten der Samtgemeinde Bersenbrück Regina Bien ins Rathaus nach Bersenbrück gekommen und sprach über ihre Arbeit.

„Man kann unheimlich viel falsch machen, gerade wenn man am Anfang keine Beratung hat“, erklärte Kathmann. Bei einer Trennung würden sich Frauen oft Gedanken darüber machen, was eine Beratung kostet und ob sie sich leisten können. Ganz wichtig zu wissen sei, dass, wenn zunächst kein Geld da ist, über das die Frau verfügen kann, ein Berechtigungsschein beim Amtsgericht beantragt werden kann. Mit dem kann man eine Beratung in Anspruch nehmen, und der Eigenanteil daran belaufe sich lediglich auf 15 Euro.

Kathmann hat nach eigenen Worten zudem in Gesprächen festgestellt, dass Frauen zunächst sehr zurückhaltend mit Forderungen an den Ehemann seien, da sie oft auf Ausgleich und Harmonie bedacht seien. Frauen wollten nicht „die Böse“ sein, die sich sofort einen Anwalt nimmt, vor allem dann nicht, wenn sie Hoffnung hätten, dass man sich im Guten einigen könne oder die Beziehung vielleicht noch zu retten sei. Aber: Bei Trennung besteht Anspruch auf Trennungsunterhalt, und zwar für zwölf Monate. Allerdings zählt der Anspruch nicht rückwirkend, was bedeutet, dass man bei Trennung den Unterhaltsanspruch sofort geltend machen muss, um keinen finanziellen Nachteil zu haben.

Grauzone

Unbedingt wichtig sei, dass man den Trennungstermin ganz klar benennen und am besten auch nachweisen könne. Dies ist nämlich bei der Vermögensauseinandersetzung von Bedeutung. Der Zugewinnausgleich werde nach dem, was zu Beginn der Ehe und was am Ende vorhanden ist, berechnet. Ist der Termin nicht genau zu benennen, zum Beispiel, wenn ein Paar aus Wohnungsnot noch unter einem Dach lebt, dann bestehe eine Grauzone, in der ein Partner Vermögen beiseite schaffen könne. Schwierig sei auch, wenn man sich in einer solchen Gemeinschaft noch versorgt, sprich: Die Frau wäscht für den Mann die Wäsche und kocht für ihn. Dann werde meist angenommen, dass die Trennung noch nicht stattgefunden habe. Der Zeitraum, in dem sich der Ehepartner heimlich bereichern kann, verlängert sich dann.

Hausfrauenehe

Auch in der Regelung des Umgangs mit Kindern können fatale Fehler passieren, so die Rechtsanwältin. So könne das Wechselmodell, bei dem Kinder jeweils die Hälfte der Zeit bei jedem Elternteil verbringen, problematisch sein, wenn es um die Berechnung der Unterhaltsleistung gehe. Der Unterhalt reduziert sich nämlich in der Zeit, in der die Kinder nicht bei der Mutter sind.

Die Rechtsanwältin rät deshalb, in jedem Fall eine Beratung in Anspruch zu nehmen, um nicht in die klassischen Fallen zu tappen. Gerade für Frauen, die eine so genannte Hausfrauenehe geführt haben, sei die Situation nach einer Trennung schwierig, da sie, wenn überhaupt, in der Regel weniger verdient hätten als der Ehemann und eine Rückkehr in eine Vollzeitarbeitsstelle nicht ohne weiteres möglich sei. „Wenn Frauen zur Erstberatung kommen, sind viele unsicher und ängstlich“, so die Expertin. Die Rechtsberatung mache die Frauen sicherer, denn: „Klarheit ist immer das Beste.“


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