Holger Paulsen beginnt zu bauen Museum für Ankum und „Eisenbahnschule“?


Ankum Holger Paulsens hat endlich grünes Licht für seine Umbaupläne für das Raiffeisengebäude am Ankumer Bahnhof. Anfang des Jahres soll es losgehen. Die Ankum-Bersenbrücker Eisenbahngesellschaft (ABE) will Bahnhof und Strecke auf Vordermann bringen.

Noch macht sich Hinterhoftristesse hinter den Gleisen breit. Anfang Januar will Holger Paulsen aber mit dem lange vorbereiteten Umbau des Raiffeisengebäudes beginnen. Ein zweistöckiger Hauptbau soll entstehen, mit Büros für die ABE und Schulungsräumen, einer Werkstatt mit Spezialmaschinen für die Reparatur von Oldtimern und einer Wohnung im Obergeschoss. Wo einst der der caritative Flohmarkt sein Quartier hatte, soll ein kleines Museum entstehen zum Thema Eisenbahn. Denkbar wären auch Ausstellungsstücke, die nach dem Umbau des Kreismuseums in Bersenbrück keinen Platz mehr hätten.

Das ist noch längst nicht alles, was der 57-Jährige in Ankum vorhat, der nach eigenen Angaben gerade seine unternehmerische Karriere als Fahrradbauer beendet. Im Frühjahr sollen Berufsschüler in einem Projekt mit der Restaurierung der historischen Waggons auf dem Bahnhofsgelände fortfahren. Aus ihnen sollen ein stationäres Zugcafé im Bahnhof werden und ein Ausflugszug für Fahrten vom Ankumer Bahnhof aus.

Seine Deutz-Diesellok möchte er so umrüsten, dass sie die Zulassung für die Bahnstrecke Ankum-Bersenbrück bekommt und zumindest für Schulungsfahrten eingesetzt werden kann.

Bereits jetzt interessiert sich ein Unternehmen, das Waggons wartet und repariert, für Schulungen in Ankum, erzählt Paulsen: „Unser Vorteil ist der Lokschuppen mit Grube. So etwas gibt es anderswo nicht mehr.“

Wiedergeburt des Schienenverkehrs?

Im Schuppen steht die „Köf“, eine Lokomotive, die die ABE vom Busunternehmen wieder in eine echte Eisenbahngesellschaft umwandelt. Paulsen hat sie der GmbH überschrieben im Tausch für das Raiffeisengebäude.

Die ABE hat für Museum und das Zugcafé 110000 Euro an Fördergeldern aus einem EU-Fonds für Strukturentwicklung eingeworben. berichtet Horst Baier, Bürgermeister der Samtgemeinde Bersenbrück und Vorsitzender der ABE-Gesellschafterversammlung. Und sie will im kommenden Jahr 340000 Euro „in die Ertüchtigung der Bahnlinie“ stecken, fügt er hinzu. Das Gleisbett und die Signaltechnik werden auf Vordermann gebracht. Fast 80 Prozent der Summe fließen ebenfalls als Zuschuss. Für das Café und die Ausflüge soll ein neuer Bahnsteig gebaut werden.

Vor einigen Monaten startete die Weser Ems Express GmbH als Partner der ABE Ausflugsfahrten mit Triebwagen von Ankum aus. Das Programm sei prima angelaufen, so Baier, bis 150 Gäste nähmen an den Fahrten teil. Durch die Zusammenarbeit mit Paulsen erhofft er sich zusätzlichen Schub für die Reaktivierung des Bahnhofs. Künftig soll er auch Touristen anziehen. Ankums Bürgermeister Detert-Brummer Bange, seine Gemeinde ist Mitgesellschafter der ABE, stimmt zu: „Paulsen macht aus dem Bahnhof wieder ein Schmuckstück.“

Beim Güterverkehr könnte sich auch bald etwas tun. Bislang gab es einige experimentelle Testfahrten auf der Strecke. 2019 sollen aber die Trassenpreise halbiert werden. Der Frachtverkehr wird damit günstiger. Den Speditionen werden die Fahrer knapp, beim Kohlendioxidausstoß ist die Bahn unschlagbar. Der Schienenverkehr könnte eine Wiedergeburt erleben.


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