Arbeiten mit Gefühl für Stoffe, Farben und schönes Wohnen Ankum: Jan Nannemanns Traumberuf ist Raumausstatter

Von Cristina Schwietert

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Jan Nannemann präsentiert seine Polsterarbeit an einem antiken Hocker. Foto: Cristina SchwietertJan Nannemann präsentiert seine Polsterarbeit an einem antiken Hocker. Foto: Cristina Schwietert

Ankum. Jan Nannemann aus Rieste ist 17 Jahre alt und im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Raumausstatter. Er lernt bei Nicola Wiewel, die ihre offene Schaufensterwerkstatt an der Ankumer Hauptstraße „Nic RaumWerk“ nennt.

Während seiner Schulzeit mit erweitertem Realschulabschluss an der von-Ravensberg-Schule schnupperte Nannemann in unterschiedliche Berufe hinein. „Ich hatte keine Ahnung, welcher Beruf für mich der Richtige sein würde,“ erzählt er. „Ich habe daher einige Praktika absolviert, beim Konditor, in einer Physiotherapie, in der Krankenpflege, im Büro und bei Gardinen Kamlage in Bersenbrück. Da kam mir zum ersten Mal der Gedanke, dass Raumausstatter etwas für mich sein könnte, zumal ich sehr gerne mit schönen Stoffen und an der Nähmaschine arbeite. Kamlage bildete damals aber nicht aus und so bin ich nach Ankum zu ‚Nic RaumWerk‘ gekommen.“ In Nicola Wiewels offener Schaufensterwerkstatt an der Ankumer Hauptstraße bearbeitet Jan Nannemann gerade einen antiken Hocker und erklärt die Schritte anspruchsvollen Polstererhandwerks. „Zuerst muss man den alten Bezug samt Polsterung losschlagen. Dabei ist es wichtig, sich die Reihenfolge zu merken, weil die neuen Bezüge in der umgekehrten Reihenfolge wieder aufgezogen werden.“

Reihenfolge merken

Er hat Jutegurte auf den Holzrahmen gespannt und Stahlfedern platziert. Diese werden mit Jutefäden, die er über einen Wachskegel gezogen hat, befestigt und geschnürt. Als Nächstes wird er Spannleinen über die Federn spannen, auf dem danach mit Palmfaser, Afrik genannt, das Polster aufgebaut wird, darüber Schaumstoff. Zu guter Letzt, nach vielen Stunden Arbeit, wird der Hocker mit dem neuen Stoff bezogen. Wie neu wird das fertige Stück aussehen.

Zu Hause hat Azubi Jan übrigens schon die alten Küchenstühle seiner Mutter mit Leder neu bezogen. „Das hat irre lang gedauert, aber richtig Spaß gemacht.“

Nicola Wiewel ist Raumausstattermeisterin und Ausbildern von Jan Nannemann. 2014 hat sich die 43-Jährige mit einer offenen Werkstatt im Ankumer Oberdorf selbstständig gemacht. Im Frühjahr 2019 steht ein Umzug ins ehemalige Lokal Kassandra im Unterdorf an.

Nicola Wiewel beschäftigt eine Gesellin, die bereits bei ihr gelernt hat, und einen Azubi. „Grundvoraussetzung unseres Berufes, in dem man ja auch viel mit Kunden zu tun hat, sind Höflichkeit und die Fähigkeit, gut mit dem Kunden zu kommunizieren;“ sagt sie. „Jemand, der eine Ausbildung zum Raumausstatter machen möchte, sollte körperlich arbeiten können, einfach Lust dazu haben. Ein gutes Empfinden für Stoffe, Farben und schönes Wohnen ist selbstverständlich. Das Handwerkliche vermitteln wir in der Ausbildung. Wir erwarten ein mindestens zweiwöchiges Praktikum zum gegenseitigen Kennenlernen.“


Der Ausbildungsberuf: Daten und Fakten

Raumausstatter/in wird man in einer dreijährigen, dualen Ausbildung. Mit allen schulischen Abschlüssen kann man diesen Beruf erlernen. Voraussetzung sind, neben einem generellen handwerklichem Geschick, Sorgfalt, Geduld und Ausdauer bei der mitunter kniffeligen Arbeit, Spaß am Gestalten von Räumen sowie ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Empfohlene Ausbildungsvergütung: 1. Lehrjahr: 480 Euro, 2. Lehrjahr: 550 Euro, 3. Lehrjahr: 650 Euro.

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