Stiller Abschied einer Institution Den Imbiss Brinkmann in Ankum gibt es nicht mehr

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Sohn Michel packt mit an: Martin Brinkman baut seinen Imbiss-Stand ab. In Ankum war er eine Institution. Foto: Martin SchmitzSohn Michel packt mit an: Martin Brinkman baut seinen Imbiss-Stand ab. In Ankum war er eine Institution. Foto: Martin Schmitz

Ankum. Mitten in Ankum beginnt der Abriss für die Neugestaltung des Komplexes Hotel Schmidt und Modehaus Oevermann. Sonntagabend hat Martin Brinkmann seinen Imbiss geschlossen, am Montag abgebaut.

Der Imbisswagen unter dem Dach am Hotel Schmidt war viele Jahrzehnte eine einzigartige Ankumer Institution. Sonntags zur Messe in den Dom, danach eine Wurst bei Brinkmann und noch ein Softeis bei Paul Sich im Artländer Eiscafé, das war mal Ankumer Dreiklang.

Gestartet hat ihn Martins Großvater Georg vor gut 60 Jahren dort, wo heute die Sparkassenfiliale zu finden ist. Gegen 1970 schlüpfte der Imbisswagen in einem Nebenbau des Hotels Schmidt unter, einem ehemaligen Pferdestall. 1986 brannte dieser ab. Der Bau wurde erneuert, Martins Vater Manfred ließ sich im Ruhrgebiet einen neuen Wagen zusammenbauen in blau und weiß, den Farben seines Lieblingsvereins Schalke 04.

Schleichend krank geworden

Martin Brinkmann war schon als Kind dabei, hatte aber beruflich einen anderen Weg eingeschlagen, Forstwirt gelernt. Als sein Vater krank wurde, stieg er mit 21 Jahren ein.

Der heute 48-Jährige blieb dabei, obwohl ihm der Beruf zu schaffen machte, elf Stunden täglich am Grill, sieben Tage die Woche, im Imbisswagen oder auf Volksfesten, auf denen die Brinkmanns auch aktiv waren.

Um einen körperlichen und geistigen Ausgleich zu finden, begann er Zeitungen auszutragen. So erfuhr er frühmorgens vor drei Jahren, dass die Familie Schmidt ihr Hotel verkauft hatte. Sein neuer Verpächter Georg Dobelmann möchte zwar die ganze Ecke umkrempeln, aber den Imbiss Brinkmann als Ankumer Institution erhalten, sogar ausbauen. Und zwar mit Martin Brinkmann

Der blieb in dieser Frage unentschlossen. Das und die ständigen Fragen seiner Kunden, berichtet er, ließen ihn „schleichend krank werden“. Herzrasen, Panikattacken, ein Zusammenbruch, Untersuchungen und Behandlungen in den umliegenden Krankenhäusern folgten.

Georg Dobelmann habe ihn in dieser schwierigen Situation nicht hängen lassen, zeigt Martin Brinkmann sich erleichtert. Er habe vielmehr Pläne, die Imbissrestaurants in seinen Einkaufszentren zu einer Kette im einheitlichen Design umzugestalten. Brinkmann soll ihm als sein Mitarbeiter dabei helfen, seine Erfahrung einbringen. Im Ankumer Einkaufszentrum soll es in ein paar Wochen losgehen, nach einem kleinen Urlaub.

Zum Schluss musste es schnell gehen, der Abrissunternehmer legte den Termin vor, so Brinkmann. Nach großem Bahnhof zum Abschied war Martin Brinkmann sowieso nicht zumute. Also arbeitete er wie gewohnt am Sonntag bis 20 Uhr. Danach räumte er mit seinen Geschwistern auf und hängte ein Plakat ins Fenster, das besagt, dass der Imbiss geschlossen sei, mit einem Dank an seine Kunden und der Uhrzeit der endgültigen Schließung: 21.10 Uhr.

Am Montag begann der Abbau. Vielleicht begann an diesem Tag auch das zweite Leben des Martin Brinkmann.


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